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2009

Das weiße Band
Dienstag, 27.10. 2009 um 20.15 Uhr


Originaltitel: Das weiße Band
Produktionsland: Österreich, Deutschland, Frankreich, Italien
Erscheinungsjahr: 2009
Länge: 144 Minuten
Originalsprache: Deutsch
Regie und Drehbuch: Michael Haneke

Ein Dorf im Norden Deutschlands im Jahr 1913/14. An oberster Stelle der Dorfhierarchie
stehen der adelige Gutsherr, der Arzt und der Pfarrer, welcher seine Kinder für das kleinste
Vergehen zur Strafe ein weißes Band tragen lässt.
      Der Dorffrieden wird durch mysteriöse
Ereignisse gestört: zu Beginn erleidet der nach außen hin kinderliebe und freundliche Arzt einen durch einen gespannten Draht absichtlich herbeigeführten Unfall.

Der Sohn des selbstgerechten Gutsherren wird entführt und der behinderte Sohn der Hebamme schwer misshandelt.

Diese Bestrafungen nehmen allmählich einen rituellen Charakter an. Stecken die Kinder und Jugendlichen des Dorfes dahinter, die ihre eigene Erziehung in diesen Taten widerspiegeln?



Am Ende steht der Beginn des 1.Weltkrieges, die Vorfälle werden dadurch zur Nebensache. Doch sind sie nicht die Wurzeln zukünftiger Ereignisse?

In unaufgeregten und kontrastreichen Schwarzweißbildern, die an die Aufnahmen des deutschen Fotografen August Sander erinnern, wird die Geschichte im Rückblick vom Dorfschullehrer erzählt – mit den für Haneke typischen Stilmitteln: präzise Schnitte und Montagen mit klaren Bildkompositionen, die in ihrer gravitätischen Strenge im Kontrast zu dem elegischen Unterton stehen, sowie schnörkel- und schonungslose Dialoge, die immer den Kern der Sache berühren ohne dabei sensationsgierig oder voyeuristisch zu wirken.


Vision - Aus dem Leben der Hildegard von Bingen
Dienstag, 29.9. 2009 um 20.30 Uhr


Vision - Aus dem Leben der Hildegard von Bingen
Deutschland 2009, 111 Min., FSK ab 12
von Margarethe von Trotta, mit Barbara Sukowa, Hannah Herzsprung, Alexander Held
Die mittelalterliche Heilerin und Klostergründerin Hildegard von Bingen hat die Regisseurin Margarethe von Trotta ("Rosenstraße") zu ihrem neuen Film inspiriert.

Wieder einmal zeichnet von Trotta die Lebensgeschichte einer ungewöhnlichen Frau nach, und sie hat die Hauptrolle mit Barbara Sukowa ("Die andere Frau") perfekt besetzt.

Gedreht wurde in im Kloster Eberbach im Rheingau, wo schon der "Name der Rose" entstand, und im Kloster Maulbronn (Baden-Württemberg), womit stimmungsvolle Bilder garantiert sind.

Aus adligem Hause stammend, wächst Hildegard in einem Benediktinerkloster auf, wo ihre vielfältigen Begabungen von ihrer Mentorin Jutta von Sponheim (Mareile Blendl) gefördert werden.

Schon früh wird sie von religiösen Visionen heimgesucht, die sie aus Angst, als Ketzerin verfolgt zu werden, jahrelang geheim hält. Doch dann vertraut sie sich einem Zisterziensermönch an, der sie ermuntert, ihre Visionen niederzuschreiben.

Später gründet Hildegard ihr eigenes Frauenkloster "Rupertsberg" und findet mit ihren religiösen Aussendungen großen Anklang, weit über die Klostermauern hinaus bis hin zu Kaiser Barbarossa (Devid Striesow).

Bis heute ist ihre Kräuter- und Heilkunde überliefert und freut sich wachsender Beliebtheit.

    
    
Liebe auf den zweiten Blick von Joel Hopkins
Dienstag, 28.4. 2009 um 20.30 Uhr

Originaltitel: Last Chance Harvey
(USA, 2008)
Regie: Joel Hopkins
Darsteller: Emma Thompson, Dustin Hoffman, Kathy Baker, James Brolin
Länge: 93 Min.

Zwei Menschen sind in der Krise. Sie haben sich eigentlich schon aufgegeben.
Harvey Shine (Hoffman), ein erfolgloser Werbejingle-Komponist. Er fliegt von New York nach London zur Hochzeit seiner Tochter, nur um dort zu erfahren, dass er gefeuert ist und dass seine Tochter lieber vom Stiefvater an den Traualtar geführt werden will.
Er flüchtet von der Feier und lernt Kate Walker (Thompson) kennen. Sie hat einen öden Job und kein Glück bei Männern.



