| Filmreihe / Diskussion |
KUNST UND FILM |
| |
|
|
Orphée
von Jean Cocteau
Frankreich 1949 |
Dienstag, 05.12.2006
18.00 Uhr |
Akademie der Bildenden Künste
München, Akademiestr. 4
Vortragsraum 2/ Raum 29
|
Rocco und seine Brüder
von Luchchino Visconti
Italien 1960 |
Montag, 11.12.2006
18.00 Uhr |
Akademie der Bildenden Künste
München, Akademiestr. 4
Vortragsraum 2/ Raum 29
|
Ivan der Schreckliche
von Sergej M. Eisenstein
Sowjet Union 1943-46 |
Donnerstag, 14.12.2006
20.15 Uhr (1.Teil)
Donnerstag, 11.1.2007
20.15 Uhr (2.Teil) |
Filmcasino Gauting
Hauptplatz 4
82131 Gauting
|
ONE-FUTURE-PREIS 2006 zum Filmfest München
Preisverleihung: Samstag, 22. Juli, um 13.00 Uhr, im Gasteig (Black Box)
Der „One Future Preis 2006“ geht an den Dokumentarfilm „Crossing Arizona“
von Joseph Mathew und Dan DeVivo.
|
Dokumentation der Doppelmoral
»One-Future-Preis« der ökumenischen Jury beim Münchner Filmfest
www.sonntagsblatt-bayern.de/news/aktuell/2006
Diese Meldung: Ausgabe: 31 - vom: 30.07.2006
Der Dokumentarfilm »Crossing Arizona« ist zum Ende des Filmfestes München 2006 von der christlichen Interfilm-Akademie mit dem undotierten »One-Future-Preis« ausgezeichnet worden.
 |
|
»Filmpfarrer« Eckart Bruchner (3. v. li.) und die Interfilm-Jury (v. li.): Christine Weissbarth (Österreich), Galina Antoschewskaja (Russland), Rebecca Ahlen (Schweden), Rita Przygodda (Brasilien), Franz Indra (Deutschland), Ileana Cosmovici (Italien) und Bhagu Chellaney (Indien).
Foto: Schwebel
|
Nobody deserves to die in the desert for a cup of water - Niemand hat es verdient, wegen eines Glases Wasser in der Wüste zu sterben.« Das ist die Überzeugung der US-amerikanischen Filmemacher Joseph Mathew und Dan DeVivo, die sich in »Crossing Arizona« mit der Abschottung der amerikanisch-mexikanischen Grenze gegen Immigranten und Flüchtlinge auseinandersetzen.
Seit die amerikanische Südgrenze durch Mauerbau und Überwachungselektronik an den Grenzübergängen rigide gesichert wird, sterben immer mehr Immigranten bei dem Versuch, durch die lebensfeindliche Wüste Arizonas in die Vereinigten Staaten zu gelangen. Auch innerhalb der USA ist die Doppelmoral im Umgang mit dem Einwanderungsproblem umstritten: Einerseits wachsen die Ressentiments gegen die Immigranten aus dem Süden, andererseits werden diese als billige Arbeitskräfte von der amerikanischen Wirtschaft gebraucht.
Film-Familie Makhmalbaf
Die unterschiedlichsten Menschen und Gruppierungen kommen in »Arizona Crossing« zu Wort: Immigranten, Schleuser, Großgrundbesitzer, Grenzpolizisten, Lokalpolitiker und Bauern, die illegale Arbeitskräfte anstellen, werden ebenso befragt wie humanitäre Helfer und politische Aktivisten aus dem gesamten politischen Spektrum.
»Mit abwechslungsreicher Kamera und sinnvoll strukturierter Montage«, heißt es in der Jury-Begründung, »stellen die Filmemacher ein gut recherchiertes Gesamtbild der komplexen Problematik dar.«
Mit ihrem seit 22 Jahren vergebenen »One-Future-Preis« zeichnet die christliche Interfilm-Akademie Filme aus, die in »ethisch und filmästhetisch überzeugender Weise« den Gedanken an eine einzige, unteilbare Zukunft der Menschheit thematisieren. Die 1970 gegründete Interfilm-Akademie ist eine ökumenische Vereinigung mit der Zielsetzung, den Dialog zwischen Film, Kultur und Kirche zu fördern.
