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Hans W.Geißendörfer: SCHNEELAND
Bei einem Autounfall verliert die Schriftstellerin Elisabeth (Maria Schrader) ihren Ehemann und bleibt allein mit drei Kindern zurück.
Verzweifelt beschließt sie, dem Geliebten in den Tod zu folgen. Sie macht sich auf den Weg in die Schneewüste Lapplands, wo sie ihren Mann vor Jahren kennengelernt hatte. In der Nähe eines Einsiedlerhofes findet sie im Schnee die Leiche einer alten Frau und entdeckt Spuren einer bewegenden Leidenschaft: die Geschichte der außergewöhnlichen Liebe zwischen Aron (Thomas Kretschmann), der mit einem dunklen Geheimnis durch die Welt wanderte, und Ina (Julia Jentsch), die seit ihrer Kindheit im Banne ihres übermächtigen Vaters (Ulrich Mühe) stand.
Elisabeth findet durch die Kraft aus der lange zurückliegenden Beziehung von
Ina und Aron, die gemeinsam versuchten, ihrem Schicksal zu trotzen, zurück
in ihr eigenes Leben und zurück zu ihren Kindern.
Hans W. Geißendörfer hat sich in seiner Filmvergangenheit des öfteren mit Literatur auseinandergesetzt. Jedoch allein die Verfilmung von Thomas Mann's "Zauberberg" bezeichnet Geißendörfer als wahre Literaturverfilmung, "wo Literatur auch im Film Gegenstand geblieben ist".
Weitere Beschäftigungen mit der Literatur sind die
- Schiller-Adaption "Carlos"(1971),
- "Sternsteinhof" (1976) nach Ludwig Anzensgruber,
- "Die gläserne Zelle" (1977) von Patricia Highsmith,
- "Justiz" (1993) nach Friedrich Dürrenmatt und nun sein neuester Film
- "Schneeland".
Geißendörfer bezeichnet es in diesem Film als ein "Stehlen" von Geschichten. Sein Plot hätte ebensogut in einer Zeitung stehen können: "Schriftstellerin geht ins Eis, um sich den Luxus einer hysterischen Trauer zu erlauben und ihrem Mann in den Tod zu folgen. Sie lässt ihre Kinder allein, stößt auf eine Leiche und beginnt neu zu leben. In den drei Geschichten die für den Film aus dem Roman herausgenommen wurden - Elisabeths Geschichte, Inas Geschichte und Arons Geschichte - ist der Roman längst nicht charakterisiert. In diesem geht es noch um ganz andere Dinge, die fürs Kino nicht interessant waren und ich hoffe, ich habe da eine richtige Auswahl getroffen", meint der Regisseur.
Christine Weissbarth sprach mit Hans W. Geißendörfer.
| Weissbarth |
Wo haben Sie den Roman gefunden und was hat sie daran so begeistert, dass Sie diesen Film realisiert haben?
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| Geissendörfer |
Gefunden habe ich den Roman durch eine Freundin, die wusste, dass ich schon lange nach einem Stoff suchte. Die Schauspielerin rief mich an und sagte: Hans, da ist Dein Buch. Sie hat es mir geschickt und sie hatte recht.
Das war Liebe auf den ersten Blick. Bei mir geht das erstmal über die Emotionen, wenn ich solche Entscheidungen treffe. Nach den ersten 20 Seiten habe ich mich in die Ich-Erzählerin geistig verliebt und fand ihr Schicksal, das sich hier bereits angekündigt hatte, sehr spannend. Ich war fasziniert von Ina und habe sofort begonnen, drehbuchmäßig zu denken. Die Möglichkeit, einen Film mit ganz wenig Sprache zu drehen sowie einen Film, der die Zeitunterschiede langsam auflöst und am Ende nur noch eine Zukunft als Erzählzeit hat, hatte mich fasziniert. Liebe, Tod, Sterben, Schuld - so richtig alttestamentarische archaische Grundurgesteine des menschlichen Lebens - sind schon sehr lange meine Themen. In dieser Geschichte fand ich alles sehr konzentriert.
Was ich daraus gemacht habe, sind fünf Figuren, keinerlei Ablenkung. Ich bin der schwedischen Autorin Elisabeth Rynell sehr dankbar, dass sie das für uns geschrieben hat.
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| Weissbarth |
Der Beginn des Films überrascht, dass Elisabeth die Kinder verlässt und bereit ist, in den Tod zu gehen.
