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2004

Neustart für das Filmfest München 2004 geglückt



Gelungener Einstand für den neuen Chef: Andreas Ströhl, Festivaldirektor des Filmfest München, konnte bei der öffentlichen Abschlussparty des 22. Filmfests eine rundum positive Bilanz ziehen. Es waren:
  • 197 Filme aus 35 Ländern
  • 600 akkreditierte Journalisten
  • 1000 Fachbesucher
  • 64.000 Zuschauer

München ist nach Berlin das wichtigste und größte Filmfestival Deutschlands. Die Zahl der Besucher ist im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegen.

Der bejubelte Eröffnungsfilm "Das Mädchen mit dem Perlenohrring" und die anschließende rauschende Feier im Künstlerhaus waren der würdige Auftakt für eine rundum geglückte Festivalwoche.

Die unter Ströhl eingeführten Neuerungen haben sich bewährt. Die Isarmeile, auf der alle Festivalkinos in Gehweite zu einander liegen, erwies sich als voller Erfolg. Und auch die abendlichen Talkrunden mit den anwesenden Regisseuren im Festivalzentrum im Gasteig wurden von den Kinofans sofort angenommen. Medienvertreter und Fachbesucher konnten sich zudem über ein erweitertes Pressezentrum mit Sichtungskabinen, Internet-Arbeitsplätzen und persönlicher Betreuung freuen.

Im Mittelpunkt des Interesses standen naturgemäß die finnischen Brüder Mika und Aki Kaurismäki, denen dieses Jahr die Retrospektive gewidmet war. Der britische Regisseur Sir Alan Parker, dem für seine Verdienste um die Filmkunst der CineMerit Award überreicht wurde, sorgte mit einem geistreichen Auftritt beim Publikumsgespräch in der Black Box im Gasteig für ein Highlight. Und Hollywood-Legende Norman Jewison ("Rollerball") amüsierte sich bei der mittlerweile sagenumwobenen Indie-Party (nur wer drin ist, gehört dazu) im Stadtcafe.

Filmpreise

  • Bei den Deutschen Kinofilmen sorgte "Die fetten Jahre sind vorbei" für Gesprächsstoff. Regisseur Hans Weingartner gewann den begehrten Förderpreis Deutscher Film (40.000 Euro) für die beste Regie und
  • sein Hauptdarsteller Stipe Erceg wurde als bester Darsteller ausgezeichnet (10.000 Euro).
  • Dem verdienten Veteran Volker Schlöndorff wurde der Bernhard Wicki Filmpreis - Die Brücke - Der Friedenspreis des Deutschen Films überreicht und aus diesem Anlass fand die Uraufführung seines neuen Meisterwerkes "Der neunte Tag" beim Filmfest statt.
  • Der OneFuturePreis 2004 der Interfilm-Akademie wurde für "Vodka Lemon" an Hiner Saleem vergeben.

Das 22. Filmfest München stellt in diesem Jahr insgesamt 197 Filme aus 35 Ländern vor.
Abgesehen von wenigen Ausnahmen (Retrospektive, Open-Air, etc.) handelt es sich dabei um deutsche Erstaufführungen.

       Eröffnungsfilm ist "Das Mädchen mit dem Perlenohrring" von Peter Webber mit Colin Firth und Scarlett Johansson in den Hauptrollen. Die fiktive Geschichte über die Entstehung des Gemäldes "Das Mädchen mit dem Perlenohrring" des niederländischen Malers Jan Vermeer (1632-1675) war für Oscars in den Kategorien Kamera, Ausstattung und Kostüme nominiert.

Das Internationale Programm präsentiert in 61 Filmen einen Querschnitt der aktuellen Filmszene. Darunter sind Werke von Walter Salles, Julio Medem, John Sayles, Irwin Winkler, Martin Scorsese, Ivan Fila, Emir Kusturica, Mike Figgis, David Mamet und viele faszinierende Neuentdeckungen aus allen Teilen der Welt.

Schwerpunkt des Filmfests ist dieses Jahr das unabhängige asiatische Kino, das in der Reihe Junges asiatisches Kino ein eigenes Forum bekommt. In zehn Filmen zeigen junge Regisseure aus Taiwan, China, Japan, Korea, Malaysia, Thailand und Kasachstan ihren unbekümmerten und provokativen Blick auf das Leben.

Die American Independents bieten mit 20 Filmen einen guten Überblick über das vielschichtige Schaffen amerikanischer Filmemacher, die sich nicht am Mainstream orientieren: Von der Oscar-prämierten Dokumentation "The Fog of War" über das Versinken der USA im Morast des Vietnamkriegs, über Jim Jarmuschs politisch unkorrekten Episodenfilm "Coffee and Cigarettes", der Prominente beim Rauchen und Kaffee trinken vorführt, bis hin zu dem aufrüttelnden Cop-Thriller "Evenhand" von Joseph Pierson.

Altmeister und junge Hoffnungen vereint die Reihe Nouveau Cinéma Français in zehn Filmen. Neben den jüngsten Filmen verdienter Veteranen wie Jean-Luc Godard ("Notre Musique") oder Jacques Rivette ("Histoire de Marie et Julien") darf man sich auf die fulminanten Überraschungen freuen, die junge Regisseure wie Nicolas Boukhrief ("Le Convoyeur") oder Yann Samuell ("Jeux d'Enfants") bereiten.

Das Kinderfilmfest gliedert sich in zwei Teile. Zum einen werden sechs wunderschöne neue Jugendfilme wie "Das Geheimnis der Frösche" vorgestellt, zum anderen werden sechs Klassiker wie "Goldrausch" aufgeführt, die zum "Kinder-Filmkanon" gehören.

Die Reihe Deutsche Fernsehfilme ist dieses Jahr drastisch entschlackt und auf 13 exzellente TV-Produktionen beschränkt, an denen hochkarätige Namen wie Dominik Graf, Rainer Kaufmann oder Roland Suso Richter beteiligt waren.

In den 14 Filmen der Reihe Neue Deutsche Kinofilme schließlich sind die beiden deutschen Cannes-Teilnehmern dieses Jahres ("Die fetten Jahre sind vorbei") von Hans Weingartner / "Marseille" von Angela Schanelec) und andere ebenso bemerkenswerte Filme junger hiesiger Regisseure zu sehen.

Quer durch die Reihen gibt es dieses Jahr viele Filme, die sich mit Musik befassen. Von Dokumentationen über Hardrocker beim Psychiater ("Metallica - Some Kind of Monster") über fast wahre Geschichten von toten Rockstars ("Grand Theft Parsons"), bis hin zu Spielfilmen über Komponistenlegenden wie Cole Porter ("De-Lovely") gibt es kaum eine Musikrichtung, die nicht vorkommt.

Ein ganz besonderer Musikfilm, nämlich "The Commitments", wird zu Ehren von Sir Alan Parker noch einmal aufgeführt. Dem britischen Ausnahmeregisseur wird der CineMerit Award verliehen.

Mit dem Bernhard Wicki Preis - Die Brücke - Der Friedenspreis des Deutschen Films wird Oscar-Preisträger Volker Schlöndorff geehrt. Aus diesem Anlass gibt es eine Sondervorführung von Schlöndorffs jüngstem Film "Der neunte Tag".

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