Leiter der Interfilm-Akademie ist der Gautinger evangelische Theologe, »Filmpfarrer« und Religionslehrer Eckhard Bruchner (61), der ausgezeichnete Beziehungen in die Filmszene und zum Münchner Filmfest unterhält.
Parallel zur Verleihung des »One-Future-Preises« veranstaltete Bruchners Interfilm-Akademie ein Seminar, in dessen Zentrum die Filme der iranischen Filmemacherin Samira Makhmalbaf standen. Samira Makhmalbaf war 1998 mit ihrem Film »Der Apfel« in Cannes die jüngste Regisseurin im offiziellen Wettbewerb. 2003 gewann ihr Film »Fünf Uhr am Nachmittag« ebenfalls in Cannes den Spezialpreis der Jury und den der ökumenischen Jury. Viele ihrer Geschichten handeln von Frauen, die von Männern unterdrückt werden.
Das Münchner Filmfest würdigte in diesem Jahr die iranische Filmer-Familie Makhmalbaf mit einer Retrospektive - der bislang größten Gesamtschau der Filme von Mohsen Makhmalbaf, seiner Frau Marziyeh Meshkini sowie den Kindern Samira, Hana und Maysam Makhmalbaf außerhab des Irans.
Verlorene Kassette
Der Film »Scream of the Ants« (Schrei der Ameisen) von Mohsen Makhmalbaf hatte in München seine Weltpremiere und galt auch als heißer Anwärter für den »One-Future-Preis«. Eine technische Panne nahm dem Film leider alle Chancen auf die Auszeichnung: Die Sichtungskassette war abhanden gekommen, bevor alle Juroren den Film über ein persisches Pärchen auf Sinnsuche in Indien gesehen hatten.
ms/nas
Dieser Artikel: Sonntagsblatt, Ausgabe 26/2010 vom 27.06.2010
Leichtigkeit des Seins und Schwere des Todes
Das 28. Münchner Filmfest überrascht mit philosophischen Filmen voller Schönheit
|
Der 10-jährige Dennis und seine kleine Schwester Chrissi sitzen auf den Stufen ihres kleinen Backsteinhauses und blättern nur allzu gerne durch das »Memory Book«, das ihnen ihre kürzlich verstorbene Mutter hinterlassen hat. »Als du geboren wurdest, Dennis, war dein Großvater ganz verrückt nach dir. Er war es, der dir den Namen Dennis gab«, liest Dennis. Das kostbare kleine Erinnerungsheft mit eingeklebten Bildern und Texten muntert die Kinder in ihrer Traurigkeit des Allein- und Aufsichgestelltseins auf. Die beiden Vollwaisen sind keine Einzelfälle in Uganda, einem Land, in dem rund zwei Millionen Kinder durch Aids zu Waisen geworden sind.
Ein Pfarrer als ambitionierter Cineast
Was die Münchner Filmemacherin Christa Graf in ihrer Dokumentation »Memory Books - Damit du mich nie vergisst …«, aus dem Thema »Aids in Afrika« ohne Pathos, aber nicht ohne Empathie gemacht hat, ist eine besondere Preziose, die vielfach preisgekrönt wurde. Nicht Krankheit und Leid stehen im Vordergrund von Grafs berührenden Porträts, sondern Aufmunterung und Zuversicht von Müttern, die von ihren Kindern mit bewundernswerter Stärke Abschied nehmen. Der Film ist jetzt noch einmal zu sehen: im Rahmen des unter der Leitung des evangelischen Pfarrers Eckart Bruchner stattfindenden zweitägigen Interfilm-Seminars, das zum festen Bestandteil des sommerlichen Münchner Filmfestes gehört (Rio Filmpalast am Samstag, 3. Juli um 15 Uhr).
