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| Festivalreports | ||||||||
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4. Transilvanisches Internationales Filmfestival Cluj-Napoca 27.Mai bis 5. Juni 2005
Ron Holloway „Welche Stadt in Rumänien hat die meisten Kinogänger?“ fragte ein Newcomer bei einer Veranstaltung des 4ten Transilvanischen Internationalen Filmfestival (27.Mai bis 5. Juni). „Cluj-Napoca, natürlich hier gibt es die meisten Kinobesucher!“ antwortete Tudor Giurgiu stolz, Gründer und Leiter des Festivals. Napoca ist der alte römische Name dieser äußerst lebhaften Universitätsstadt früher Klausenburg. In der K-&-K Zeit hieß Cluj Kolozsvar. Die glanzvolle Stadt mit österreichischem Charme und ungarischer Eleganz besitzt wunderschöne alte Häusern, historische Monumente und Barrock-Kirchen, Universitäten und Akademien, Theater und Museen. Bewundernswert wie vielen Sprachen man im Festival-Büro hört: rumänisch, französisch, englisch, deutsch, ungarisch. Staunenswert die Zahl der ankommenden „Backpackers“ junge Leute aus Bukarest und Sibiu, aus Timisoara und Sighisoara. Beachtlich ihr Hunger nach gutem Kino, ihre Geduld, in Schlangen zu stehen, ihre Bereitschaft, auf dem Boden zu sitzen. Tudor Giurgiu hat Recht: Cluj in den Karpaten ist eine richtige Filmstadt! Cluj hat klug und bescheiden angefangen: im Programm unabhängige Produktionen, Werke von Kultregisseuren junges Kino für junge Leute. Nachdem Cristi Puius „Das Sterben von Herrn Lazarescu“ den Hauptpreis in der Sektion „Un Certain Regard“ beim diesjährigen Cannes Filmfestival gewonnen hatte, freierte das Festival von Cluj „seinen "Helden“. Als es bekannt wurde, daß „Das Sterben von Herrn Lazarescu“ im Wettbewerb beim diesjährigen Transilvanischen Filmfestival läuft, meldete sich sogar TVR (Rumänisches Fernsehen) an, um die Gala im Nationalen Theater in Anwesenheit der rumänischen Kulturministerin übertragen zu können. Und was ist passiert? Cristi Puius Film gewann fünf Preise:
Über zwei und ein halb Stunden schildert „Das Sterben von Herrn Lazarescu“ den Leidensweg eines kranken alten Mannes. Eines Tages, als Herr Lazarescu, ein alleinlebender Rentner und Trinker, gewahr wird, daß er sehr krank ist, ruft er die Nachbarn zu Hilfe. Sie bestellen einen Notarztwagen, die Krankenschwester begleitet ihn zum Krankenhaus. Jetzt beginnt der Leidensweg. Wie soll Lazarescu überhaupt registriert werden? Er hat keine Verwandtschaften. Die Geschwulst im Hirn verhindert seine Sprache. Die Betten sind alle belegt, weil am selben Tag ein schwerer Busunfall stattgefunden hat. Die Ärzte haben Wichtigeres im Kopf. Der Notarztwagen bringt den biblischen „Lazarus“ von Krankenhaus zu Krankenhaus. Immer das Gleiche. Der Kranke der Sterbende wird zum nächsten Hospital abgeschoben. Am Ende findet der „Todesengel“, die Krankenschwester im Notarztwagen, einen Ausweg. Sie benutzt denselben Jargon wie die Ärzte. Lazarescu bekommt sein Bett. Zu spät. Zwölf Filme liefen in einem starken Wettbewerb, die meisten Beiträge schon preisgekrönt bei anderen Festivals. Die Transilvanische Trophäe wurde geteilt, die Jury gab zwei Hauptpreise ex aequo an Ilja Khrzhanowskijs „4“ (Russland) und Pablo Rebella und Pablo Stolls „Whisky“ (Uruguay). Khrzhanowskijs „4“, der nach Venedig eingeladen wurde und den Tiger Preis des Rotterdam Filmfestivals gewonnen hat, erzählt die merkwürdige Geschichte von vier angeblich „geklonten“ Schwestern, eine davon ist gerade gestorben. War das Klonen in Russland überhaupt möglich? Hat die russische Regierung noch ein verstecktes Geheimnis? Oder spielt der Drehbuchautor Vladimir Sorokin, anerkannt für seine skurrilen Geschichten, mit der These, daß er uns alle provozieren könnte? Egal, die Idee ist faszinierend. Und die Bar-Szene am Anfang des Films Sorokins „Klon-Exposé“ ist verwirrend und verblüffend. Ähnlich wie „Das Sterben von Herrn Lazarescu“ von Cristi Puiu wurde „Whisky“ von Pablo Rebella und Pablo Stoll in Cannes entdeckt, bekam 2004 zwei Preise und danach machte der Film die Festival-Runde, bis er seinen Weg nach Cluj fand und sogar in die deutschen Kinos. Den Reiz dieser einfachen Geschichte von einer Scheinehe, minimalistisch erzählt mit subtilem Humor und unerwarteten Twists, findet man exakt im Titel. Als das Paar, der Besitzer einer Strumpffabrik und seine bescheidene, zurückhaltende Mitarbeiterin, für ein gestelltes Hochzeits-Foto sitzen muß, fühlen sie sich unbeholfen, bis der Kameraman den üblichen Befehl gibt: „Sagt Whisky!“ Die Entdeckung des Festivals? In der „Rumänien Tage“ Sektion lief Ruxandra Zenides „Ryna“, eine rumänisch-schweizerische Koproduktion von einer Rumänerin, die in der Schweiz lebt. Ryna (Dorotheea Petre), ein hübsches junges Mädchen, männlich gekleidet, tut die Arbeit für ihren betrunkenen Vater an einer Tankstelle abseits im Donau-Delta. Oft wird sie vom lüsternen Bürgermeister verfolgt und sogar mißbraucht. Der eigene Vater hat sie an den Bürgermeister verkuppelt, damit er eine zweite Pumpe für die Tankstelle bekommt. Dorotheea Petre bekam den Preis für die Beste Debutantin im Rumänisches Kino. Wie üblich in Cluj gab es für die Gäste einen Ausflug nach Sighisoara (Schäßburg), der altehrwürdigen Stadt aus dem 13. Jahrhundert. In Schäßburg ist das sagenhafte Schloß zu bewundern, in dem „Vlad der Pfähler“, der berühmte Dracula, sein Unwesen trieb. Sighisoara ist eine beliebte Attraktion für Touristen aus aller Welt. So beliebt, daß die rumänische Regierung jetzt einen „Dracula Entertainment Park“ plant in Bukarest! |
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