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| Filmgespräche-Informationen | ||
| Süddeutsche Zeitung, Samstag/Sonntag, 5/6. Februar 2005 Kultur "Zuerst war mir die Jule sehr fremd" Hauptdarstellerin Julia Jentsch spricht in Gauting über "Die fetten Jahr sind vorbei" Gauting. Sie sieht genau so aus wie im Film, ungeschminkt, ein wenig blass, ein wenig müde und doch total wach. Sie ist direkt aus den Kammerspielen, wo sie als Antigone auf der Bühne stand, nach Gauting zum Filmgespräch gekommen. Und hat sofort die Zuschauer bezaubert. Julia Jentsch, die Julia aus "Die fetten Jahre sind vorbei", hat sich auf den Dialog mit den Gautingern eingelassen, freundlich die Bedeuting der Schlußszene erklärt, lächelnd die Reaktion des wieder freigelassenen Entführungsopfers interpretiert und ganz gelassen die Befindlichkeiten und Irretationen der Zuschauer über den Film akzeptiert. "Zuerst war mit die Jule sehr fremd", antwortet sie einer Zuschauerin, die wissen will, wie weit sie die drei jungen Schauspieler mit ihren Rollen identifizieren konnten. "Ich habe das Drehbuch gelesen. Dann redete man mit dem Regisseur Hans Weingartner, der sich die Darsteller ausgesucht hat, und nach und nach geht von einem selbst sehr viel in die Person ein ", erklärt sie. In Berlin gebe es viele junge Erwachsene, die unzufrieden seien mit den Verhältnissen, die nach neuen Wegen suchten, aber nicht wüssten, was sie tun sollen oder tun können. Im Gautinger Publikum sitzen vorwiegend Eltern, die dem entführten "Alt-68er" Hardenberg näher stehen, als den jungen Protagonisten. "Der hat sich zu viel gefallen lassen", sagt eine Frau und ist sich sicher, sie hätte ganz anders reagiert. "Das heißt ja dann, dass sie die Argumente der Jugendlichen nicht akzeptieren. Das ist sehr interessant", meint die Schauspielerin. Einer der jüngeren Zuschauer sagt, der Film drücke die Situation von vielen Jugendlichen gut aus und zeige, wie sie sich fühlen. Die Eltern hätten an der echten Jugendrevolte teilgehabt, möglicherweise seien sie heute etabliert und verständnisvolle, zu perfekte Eltern, die sich viel zu viel um ihre Kinder kümmern und jede Initiative ersticken. "Es ist eine spannenden Idee, den Leuten zu zeigen, dass nichts sicher ist", sagt Jentsch. Und trotz der Kluft zwischen den Generationen, sind sich schließlich unabhängig vom Alter, alle einig, dass die Idee, TV-Sendemasten lahm zu legen und sämtliche europäischen Fernsehkanäle zu unterbrechen, ein sehr hoffnungsvolles Signal ist. Blanche Mamer |
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