Seminarauftakt ist der brandneue Dokumentarfilm von Stefanie Landgraf und Johannes Gulde »HipHop und Kalaschnikow« (am Samstag, 3. Juli, 10 Uhr), der den Blick ins aktuelle Krisengebiet von Beirut und Ramallah lenkt. Die 19-jährige Yasmin aus München packt ihren Laptop und einige Reiseutensilien ein und steigt zusammen mit dem HipHop-Künstler Enz in einen Flieger nach Beirut. Gemeinsam wollen sie herausfinden, was aus den palästinensischen Flüchtlingen geworden ist, die Yasmins Vater, Johannes Gulde, vor fast 30 Jahren gefilmt hat.
Und weil der ambitionierte Cineast Eckhard Bruchner, der sich unermüdlich für den Dialog der Kulturen einsetzt, auch gerne gesellschaftspolitisches Kino von gestern in Erinnerung ruft, wird auch der Filmklassiker und damals für Schlagzeilen sorgende kritische Heimatfilm »Jagdszenen aus Niederbayern« von 1968 gezeigt, dessen Regisseur und Vertreter des Neuen Deutschen Films, Peter Fleischmann (73) gleichzeitig mit dem One-Future-Preis 2010 für sein Gesamtwerk (am Samstag, 3. Juli um 13.Uhr im Gasteig in der Black Box) geehrt wird. Eine wohlverdiente und längst fällige Auszeichnung, die Fleischmanns Engagement für Menschenrechte und gegen Unterdrückung würdigt.
Das zum 28. Mal stattfindende Filmfest München (25. Juni bis 3. Juli) fokussiert neben seinen bekannten Sektionen (Internationales Programm, Nouveau Cinéma Français, American Independant, Visiones Latinas, Fokus Fernost, Neue Deutsche Kinofilme, Deutsche Fernsehfilme und Kinderfilmfest) in diesem Jahr auf das größte Filmland: Indien. In der jährlich um rund 30 Millionen Einwohner wachsenden Nation etabliert sich eine westlich orientierte Mittelschicht mit jungen Filmschaffenden, die sich vom traditionellen Bollywood-Schmonzetten-Kino weg in Richtung Autorenfilm entwickeln.
Während die Welt sich im Umbruch befindet und das politische Kino im Aufwind ist, schaut man gerne auf das Leben des einzelnen Menschen und erzählt es in kleinen Geschichten. Oft ist es nichts Ungewöhnliches, was da passiert. In behutsam langen Kameraeinstellungen wird der Alltag schnörkellos nachgezeichnet. Auffallend häufig bei mexikanischen oder spanischen Filmen: Da will einer die Landesgrenze passieren und wartet auf den richtigen Augenblick (»Norteado« von Rigoberto Perezcano) oder pflegt den Müßiggang, wenn es an Aufträgen für Umzüge mangelt (»Perpetuum Mobile« von Nicolas Pereda). Passiert mal was Ungewohntes, dann kommt es mit überbordender suggestiver Kraft daher, wie der sperrige und nicht leicht zu durchschauende thailändische Beitrag »Uncle Boonmee who can recall his past lives« von Apichatpong Weerasethakul, dem diesjährigen Gewinner der Goldenen Palme von Cannes. Ein befremdendes und zugleich faszinierendes Filmwerk, das die Grenzen zwischen Sterben und Tod auslotet und dabei gleichzeitig in betörend schönen Bildern die Geister der Verstorbenen wie das Thema Wiedergeburt beschwört.
»Das Sein« - von seiner unerträglichen Leichtigkeit bis zum Nichtsein - ist auch das Motto der Open-Air-Reihe vor der Riesenleinwand im Gasteig-Innenhof. Da zu den existenziellen Fragen auch die Liebe gehört, gibt es zur Eröffnung das spanische Liebesdrama »Me Too - wer will schon normal sein?« des Regieduos Antonio Naharro und Alvaro Pastor.
Die Protagonisten: die schöne und erfrischend unkonventionelle Laura und der 34 jährige Daniel - mit Studienabschluss und own-Syndrom.
Angelika Irgens-Defregger
INTERFILM SEMINAR 2006
zum Filmfest München
 |
|
Interfilm-Seminar:
Samstag, den 22.Juli und
Sonntag, den 23. Juli
jeweils um 10.00 Uhr
im RIO Filmpalast
am Rosenheimer Platz |
|
|
|
Eröffnet wird das Seminar, das die Interfilm-Akademie gemeinsam mit den Landesmediendiensten Bayern und der Evangelischen Stadtakademie München veranstaltet, am Samstagvormittag mit dem Film DER APFEL. Am Samstagnachmittag wird der Film SCHWARZE TAFELN gezeigt.
