|
|
In der Videoarbeit „Amor sucht Psyche“ hat Vera Müller in zwölf Filmsequenzen drei Medien eingesetzt:
1 - Videofilmsequenzen aufgenommen in Italien 2008 2 - gesprochene Texte des Gedichtes "Amor sucht Psyche" von Vera Müller 2008
nach der Erzählung von Apuleius
3 - Musik von Maurice Ravel
|
|
|
 |
|
 |
|
|
|
 |
|
 |
|
|
|
 |
|
 |
|
|
|
 |
|
 |
|
|
|
 |
|
 |
|
|
|
 |
|
 |
|
|
|
Die Bilder sind in Italien an vielen verschiedenen Orten entstanden, vor allem in Saturnia, am Nemisee, in San Felice Circeo, in Cumae und Paestum.
Das Copyright liegt bei Vera Müller |
|
|
|
|
|
|
Amor sucht Psyche
Gedicht „Amor sucht Psyche“ frei nach Apuleius von Vera Müller 2008
I
Lichte Wolke des Windes, zeugt Dich, fünftes
Element, im Schoß der Erde, Knospe des
Glaubens, vollendete Schönheit, sehnsüchtig,
in tiefster Trauer.
Grenzenlose Verehrung jungfräulicher
Blüte, Menschen pilgern, dich zu betrachten,
Du, im Glanz deiner Tränen, vollkommen allein,
bist unverstanden.
Rachlust, Eitelkeit, mit Pfeilen bewaffnet,
unsterbliche Gewalten in vereinter Faszination,
Hybris, die Anmaßung der Menschen, sind Grund
Dich zu vernichten.
Tiefstes Ungeheuer, wütend, schlangenum-
rankt, der Eisenglut mächtig, soll deine
Knospe rauben, dich in deiner Unsterblichkeit
zum Tode führen
|
|
Il
Ein Schmetterling schluchzt in des Baumes Armen,
am dunklen Horizont geifern sie drohend,
zitternd trägst du das prophezeite Schicksal
mit aufrechtem Gang.
Zephyr trägt die Lilie in das Tal hinab,
Hochzeitskleid, schwarz geschmückt, Tränen gleiten
sanft, aller Qual entledigt, auf die mit Blumen
besäte Wiese.
.
Strahlende Ruhe, im Schatten der Bäume
liebkost dich ein mildes Lüftchen, du erwachst,
Silbernebel kristallklaren Wassers spielt
vor deinen Augen.
Am grünen Ufer steigt ein Palast empor,
goldene Säulen stützen Elfenbein, körper-
lose Stimmen, zahme Tiere und Rosen sind
hier für dich daheim.
Göttliche Vollkommenheit streichelt in zart
aufgetragenen Farben deine Augen,
Ambrosiaduft, verzauberte Sinne in
erquickendem Bad.
Lieblich-kühler Wein, erlesene Speisen
schweben auf deine Tafel, beflügeltes
Zitherspiel, froher Gesang, Tanz besänftigt
die Furcht des Abends.
Du erlebst, bereit in dir zu zergehen,
die helle Vollkommenheit deines Todes,
in einem Meer weit geöffneter Blüten er-
wachen vier Flügel.
Glückseligkeit durchflutet leuchtendes Sein,
unbekannte Tiefe deines Wesens lässt
dich, in angenehmer Dunkelheit, mit dir
lebendig werden.
Voller Hoffnung strahlst du dem Mond entgegen,
siehst mit geschlossenen Lidern wie lichter
Wind uns beide ins Jenseits trägt, liebend geliebt,
Eins zu werden.
|
|
|
|
III
Wollust und Glorie lassen dich jauchzend
mit den Bäumen tanzen, Fische streicheln der
Pfauen Gefieder, Schwalben geleiten in
singende Höhen.
Spiel bei Tag, fröhliche Unterhaltung mit
unsichtbaren Geistern; Sternengeleit
der Nacht, zärtlichste Umarmungen, Küsse
im Zauber mit dir.