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| Geissendörfer |
Das ist das, was mich an Ina so interessiert hat. Wie bringt eine Frau es fertig, 3 Kinder von ihrem Mann, den sie geliebt hat, der nun gestorben ist, einfach allein zu lassen. Wir erfahren, dass sie eine Schreibblockade hatte, also ihre Phantasie nicht mehr nutzen konnte, um künstliche Welten zu erfinden. Vielleicht war sie auch depressiv. Sie verlässt die Kinder, geht in Eis und Schnee, um dem Mann nachzufolgen. Sie geht an den Platz zurück, wo sie in der ersten Freude ihrer Liebe die Initialen in den Baum geritzt hatten.
Sie findet die Leiche und kommt über die Leiche auf einen ganz anderen Trip. Sie redet mit der Leiche, deckt sie im Schnee zu, alles irgendwie sehr komisch. Dann bereitet sie für die Tote ein Abendessen vor. Sie ist also eine Frau, die etwas ver-rückt ist, nicht im bösen Sinne verrückt. So wie man aus dem Bilderrahmen aussteigt, steigt sie aus ihrem Leben und steigt wieder zurück in das, was ihr eigentlich vorgezeichnet ist.
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| Weissbarth |
Sie haben die Biografien der Figuren aus dem Roman zum Teil verändert. Wie haben Sie das der Autorin gegenüber vertreten?
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| Geissendörfer |
Ja, da gab es Änderungen. Ina befreit sich im Roman nie von ihrem Vater. Ich habe die Autorin getroffen und ihr erklärt, was ich nutzen, was ich ändern und was ich gar nicht nutzen werde. Sie fand das alles in Ordnung. Sie sagte: "Der Roman ist da und Ihr Film wird eines Tages da sein. Zwei völlig verschiedene Medien."
Das war ein Erstlingsroman und ich nehme an, dass es eine Art Therapieroman war. Elisabeth Rynell hat auch ihren Mann verloren, ich glaube aber nicht so plötzlich wie die Elisabeth im Film. Was sonst autobiografisch ist, weiss ich nicht.
Wir haben die Rechte gekauft und ich habe ihr das Drehbuch zum Lesen gegeben. Ich habe mir mit ihr die Landschaft angeschaut, die sie im Kopf hatte. Das war aber alles nicht für meinen Film tauglich.
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| Weissbarth |
Was war das für eine Landschaft?
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| Geissendörfer |
Wir haben ja eine sehr karge, sehr baumlose Landschaft, mit Hochplateau, ungeheuer einsam und weit.
Da, wo sie es angesiedelt hatte, waren dorfähnliche Ansiedlungen. In Schweden stehen die Häuser ja nicht so eng beieinander wie bei uns in Bayern. Die sind etwas versetzter. Aber es war eine liebliche Landschaft mit viel Wald und grüner Wiese und schönem blauen See, also idyllischer und romantischer und für den Film völlig untauglich.
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| Weissbarth |
Warum diese einsame Landschaft?
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| Geissendörfer |
Die Landschaft ist ja quasi eine Hauptperson in dem Film. Sie ist sozusagen eine sechste Figur. Sie prägt die Leute und macht die Geschichte erst möglich. Um das zu erleben, was der Film in der absoluten hierarchischen Form ohne jede Ablenkung zeigt, braucht es Einsamkeit und eine abgeschlossene Gegend.
Ina hat kaum Möglichkeit, mit anderen Menschen zu kommunizieren. Um ins nächste Dorf zu gelangen, ist sie einen ganzen Tag unterwegs. Und selbst dies ist nur im Sommer möglich. Im Winter war das damals unmöglich.
Die Einsamkeit - nicht fliehen zu können und aufeinander angewiesen zu sein - ist bei der Paarung Vater-Tochter sehr wichtig. Die Landschaft durfte nicht lieblich sein, sie hat eine bestimmte Spröde. Da ist immer Wind oder Sturm und sehr viel Natur.
Ich bin überzeugt, dass die Geschichte in solch einer Landschaft glaubwürdiger spielt, als wenn wir sie mitten in einem Dorf oder einer Idylle à la Schwarzwald oder Allgäu angelegt hätten.
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Die einsame Landschaft
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| Weissbarth |
Das schicksalhafte Zusammentreffen einer Frau von heute mit einer Liebe von vor 70 Jahren bewirkt die Veränderung in Elisabeths Leben. Ist die Verbundenheit unserer Vergangenheit mit uns auch für Sie spürbar?
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| Geissendörfer |
Na klar. Die Vergangenheit prägt die Gegenwart. Wenn Sie aus der Gegenwart anhand von Recherchen oder Spurensicherung in die Vergangenheit zurückgehen, was ja Elisabeth macht, können Sie das erleben.
