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| PROJEKTE: BERICHTE Jeunesse Afrique | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Vom 24. Februar bis zum 3. März lud Ouagadougou, die Hauptstadt von Burkina Faso, zum FESPACO 2007.
Deutschland war unter anderem mit „Vier Minuten“ von Chris Kraus vertreten.
Gewinner des Hauptpreises ist „Ezra“ von Newton Aduaka, ein nigerianisches Drama um einen ehemaligen Kindersoldaten, dem von seiner Schwester vor einem Versöhnungs-Tribunal der Mord an den eigenen Eltern vorgeworfen wird. Neben der aktuellen Thematik und den damit verbundenen moralischen Verwicklungen kann der Film gute Schauspieler und angenehm komplexe Charakterzeichnungen aufbieten, so daß er hoffentlich zumindest in unseren Programmkinos laufen wird - was den meisten afrikanischen Filmen ja weiterhin verwehrt bleibt. Der Filmemacher Wolf Gaudlitz war der Einladung der Interfilm Akademie gefolgt und hatte sich zum Abschluß seiner mehrmonatigen „Kino in der Wüste“-Tour durch die Sahara auf die gefahrvolle Reise durch den Niger begeben, um auch im Rahmen des FESPACO nächtliches Open-Air-Kino vorzuführen. Er parkte sein „Cinemobil“ in einem Armenviertel und einer Schule von Ouagadougou sowie einem Internat in Kombissiri etwa 40 Kilometer weiter südlich. Auch die unvermeidlichen organisatorischen Hindernisse in einem so armen Land wie Burkina Faso konnten ihn nicht davon abhalten, die Menschen mit Filmen und Musik zu begeistern.
Darüber hinaus fand zum zweiten Mal das Interfilm-Seminar „Jeunesse et Cinema“ unter der Leitung von Abbe Dr. Dominique Yanogo (Burkina Faso), Christine Weissbarth (Österreich), Heidi Meinzolt-Depner und Franz Indra (beide Deutschland) statt, bei dem Jugendliche aus Deutschland und Burkina Faso über ausgewählte Filme des Festivals diskutierten und ihre jeweiligen Vorstellungen vom Leben und Träume von der Zukunft austauschten.
Die über zwei Dutzend Teilnehmer - Schülerinnen des katholischen Collége Kologh Naaba, Studierenden der Universität von Ouagadougou, Mädchen des Vereins „Marthe et Marie“ aus Burkina Faso und Schülerinnen und Schülern des Otto-von-Taube-Gymnasiums Gauting/München - offenbarten in den lebendigen, aber stets freundlichen Gesprächen auch Unterschiede in der Wahrnehmung von Alltagsproblemen und abweichende kulturelle Erfahrungen, die während des zweiwöchigen Aufenthalts ansonsten verborgen geblieben waren; auch innerhalb der Burkinabes gab es durchaus unterschiedliche Ansichten über die Thematiken. Während die auf dem Festival ebenfalls ausgezeichnete Fernsehserie „Ina“ von Valérie Kaboré mit den Mitteln der Telenovela versucht, einen optimistischen Blick auf die Gesellschaft zu werfen und dabei emanzipatorische Inhalte zu vermitteln, gehen Justine Bitagoye und Gaudiose Nininahazwe mit „Mieux vaut mal vivre que mourir“ („Besser schlecht leben als sterben“) den entgegengesetzten Weg: Ihre bildgewaltige und sehr authentische Dokumentation über Müllbewohner in Burundi ist für afrikanisches Publikum gedacht und soll gerade in ihrem Heimatland auf dieses weitgehend verdrängte Problem aufmerksam machen; durch ihre Teilnahme am FESPACO hoffen sie nun auf die Freigabe des Films durch die Zensur in Burundi.
Besonders erfreulich war die Teilnahme der Regisseurinnen an den Diskussionen und es steht zu hoffen, dass mit den nun geknüpften Kontakten in Ouagadougou der „Prix Jeunesse Afrique“ auf dem FESPACO 2009 als offizieller Preis der Interfilm-Akademie vergeben werden kann.
Der tägliche Morgengruß bekommt von Tag zu Tag eine größere Bedeutung, denn das Thermometer steigt um 10 Uhr vormittags auf bis zu 40 Grad und erst gegen 16 Uhr lässt dank kräftiger Staubschicht, in der die Sonne versinkt, langsam die Hitze nach. Trotzdem haben wir ein volles Programm: Unterrichtsbesuche am Gymnasium, Diskussionen zu afrikanischen Filmen mit Jugendlichen, Darstellern und Regisseuren, Ausflüge in ein Wildtierreservat, Einkaufen auf dem bunten Markt und nachts Kino unter freiem Himmel im Rahmen des größten panafrikanischen Filmfests FESPACO. Im Kontakt mit den Jugendlichen kommt es zu ersten Freundschaften, die Offenheit und Freundlichkeit bewegt uns immer wieder. Die Mädchen von Kologh Naaba begleiten uns bei Einkäufen oder sie sitzen mit uns stundenlang im Schatten unter einem Baum, schwätzen, tauschen sich aus über das Leben hier und da. Die Schule wird von Schwestern geleitet, die sich liebevoll Gedanken um unser aller wohl machen, uns bekochen, mit Wasser versorgen und peinlich darauf achten, dass wir keine Lebensmittel zu uns nehmen, die hier selbstverständlich sind, aber unsere Gesundheit gefährden. Immer wieder erstaunt uns, wie wenig fremd wir uns sind, wie vertraut der Umgang mit den Menschen hier ist. Das Interfilm-Seminar „Jeunesse et Cinema“ hat aber in der Wahrnehmung von Realitäten kulturelle Differenzen deutlich gemacht:
Natürlich ist in der Stadt die Orientierung an europäischen Normen und Werten größer, als in der archaischen Landgesellschaft. Je größer der Wohlstand, desto stärker nähern sich die Ideale an. Der Gedankenaustausch darüber bereichert beide Seiten: auch unsere afrikanischen Freunde ahnen, dass unsere westliche Gesellschaft nicht das Non-plus-ultra ist, wir Europäer sehen vor dem ärmliche Hintergrund die eigene Konsumgesellschaft sehr kritisch. |
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