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16. Sotchi Festival des Russischen Kinos – Kinotavr 2.-12. Juni 2005
Ron Holloway

„Wir meinen, Sotchi soll im Zukunft das wichtigste Festival für das russische Kino werden“, sagte Igor Tostunow, Generaldirektor des erneuerten 16ten Sotchi Festival des Russischen Kinos – „Kinotavr“ kurzgefaßt – (2.-12. Juni). Und Aleksandr Rodnyanskij, Präsident der CTC Medien und Vorstandsmitglied des Sotchi Filmfestivals, fügte hinzu: „Nicht nur auf der nationalen Ebene wollen wir an Wichtigkeit gewinnen, sondern auch international!“ In der Vergangenheit, in der Zeit von Gründer-Direktor Mark Rudinstein, war „Kinotavr“ ein Festival mit zwei Programmen: Der Russische Wettbewerb wurde im Winter Theater und auf dem Platz vor diesem prächtigen Bau für das russische Publikum programmiert. Der Internationale Wettbewerb fand im Theater des Hotels Zhemzhuchina für die anwesenden internationalen Gäste statt. Jetzt, unter der neuen Leitung, gibt es nur den Russischen Wettbewerb – dazu ein duzend Nebenprogramme mit Spielfilmen, Dokumentarfilmen, Kurz- und Trickfilmen. Insgesamt waren zirka 100 neue russischen Filme zu sehen.

Gefragt nach dem Budget für den neuen Anfang, bestätigten Igor Tolstunow und Aleksandr Rodnyanskij die Zahl von 1.7 Million Dollar. „70% davon ist von privaten Sponsern gekommen, 30% von der Regierung in Moskau, von der Krasnodar Territorialen Regierung und von der Stadt Sotchi“. Dazu kommt noch die Beteiligung vom Fernsehen – das heißt: die Aufführung der Eröffnungsgala in Anwesenheit des Kulturministers Mikhail Shvydkoi und Interviews mit vielen Schauspielern und Regisseuren. Man sagt, daß im Sommer ungefähr 400 Filmpersönlichkeiten nach Sotchi zum Schwarzen Meer pilgern. Und wenn man die fein restaurierten Häuser und Hotels sieht, vermutet man zu Recht, daß die Milliardäre von Moskau diesen Ort mit Palmen und botanischen Pflänzen besonders lieben.

Zwei Jurys gaben Preise an Beiträge in den Wettbewerben für Spielfilme (16 Filme) und Kurzfilme (33 Filme). Pawel Lungins „Arme Verwandtschaften“ gewann gleich vier Preise: den Hauptpreis für Bester Film, Bestes Drehbuch (Gennadij Ostrowskij), Bester Schauspieler (Konstantin Khabenskij) und den Publikumspreis. Es ist die Geschichte von einem Taugenichts (Konstantin Khabenskij), der versucht, gefälschte Gräber von vermissten Gestorbenen an ihre reichen Verwandtschaften im Westen zu verkaufen. Die Komödie funktioniert, weil großartige Schauspieler so faszinierend zu gestalten wissen. Als jüdische Komödie konnte „Arme Verwandtschaften“ im Ausland an denselben kommerziellen Erfolg von Dani Levys „Alles auf Zucker“ anschließen.

Verblüffend, daß kein Preis für die Beste Schauspielerin vergeben wurde. Marina Zubanowa hätte diese Ehre verdient. Zubanowa spielt in Larisa Sadlikowas „Hausmutter gesucht“ eine Ersatzmutter, die versucht, ihre mageren Verhältnisse bei einer reichen Familie mit Tricks zu verbessern. Der fabelhaft Oleg Menschikow, in der Titelrolle von Philipp Jankowskijs „Staatsberater“, garantierte den künstlerischen Erfolg dieses historischen Dramas über terroristische Angriffe von Revolutionären um die Jahrhundertwende. Komik und Farbe bringt Nikita Mikhalkow (Präsident des Moskauer Filmfestivals) – und erhielt dafür den Preis Bester Schauspieler, geteilt mit Konstantin Khabenskij.

Ausgezeichnet als Bester Erstlingsfilm wurde Aleksei Fedorchenkos „Die ersten Menschen auf dem Mond“. Dieser herrliche „Mockumentarfilm“ schildert unter Zuhilfenahme authentischer dokumentarischer Ausschnitte die Möglichkeit, daß die ersten Menschen auf dem Mond nicht Amerikaner waren, sondern Russen! Fedorchenko berichtet, in der Zeit um den Zweiten Weltkrieg hätten russische Wissenschaftler athletische Sportler ausgesucht, mit der Absicht, die jungen Astronauten in einer Rakete ins All zu schicken, Richtung Mond. Fedorchenkos These geht so weit zu behaupten, daß diese „Mondmission“ tatsächlich stattgefunden hat. Leider sind die junge Helden nicht zurückgekommen!

Ilja Khrzhanowskijs „4“ gewann den Spezialpreis der Jury. Nach dem Erfolg dieses außerordentlichen schönen Spielfilms von einem Debütanten wird Ilja Khrzhanowskij (Sohn des berühmten russischen Trickfilmmachers Andrej Khrzhanowskij) als das wichtigste Talent im russischen Kino gefeiert … neben Aleksandr Sokurow. Zusammen mit dem Autor Vladimir Sorokin, der auch eine umstrittene Figur in Russland ist, erzählt Khrzhanowskij eine fiktive Geschichte – ein Geheimnis, aber jeder weiß es! – vom Klonen von Menschen auf Befehl der russischen Regierung. Durch ein hin-und-her laufendes Bargespräch behauptet ein Pseudo-Wissenschaftler, daß in der Tat Menschen schon „geklont“ wurden. Die Regierung hatte Klonen schon längst angeordnet. Nach und nach erfahren wir, daß die anwesende Frau eine von vier geklonten Schwestern seien könnte; sie fährt sogar zur Beerdigung von ihrer gestorbenen, gleich aussehenden Schwester. „4“, uraufgeführt in Venedig und preisgekrönt in Rotterdam, ist bis jetzt nicht in den russischen Kinos zu sehen. Der Film wartet auf die Freigabe durch den Zensur. Wahrscheinlich wird der Preis in Sotchi helfen, den Weg in die russischen Kino zu erleichtern. Ob das russische Publikum Khrzhanowskijs Film applaudieren wird, ist eine andere Frage.


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