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Franka Potente: Der die Tollkirsche ausgräbt
  

Franka Potente war auf der Berlinale auch mit dem eigenen Film vertreten:
Der die Tollkirsche ausgräbt,
Es ist ein 43 Minuten langer Stummfilm.


Weissbarth Du hast deinen ersten Film gedreht. Worum geht es in deinem Film?

Potente Der Film spielt in der Stummfilmzeit. Deutschland 1918, ein Tag, als aus der Monarchie die Demokratie wurde und der Kaiser ins Exil ging. In diesen gesellschaftlichen Umbruch fällt ein Anarchist, der sprechen kann, er kommt aus der Erde wie Siegfried aus dem Nebel und verliebt sich in die Stummfilm-Tochter. Eigentlich sind es unüberwindbare Grenzen. Es ist ein Spaziergang durch die Filmgeschichte, humoristisch gesehen. Was mich interessiert hat, ist die Mystik und das Chaos, das entsteht, wenn etwas sich verändert.
Dieser Film ist wie ein kleines Schatzkästchen, das einfach erstmal mir gehört, weil er ist wirklich das geworden, was ich immer geträumt habe, als ich ihn geschrieben habe.
  
Weissbarth War das ein Wunsch von dir, auch mal Regie zu machen und wie kam dir diese Idee für diese Geschichte?

Potente Natürlich habe ich vor allem im Zusammensein mit Tom (Tom Tykwer) sehr viel mitgekriegt. Mich hat die Postproduction immer sehr interessiert, also was danach mit dem Film passiert hinsichtlich Mischung, Schnitt, Lichtkorrekturen. Das habe ich jetzt bei meinem Film alles selber machen müssen. Dabei habe ich sehr viel gelernt. Begonnen hat alles, dass sich über Jahre diese Idee konfiguriert hat, es drängte sich mir eine Geschichte auf. Es war also nicht so dass ich dachte, jetzt muss ich mir was ausdenken, dann kann ich auch mal Regie machen. Alles begann damit, dass ich vor Jahren dachte, ich würde gerne Brad Pitt in einem Stummfilm sehen. Was glaube ich einfach heißt, dass ich gerne ein modernes und ein altmodisches Element verbinden wollte. Ich mochte immer sehr gerne Stummfilme, weil sie eine Spielwiese für Phantasie sind. Mich beflügelt erstmal das, was nicht das Nächstliegende ist. Es fing alles mit einem Traum an. Ich habe von einem Stück Stoff geträumt, das auf dem Rasen liegt und als ich es dann nahm, hörte es nicht auf, man fing an zu ziehen und es war endlos. Das war das erste Bild in meinem Kopf, dann habe ich das weitergesponnen, wie es eigentlich wäre, wenn……..
  
Weissbarth Wie schwierig war die Umsetzung und gab es Filmförderung?

Potente Arte und WDR haben das Geld gegeben und X-Film hat es produziert. Ich glaube, ich habe auch ziemlich Druck gemacht. Wenn man das Buch gelesen hat, dann wusste man eigentlich ziemlich genau, wie es sein sollte. Die fanden das irgendwie strange, aber interessant. Dann habe ich gesagt, okay, wenn ihr es interessant findet, lasst es uns doch machen. Frank Rieber hat die Kamera gemacht und der musste danach zum „Parfum“ gehen, ich wusste, der ist dann ein halbes Jahr verschluckt, und das war immer so mein Druckmittel, ich hab immer gesagt, ich will das mit dem Frank machen. Wir haben uns schon ein Kamerakonzept überlegt und dann sagten sie immer: „Ja ja, mal gucken“ und dann hab ich gesagt „Nix mal gucken, komm, wir machen das jetzt, sonst ist man wieder weg zum Drehen“. Ich wusste einfach, wenn das nicht jetzt passiert, wird das alles wieder so schwierig sein, wieder die Leute zu finden und somit war ich sehr hinterher. Wenn ich von etwas überzeugt bin und etwas will, dann versuche ich mich auch sehr dafür einzusetzen, und ich glaube, das ist auch etwas, was auch mich immer überzeugt. Wenn jemand kommt und mir etwas erzählt oder vorschlägt und ich spüre da eine Überzeugungskrauft, einen Willen, einen Enthusiasmus, dann verzaubert einen das immer, das ist schön, wenn einem so etwas entgegen kommt. Das hab ich dann auch gemacht. Ich hätte auch gut Regieassistentin werden können. Ich pass beim Drehen mit auf, wie das alles sein muss. Ich verlass mich nie nur darauf, dass andere etwas machen. Ich kann ganz gut organisieren, ein Logistiker ist an mir verloren gegangen.
  
Weissbarth Kannst du dir vorstellen, beides mal zu kombinieren, Regie und Schauspielerei?

Potente Nee, also das weiß ich gar nicht, wie das gehen soll, also das ist so anstrengend. Man muss so da sein, eine Million Fragen ständig beantworten, wie soll man da noch spielen können. Ich weiss nicht, wie die wenigen Leute, die das machen, das schaffen. Sagt man „Und bitte!“ und dann rennt man aufs Set oder wie soll das denn gehen. Ich fand das so schon schwierig genug. Ich war noch im Schneideraum mit meinem Film beschäftigt, und musste auch noch als Schauspieler in „Elementarteilchen“ arbeiten, das war wie so ein Zwitter, man hatte das andere Ding noch wie so ein Download auf der Festplatte und dann musste man noch Schauspielerin sein, das ist ganz seltsam. Fände ich interessant, mal von jemandem zu hören, wie die das machen.
  

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