Am Sonntag ist zu Beginn der Film FÜNF UHR AM NACHMITTAG. zu sehen, anschließend folgt unter Leitung von Pfarrer Eckart Bruchner eine Diskussion mit internationalen Gästen.
Montag, 15. Mai um 20.30 Uhr
im Theater "Heppel&Ettlich"
Kaiserstraße 67, München
Kartenreservierung telefonisch: 089 - 349359
G n a d e n l o s e W i r k l i c h k e i t
|
ein Film von Christine Weissbarth
und Livekonzert mit Tiger Willi & Bonzo
Christine Weissbarth ist Filmjournalistin und
Studienleiterin der Interfilm-Akademie München
Neu: Premiere Filme in München
ELEMENTARTEILCHEN

Im schönsten Kino Münchens im FILMCASINO am Odeonsplatz werden ab März Premiere Filme gezeigt. Im Rahmen der neueingericheten Reihe Münchner Filmgespräche wird am 7. März 2006, 20.15 Uhr der Premiere Film ELEMENTARTEILCHEN gezeigt.
Kinobetreiber Louis Anschütz (Filmcasino und Studio Isabella) und Filmpfarrer Eckart Bruchner (Interfilm-Akademie München) werden einmal im Monat einen Premieren Film jeweils im Rahmen der Münchner Filmgespräche einem interessierten Publikum zur Diskussion stellen.
Dieser Artikel: Sonntagsblatt, Ausgabe 10/2006 vom 05.03.2006
»Tal der Wölfe«: Ein Hass-Film in deutschen Kinos?
|
»Dialog zum Film«
»Nicht den Film verbieten, sondern sich mit den Herausforderungen auseinander setzen, das ist die richtige Reaktion. Wenn der Film in die Kinos kommt, werden wir, die Interfilm-Akademie, einen Dialog anbieten: Muslime, Christen, Menschenrechtler - wer sich angesprochen, verletzt, betroffen fühlt, sollte nach dem Film über das Thema sprechen. So gesehen ist der Film eine Chance zum Dialog der Religionen.«
Eckart Bruchner (61), Pfarrer und Rel.-Lehrer, Direktor der Interfilm, München
»Stimmung nicht anheizen«
»Ich finde solche Filme generell nicht gut - egal, ob sie nun von Türken in einer einseitigen Weise gemacht werden oder ob sie, wie meistens, die Amerikaner besser dastehen lassen. Dass der Film grausam oder einseitig ist, ist an sich nichts Besonderes - da gibt es viele solcher Machwerke. Schlimm ist es, wenn der Film eine sowieso schon aufgeladene Stimmung anheizt.«
Dagmar Obermeier (46), Journalistin aus Regensburg
»Die Intelligenz der Kinogänger«
»Ich habe mir den Film zu einem Drittel angeschaut und hatte persönlich große Lust, ihn abzusetzen. Aber als Kinobetreiber orientiere ich mich an der freiwilligen Selbstkontrolle und die hat den Film freigegeben. Es kommen ja ganz normale Kinogänger, die intelligent genug für ein eigenes Urteil sind. Von US-Feindlichkeiten unseres türkischen Publikums habe ich nichts bemerkt. Ich empfehle Gelassenheit.«
Wolfram Weber (58), Kinobetreiber (Cinecitta) in Nürnberg
»Kids wollen den TV-Held sehen«
»Bei den türkischen Kids, mit denen ich arbeite, ist der Hauptdarsteller ein beliebter TV-Serienheld. Deshalb wollen sie den Film sehen - wohl ein Actionfilm, der sich wenig um echte Zusammenhänge schert. Es wäre aber schlimm, wenn die Untaten der Filmbösewichter mit deren Religion gleichgesetzt würden. Warum gab es bei den üblen 'Rambo'-Streifen damals eigentlich keinen öffentlichen Aufschrei?«
Harry Imhof (62), EIBA-Jugendbildungsreferent, Bayreuth
|