Flammen glühenden Mutes erhellen
nächtliche Finsternis, Kristallpalast zittrigen
Glücks, kalt und stechend nimmt Rauch der
Einsamkeit Besitz von dir.
Zwischen Schatten, tröstende Gesellschaft
suchend, leidest du lähmende Qualen, mit
deinesgleichen zu teilen, unmöglich, in dir
streiten die Kräfte.
Furien umschmeicheln deine Brust, zischeln
in das Eine, dann ins andere Ohr, Du
taumelst, blinzelst dem Natterngift atmenden
Schicksal entgegen.
Zerrissenheit raubt deiner Augen Funken,
sinkst im Strom des Rausches, tiefer und tiefer
in den dunklen Schlund der Bestie Neid, Missgunst
deine Verfolger.
Himmlische Musik vermag die Bosheit
ihrer Herzen nicht zu sänftigen, Angst beschwört
Verrat, du leidest, verstrickt, befangen
im goldenen Kerker.
Kühner Drang wächst, treibt weiter, deinen Strahlen
Wissen zu bringen, morgendlicher Körper
des Himmels, Flamme dunklen Paradieses,
Gabe in deinem Arm.
Schwangst auf dem Sorgenmeer, Gedanken mächtig,
Herrinnen aus Erdlöchern kriechend, rauben im
Wechsel: Hasst, Scheu Mut, Furcht Zweifel und Wut,
Du schreitest zur Tat.
|
|
IV
Göttliches Antlitz der Liebe, goldene
Locken, zierliches Gewirr über Rosenwangen,
dann ein Nacken weiß wie Milch, Licht,
schillernd und funkelnd.
Der Dolch windet sich, schamvoll seiner Schärfe,
in Reue aus deiner Hand, flieht vor dem Schmerz
deiner Brust, dann unendliches Begehren,
grenzenlos spürbar.
Berührst in stürmischer Bewunderung die
Pfeile, Tröpfchen rosigen Blutes, Tau auf
deiner Haut, ernstes Drohen nun gescheitert;
Wollust in Flammen.
Sinkst nieder, berauscht an Verlangen, Lippen
und Herz unbenannt taumelnd, der Lampe Öl
neigt sich, diesen Leib zu küssen, verbrannt flieht
das heillose Tier.
Ein Augenblick, übereilt, unvorsichtig,
schauriges Erkennen, im Spiegel deiner
Taten entschwebt ein Teil von dir, verwundet,
allein, licht wie du.
|
|
|
|
V
Verzweifelt stürzt du in die nahen Fluten,
behutsam tragen dich Wellen ans blumen-
reiche Ufer, Ziegen hüpfen am Wasser
zur Musik des Pan.
Schlichter Hirt wohltätiger Erfahrung, Qualen
in deinem Gesichte lesend, spricht voll
tröstender Zuversicht, in Stille betend, trittst du
deinen Weg an.
Vollkommene Magie göttlichen Ursprungs,
verflogen, Heimatlos irrst du umher, suchst,
Beistand erbittend, hilflos angesichts
befangener Mächte.
Du entbehrst Mitleid und Gnade, ordnest flink
Ähren, Kränze, zerstreutes Gerät, völlig
erschöpft, ruhelos, zurückgewiesen
bitterste Grausamkeit.
Mit sieben Küssen wirbt der Liebesgöttin
Honigmund für Verrat an dir, Buße für
überstrahlende Schönheit, doppelte Trauer
beschattet dein Herz.
Goldene Schrift verheißt kurz neue Hoffnung,
vergeblich, schwer zu tragen, des Elends Last,
Not leidend verschmäht, schutzlos lieferst Du
dich unterwürfig aus.
Mehr Sicherheit für dich in des Todes Klauen,
Zorn, lautes Gelächter als Beifall, mit
höhnischen Gebärden wirst du, an Haaren
geschleift, vorgeführt.
