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2000

Interview bei Media 2000 im Rahmen des Interfilm Projektes "Jeunesse et Cinema"
mit Daniel Nikiema et Marguerite Sawindi,
den Vertretern der Dokumentarfilmerin Valérie Kaboré

Von Adelheid Meinzolt-Depner

Ergänzung zu dem Film „La Mariée barbue“ über eine Zwangsheirat, der aus einer Serie „Naître fille en Afrique“ stammt, wurde im Gespräch betont, daß Zwangs-heirat immer noch Alltagsrealität ist. Zwangsheirat am Dorf – in Vereinbarung der Familienoberhäupter - ist oft noch grausamer als in der Stadt, weil es kaum Fluchtmöglichkeiten für die Mädchen gibt (außer zu Nonnen). In der Stadt spielt zunehmend das Geld und die Korruption eine Rolle wenn Mädchen versprochen werden.

Das Leben von Frauen und Männern in Burkina Faso ist (immer noch) sehr unterschiedlich. Die Alltags- und Hausarbeit obliegt fast ausschließlich den Frauen und Mädchen, Bildungs- und Berufschancen haben eher die Jungen. Der Film „Les Jumeaux“- die Zwillinge versucht z.B. an Hand von einem Zwillingspaar, die ungleiche Entwicklung von einem Mädchen und einem Jungen und damit als Aussage die Ungerechtigkeiten im Geschlechterverhältnis rauszuarbeiten. Der Junge bekommt alle Schul- und Berufschancen, das Mädchen arbeitet unbezahlt und selbstverständlich zu Hause. Am aufklärerischen Schluss bekommt aber das Mädchen eine späte Chance, auf Grund derer sie zur erfolgreichen Unternehmerin wird und der Mann versagt.. Das emanzipatorische Ziel ist klar: die Menschen zunehmend für Chancengleichheit und Geschlechtergerechtigkeit zu sensibilisieren und damit eine Entwicklung in Gang zu setzen.

Alle Filme von Valerie Kaboré sind Teil einer breiten Sensibilisierungskampagne, die seit ungefähr 10 Jahren in verschiedenen
staatlichen und privaten Medien angelaufen ist. Es gibt verschiedene Koproduzenten. Einige Filme sind Auftragsarbeiten u.a. auch der staatlichen Fernsehanstalten.

Die Filme sind oft mit viel Humor gemacht, damit die Thematik und die Aussage besser rüber kommen und die Probleme somit anders und eventuell besser bewältigt werden können. Sie geben den Mädchen und Frauen Argumente in die Hand, etwas aktiv zu verändern und nicht mehr nur zu ertragen. Damit haben die Filme viele interessante Debatten bereits ausgelöst, bezüglich der Gewalt und der Einflüsse der patriarchalen afrikanischen Gesellschaft.. Die Diskussionen reichen über die Filmveranstaltung hinaus in die Gesellschaft hinein.

Die Brüche in der afrikanischen Gesellschaft zwischen Moderne und Tradition sind offensichtlich und verschärfen sich im Spannungsfeld zwischen Armen und Reichen, Jungen und Alten. Und so meint der Redakteur: „In Afrika geht jedoch alles langsamer und Entwicklungen brauchen ihre Zeit.. Schuld daran ist in hohem Maße der Analphabetismus und der niedrige Bildungsstand. Außerdem ist in Afrika ist jeweils das wahr und weise, was die Alten sagen; man glaubt Ihnen noch viel. In Europa dagegen bildet man sich durch Lesen, informiert sich viel breiter und ist dadurch auch mehreren Einflüssen ausgesetzt.. Die „Verspätung Afrikas“ versucht man durch Initiativen wie diese Filmproduktion nun aufzufangen.“ Ehrgeizige unterstützenswerte Produktionen sind schon entstanden, aber - wie nicht anders zu erwarten - liegen die Probleme vor allem auch wieder einmal in der Finanzierung.

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