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Ulla Rapp: „American Independents“ auf dem Filmfest München 2005
  

Dieses Inteview mit Ulla Rapp wurde anlässlich des Filmfestes in München geführt. Ulla Rapp ist verantwortlich für die Reihe „American Independents“.
Die Fragen wurden von Christine Weissbarth gestellt.


Weissbarth Die Filme der Amercan Independents finden Sie vorwiegend auf dem Sundance Festival?

Rapp Ja. Die American Independents sind ein Spiegelbild des Sundance Festivals in den Rocky Mountains, das vor über 20 Jahren von Robert Redford gegründet wurde.
Das Thema in diesem Jahr war „Regional Filmmaking“. Die Filme kommen nicht mehr aus den Filmmetropolen New York und Los Angeles, sondern aus den Regionen, hauptsächlich aus dem Südwesten, Westen, Nordwesten und aus kleineren Plätzen von der Ostküste. Das finde ich eine sehr interessante Entwicklung.
   
Weissbarth Filme, die Sie besonders hervorheben möchten…..

Rapp Es gibt zwei wunderbare Musikdokumentationen aus Texas von zwei jungen Regisseurinnen:

„Be here to love me: A film about Townes van Zandt“ von
Margaret Brown und
„Lubbock Lights“ von Amy Maner.

Dann, interessant für uns, weil das Thema beiderseits des Atlantiks in der Luft liegt über die ersten Kommunen, der Film

„Commune“ von Jonathan Berman und
„Following Sean“
von Ralph Arlyck.

Im Sommer wird ja hier ein Film über die Kommune 1 mit Uschi Obermeier gedreht. Dieses Thema ist insofern interessant, weil sehr viel Archivmaterial verarbeitet wird. Die Filmemacher folgen diesen Lebensläufen, treffen die Leute und zeigen, was aus ihnen geworden ist. Weiters ist Boxen im amerikanischen Kino angesagt. Wir haben zwei Boxfilme im Programm, die Dokumentationen:

„Unforgivable Blackness“ von Ken Burns und
„Ring of Fire: The Emile Griffith Story“ von
Dan Klores und Ron Berger.

Beide Filme sind sehr spannend, weil sie weit über das Boxen hinausgehen. Sie stellen ein Spiegelbild der amerikanischen Gesellschaft dar. Im Film „Unforgivable Blackness“ geht es um die Errungenschaft des Weltmeistertitels des ersten schwarzen Boxers gegen den weißen Mann. Die Musik in dem Film ist von Wynton Marsalis. Die Spielfilme, die die Genres mixen, sind bunt, lustig, heiter und innovativ. Da ist z.B.

„The Girl from Monday“ von Hal Hartley,

dessen Filme bereits in München in einer Retrospektive gelaufen sind. In diesem Film erzählt Zahedi von seinen persönlichen Erfahrungen:

„I am a Sex Addict“ von Caveh Zahedi

Mit dem Film

„Me and you and everyone we know“ von Miranda July

eröffnen wir diese Reihe. Dieser Film hat soeben die Camera d’Or in Cannes gewonnen. Von allen Erstlingsfilmen in Cannes wurde dieser Film als der beste ausgewählt. Der Film

„Symbiopsychotaxiplasm“: Take One von William Greaves

wurde als Experimentalfilm 1968 gedreht. Nun ist ein Folgefilm von Steven Soderbergh und Steve Buscemi produziert und finanziert worden:

„Symbiopsychotaxiplasm“: Take 2-1/2 von William Greaves

Der Film

„Rize“ von David LaChapelle

erzählt von einer neuen Tanzbewegung in Los Angeles, wo die jungen Kids, die Schwarzen ein unglaublich temporeiches Tanzphänomen kreierten. Das hält sie ab von den Bandenkriegen und von den Drogen.

   
Weissbarth Die American Independents sind schon seit dem ersten Jahr des Filmfest München dabei.

Rapp Damals - 1983 – hatten wir sie retrospektiv gezeigt. Da waren die großen Namen wie Jonas Mackers, Robert Young, Andy Warhol vertreten, die in den 60er Jahren ganz billig gemachte, oft Schwarzweiß-Filme gedreht haben. Diese wurden Off-Hollywood genannt, also abseits der großen Studios. Durch das Sundance Festival sind diese Filme mit der Zeit immer populärer geworden, ganz besonders durch den Film „Sex, Lies and Videotape“ von Steven Soderbergh. Da haben die Amerikaner entdeckt, welches Potential sie haben. Die ersten experimentellen Filme, die Undergroundfilme wurden erst über Europa in den USA bekannt. Danach – vor etwa 12 oder 13 Jahren – waren sie sehr gefragt, und in Sundance wird die gesamte Jahresproduktion der jungen neuen Filme gezeigt.
Der Begriff „Independence“, d.h. unabhängig von den großen Studios, hat sich etwas ausgedehnt. Heute nennen sich auch die größeren Filme mit 20 Millionen Budget „Independence“.
Wir zeigen hier in unserer Reihe die low-low-Budget-Filme. Wenn Steven Soderbergh einen 30 Mio.Dollar-Film dreht, fühlt er sich auch independent, weil es nicht das große Studio ist. In München zeigen wir die wirklich kleinen Filme, meist Erstlingsfilme mit eigener Handschrift, eigener Ästhetik von Filmemachern, die nicht nach Hollywood schielen.
  

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