Angst und Sehnsucht werden gerufen, ersparen
dir weder Geißel noch Qual, Kleidung in
Fetzen gerissen, verspottet liegst du vor
ihren Füssen bar.
Weizen, Gerste, Hirse, Mohn werden gemischt,
ausgeschüttet, der Befehl lautet: dies bis
zum Abend sortieren! Unmöglichkeit macht
mutlos, stumm und starr.
|
|
VI
Eine Ameise, Zeuge des Geschehens,
ruft Freunde, Kinder fruchtbarer Erde,
verständnisvoll, erretten sie dich der Gefahr,
Boden Gewimmel.
Dir so nah, einsam, verletzt, durch strengen
Blick gestraft, abscheuliche Nacht im Palast,
am Morgen, wirst du gerufen, wilder Tiere golden
Vlies zu scheren.
Furchterregende Bestien, Eisen-Schädel,
toben in unbändiger Wut durch den Wald,
künden, drohend, mit giftigen Bissen, des
Menschen Untergang.
Melodisch flüstert dir ein sanftes Lüftchen
durch grünes Schilf: besiege die Verzweiflung!
Im frischen Wind des Abends ist der Sonnen
Hitze gemildert.
Unter Bäumen am heiligen Gewässer, wartend,
kannst du nun die Flocken wolligen
Goldes heimlich von den Sträuchern pflücken,
die Tiere schlafen.
|
|
|
|
VII
Mut und Klugheit werden mit bitterem Lächeln
gefordert, den Glaskrug voll Wasser aus
finsteren Quellen schroffer Felsspitzen, zu
holen dein Auftrag.
Unermessliche Höhen, tosende Fluten
stürzen hinab, langhalsige Drachen,
ohne Augenlieder von Klippen zischend,
Wellen jammern schrill.
Du bist versteinert, tränenüberströmt, ein
Adler fliegt dir zur Hilfe, füllt schnell das
Gefäß mit des Strudels schwarzen Gewalten,
die der Götter Grund sind zum Schwur.
Finstere Burg fataler Versuchung, von
dir getrennter Körper, ewiges Grab, aufrechter
Gang durch des Totenreichs Pforten,
du hast keine Wahl.
Rauer Pfad: um Hilfe bellen gebrechliche
Weber, Fährmann voller Gier, bleibe unbarm-
herzig, formlosen Blicks, um dein Boot flehen
ertrinkende Geister.
|
|
VIII
Honigkuchen deiner Hände besänftigt
der Höllenhunde Wut, bei Wasser wartest du
am kalten Boden, Göttertafel Wein lockt
in lieblichem Ruf.
Urne voll Schönheit für Venus Gesandtschaft,
füllst wieder Kerberos höllischen Schlund,
erlöst, schiffst du himmlischen Sternen entgegen,
verwandeltes Licht.
Hinter dir Orkus Tore, beflügelt Hochmut
deinen Fuß, Augen trinken den Schimmer
des Tages, sanft streicheln Rosenblüten dein
glühendes Gesicht.
Verbotener Balsam der Schönheit, Wettkampf
hat deinen Eifer betört, in göttlichem Glanz
wünschst du zu erstrahlen, atmest ein, fällst,
in tödlichen Schlaf.
Genesen, lichter Flug, kräftige Schwingen,
ich küsse sträflichen Schlummer wieder fort,
Sieg über rastlose Qualen, der Himmel
öffnet sich für dich.
Milde Vergebung; Drachen, Vögel, zahme
und wilde Tiere, alle Götter sind zur
Hochzeit der Ungestümen im himmlischen
Kreis geladen.
Merkur führt zur Feier des Lebens, Zeit
schmückt mit Blumen Raum, Musen bringen
Nektar für alle, AmorPsyche, ewige Fülle,
Liebe in göttlichem Sein
|
zum Seitenanfang
|
|