Sie findet Ina, die zwar tot aber absolut gegenwärtig ist. Elisabeth schöpft nun aus der Kenntnis des Lebens von Ina, ihrem Schicksal, ihrer Kraft sowie ihrer Liebe wieder Mut zu ihrem eigenen Leben. d.h. sie erfährt eine Veränderung, wenn nicht sogar eine Katharsis. Und das halte ich nicht nur im Kino, sondern auch im normalen Leben für möglich.
Ein Beispiel: 14/ 15 Jährige Lausbuben erfahren, dass ihr Vater 4000 Juden geköpft oder erschossen hat. Das verändert deren Leben. Natürlich ist das eine sehr radikale Erfahrung - Gott sei Dank ist das bei meinem Vater nicht so gewesen. Sie können also von Elementen aus der Vergangenheit, die in die
Gegenwart wirken, sehr beeinflußt sein.
Ich bin sicher, Sie haben ähnliche Erfahrungen, dass Sie sagen, Sie machen das deshalb so und so, weil in der Vergangenheit das und das passiert ist.
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| Weissbarth |
Elisabeth findet wieder ins Leben zurück.
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| Geissendörfer |
Ja, sie hat wieder Lebensmut, sie geht zu ihren Kindern zurück und weiss, dass das jetzt wichtiger ist. Also in den Tod zu gehen, um ihrer Liebe treu zu bleiben, war ihr erstes Ergebnis der Verzweiflung über den Tod ihres Mannes. Ihren Kindern, die ja von diesem Mann stammten, die Treue zu halten, war ihre zweite Version, und die hat Zukunft. Hochexistenzielle Fragen!
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| Weissbarth |
Sex und Gewalt haben Sie realistisch dargestellt.
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| Geissendörfer |
Ja, es ist deutlich und es ist realistisch. Wir haben nicht weggeguckt, wo es wehtut. Realistisch ist es, aber es ist sicher nicht voyeuristisch. Da würde ich es nicht vertreten. Es ist eine behutsame Beobachtung von grässlichen Ereignissen. Ich fand es wichtig in diesem Film, nicht wegzuschauen, wenn es wehtut, und nicht ins Off zu schneiden und nur noch Schreie oder das Klatschen der Schläge zu hören. Ich wollte, dass der Zuschauer gezeigt bekommt, was da wirklich passiert, um auch das Leid bei Ina wirklich mitzuerleben. Wenn es dann zum Schluss zum Mord am Vater kommt, muss man ja kapieren, dass diese grässliche Tat eine Befreiung ist.
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| Weissbarth |
Sie hatten hervorragende Schauspieler. Welche Schauspieler standen von Anfang an fest?
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Maria Schrader
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| Geissendörfer |
Als ich Elisabeth geschrieben habe, habe ich an Maria Schrader gedacht. Ich wollte schon lange etwas mit ihr machen, aber wir sind nie zusammengekommen. Die anderen Figuren sind erst dazugekommen, als das Drehbuch fertig war.
Ich habe Julia Jentsch durch die Casting-Agentur Nessi Nesslauer kennengelernt. Wir saßen in einem sehr düsteren Café hier in München, und nach 10 Minuten war mir klar, dass es keine bessere Ina gibt. Sie ist ein Geschenk für den deutschen Film. Das Madel ist irre gut. Die ist einfach umwerfend.
Ulrich Mühe ist ein kluger Schauspieler, der mitdenkt, der anbietet, der eine irre Technik hat und sehr präzise ist. Er ist einfach ein denkender Schauspieler, mit dem es Spaß macht, Dinge so lange zu entwickeln, bis man das Ergebnis hat. Er ist ein sehr vitaler, lebenslustiger Kerl, sehr sehr klug.
Und Ina Weisse ist mir bei einem Fernsehfilm aufgefallen.
Eine wichtige Figur ist natürlich Thomas Kretschmann. Thomas kannte ich nur von dem Polanski-Film. Ich hab ihn in L.A. besucht, habe mit ihm geredet und ihn und sein Umfeld beobachtet.
Die anderen vier sind alle gelernte, handwerklich ausgebildete Schauspieler, die auch auf der Bühne stehen, v.a. Julia Jentsch und der Ulli sind richtige Theaterstars.