Die beiden liefen sich schon öfter über den Weg, ohne sich wahrzunehmen. Nun erkennen sie im anderen die eigene, verletzte Seele.
Was folgt, ist leeres Geplänkel vor touristisch noch nicht ganz so ausgereizten London-Kulissen.
Es kommt, was kommen muss: Kate überredet Harvey, zur Hochzeit zurückzukehren, und dieser willigt ein, aber nur, wenn sie mitkommt.

John Rabe von Florian Gallenberger
Freitag, 07.Di. 2009 um 20.30 Uhr


Titel: John Rabe 2009
Regie: Florian Gallenberger
Drehbuch: Florian Gallenberger
Hauptdarsteller: Daniel Brühl, Steve Buscemi, Anne Consigny, Ulrich Tukur, Jingchu Zhang
Während des Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieges (1937-1945) wird China 1937 von den Japanern erobert.
1937 wurde der 55 Jahre alte Kaufmann John Rabe Zeuge der Belagerung und Eroberung der chinesischen Stadt Nanjing durch japanische Truppen - zugleich war das der Beginn eines unvorstellbaren Massakers, bei dem japanische Soldaten aus Rache für den geleisteten Widerstand Hunderttausende Chinesen auf bestialische Weise ermordeten.



In Nanjing: Dieser Mann rettet auf dem Höhepunkt des Massakers 250000 Chinesen das Leben. Hier ist er unvergessen.
In den USA: John Rabe wird er als "Oskar Schindler Asiens" gehandelt.
In der Bundesrepublik: Der deutsche Kaufmann ist so gut wie unbekannt. Erst 1997, 47 Jahre nach seinem Tod, dringt die Kunde von seinem Mut an die Öffentlichkeit.
Das Münchner Filmgespräch wird moderiert von Pfr. Eckart Bruchner
Jerichow von Christian Petzold
Freitag, 02.Jan. 2009 um 20.30 Uhr


Münchner Premiere in Anwesenheit von Regisseur Christian Petzold, Nina Hoss,
Benno Fürmann und Hilmi Sözer
Moderation: Pfr. Eckart Bruchner

In Jerichow erzählt Petzold von drei Menschen in einer Geld- und Liebesverstrickung. Ali (Hilmi Sözer) ist ein türkischer Geschäftsmann, der in Brandenburg ein Imbissbuden-Imperium aufgebaut hat. Doch wie sein Haus und sein großes Auto hat er sich letztlich auch seine Existenz gekauft. Und seine schöne Frau. Mit Laura (Nina Hoss) lebt er einen Tauschhandel von Geld und Gefühlen, der durch das Auftauchen des Exsoldaten Thomas (Benno Fürmann) aus dem Gleichgewicht gerät. Petzold fogt diesen drei Menschen durch eine Region, deren Unwirtlichkeit auch die Gefühle infiziert. Er zeigt sie auf Durchfahrtsstraßen und in Kleingewerbegebieten, auf Raststätten, vor Einkaufszentren, im Auto, immer in Bewegung.
Von Anfang an entwickelt Jerichow einen fast physisch erfahrbaren Sog. Er entsteht durch Bilder, die in ihrer lichten Klarheit den deutschen Osten zeigen und doch die Abstraktionskraft einer großen Kinoerzählung besitzen. Und durch Schauspieler, deren Blicke und Körper den Dialogen immer einen Schritt voraus sind. Hilmi Sözer, der den Aufsteiger mit einer Mischung aus felsenhafter Selbstsicherheit und stiller Verzweiflung spielt. Nina Hoss, die zwischen Abgekämpftheit und schlamperhafter Härte schwankt. Benno Fürmann, dessen einsame Körperlichkeit manchmal kaum zu ertragen ist. All das verbindet sich in Jerichow zu einem Rhythmus, der so zwingend und obsessiv verandrängt, dass die eigentliche Obzession kaum erzählt werden muss. In diesem Film ist die Leidenschaft ein hastiger Kuss. Oder ein Biss in die Hand, von dem man nur die Spuren sieht. Hier wird der deutsche Wald zum nächtlichen Sehnsuchtstraum, in dem die Körper verschwinden und aus dem sie wie Phantome heraustreten.



Drei Menschen, die ihrer Heimatlosigkeit ins Gesicht blicken.

Einmal sieht man die drei beim Picknick am Meer. Ali ist schwer betrunken und schwärmt zu türkischer Musik von der Heimat, die er kaum kennt. Dann nötigt er Laura und Thomas, miteinander zu tanzen. Es ist die Angeberei des Mackers, der seine Frau wie ein teures Auto vorführt, mit dem der andere auch mal fahren darf. Es ist die selbstzerstörische Geste eines Mannes, der ahnt, dass seine Liebe nie erwidert werden wird. Und das Hier und Jetzt dreier Menschen, die an einem wunderschönen Strand ihrer Heimatlosigkeit ins Gesicht blicken.

   




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