Thomas Kretschmann dagegen hat sich seine Ausbildung durch Beobachtung der amerikanischen Schauspieler geholt. Er spielt ganz anders. Er hat eine völlig andere Technik, an die Sache ranzugehen, eine Szene aufzubauen. Er spielt in dem Film einen Fremden, der von einer anderen Insel kommt. Das war mit ein Grund, warum ich ihn haben wollte, weil diese beiden Spielwelten schon die Fremdheit betonen. Also: ich komm von wo anders her, ich darf mich bei euch gar nicht niederlassen, denn ich darf ja nicht mehr richtig lebendig leben, ich hab keine Zivilrechte mehr, usw. Das hat sich alles wunderbar gefügt.
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Julia Jentsch
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Thomas Kretschmann
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| Weissbarth |
Was macht Thomas Kretschmann bei der Probe anders?
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| Geissendörfer |
Er will in der Probe nur markieren, während einer, der sein Handwerk gelernt hat, schon mal anfängt, das aufzubauen. Wenn die Kamera da ist, ist er gut. Thomas kann sicher wiederholen, aber er ist jedesmal anders. Er macht beispielsweise so gut wie nichts. Wir nennen das Minimalismus. Wenn Sie ihn beobachten (jetzt nach dem Gespräch) gegenüber Ulrich Mühe, dann merken Sie, was da für verschiedene Techniken angewandt werden. Wobei es nicht heisst, dass Ulrich Mühe viel macht, der macht es ganz anders.
Thomas spielt auf eine amerikanische Weise und ist ausschließlich vom Kino geprägt.
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| Weissbarth |
Sie geben den Schauspielern vieles vor, es gibt keine Improvisationen?
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| Geissendörfer |
In DEM Film gab es keine Improvisationen. Das heißt nicht, dass ich das nicht in einem anderen Film mache. Es kommt darauf an, welche Geschichte ich erzähle. Bei diesem Film war ganz klar, dass es nichts Zufälliges geben durfte. Und wenn es zufällig regnet, dann warten wir ab. Wir machen auch den Regen. Jedes Detail im Bild ist wichtig. Wenn ein Vogel auf dem Ast sitzt, den ich da nicht haben will, dann verscheuchen wir ihn durch ein Händeklatschen. Das ist ein strengst durchinszenierter Film, auch von der Kamera und vom Licht her sehr genau.
Es gibt hunderte von Gegenbeispielen, wo man wesentlich großzügiger mit den Bildern umgeht, wo die Bilder auch nicht so wichtig sind und die Landschaften da sind, damit Menschen drin rumlaufen können. Hier bringt die Landschaft stimmungsmäßig und atmosphärisch eine ganze Menge an Erzählung mit. Das ist ein großer Unterschied.
Die Liebesszene zwischen Aron und Ina kann unmöglich in einem Raum stattfinden, die beiden können sich nur unter freiem Himmel lieben. Wenn ich das anders machen würde, müsste ich eine ganz andere Geschichte erzählen oder ich müsste mit anderen Figuren arbeiten.
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| Weissbarth |
Ihr letzter großer Film war "Justiz" vor 10 Jahren. Warum so lange kein Kinofilm mehr?
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| Geissendörfer |
Ja, der letzte Film war vor 10 Jahren "Justiz". Danach hatte ich keinen Stoff gehabt, keine Zeit gehabt, mir auch eingeredet, dass ich keine Zeit habe, aber eigentlich habe ich erst eine Weile gebraucht, um den Flopp zu überwinden. JUSTIZ war kommerziell ein Flopp. Nur in der Schweiz lief er gut. Aber da lief er gut, weil man in Dürrenmatt die Schulklassen reinschickt. Der Film war nicht schlecht, aber er kam nicht an. Dann fragen Sie sich natürlich, was war falsch, und warum. Man braucht eine Zeit, um aus einer bestimmten Mutlosigkeit herauszukommen.
Ich habe andere Sachen produziert und andere Sachen geschrieben, die in England Filme wurden. Und die Lindenstraße nimmt immer noch mindestens 50% meiner Arbeitskraft in Anspruch.
Jetzt habe ich es wieder mal gepackt.
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| Weissbarth |
Wie sieht die Zukunft aus? Werden Sie weitere Kinofilme produzieren?
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| Geissendörfer |
Wir haben in der Firma die Abteilung vergrößert. Ich als Produzent möchte im deutschen Kino noch etwas mehr mitmischen. Ob ich selber wieder etwas finde, hängt davon ab, welche Geschichten auf den Tisch kommen.
Wir sind zuversichtlich, dass wir jedes Jahr einen Fernseh- und einen Kinofilm hier in Deutschland dazukriegen. Aber mehr ist auch nicht notwendig.
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| Weissbarth |
Na gut, aber ein Kinofilm pro Jahr ist ja schon viel.
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| Geissendörfer |
Ja, ein Kinofilm pro Jahr ist eine ganze Menge.
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