Interfilm-Akademie News

Hamburger Filmgespräch: Edgar Allan Poe Abend

Mord in der Rue Morgue (Murders in the Rue Morgue) USA 1932 | 61 min. | Regie: Robert Florey | mit Bela Lugosi, Sidney Fox, Leon Ames u.a. Vorfilm: Der Verrückte, das Herz und das Auge
Deutschland 2006 | 8 min. | Regie: Annette Jung, Gregor Dashuber | mit Andreas Fröhlich, Tom Strauss
Sonntag, 19.01.2020, 17:00
Metropolis, Kleine Theaterstr. 10 / 20354 Hamburg Außergewöhnliche Geschichten (Histoires extraordinaires) Frankreich / Italien 1968 | 121 min. | Regie: Federico Fellini, Louis Malle, Roger Vadim | mit Jane Fonda, Brigitte Bardot, Alain Delon u.a. Sonntag, 19.01.2020, 19:00 Metropolis, Kleine Theaterstr. 10 / 20354 Hamburg
Edgar Allan Poe (19.01.1809 – 07.10.1849) ist sowohl Begründer der modernen Detektiv- als auch der Horrorgeschichte. Durch die Rezeption Charles Baudelaires in Europa bekannt geworden, hat kaum ein anderer Autor größeren Einfluss auf die unheimliche Literatur und später entsprechend auf den Film genommen. Wir feiern seinen 211. Geburtstag mit mehreren unterschiedlichen Interpretationsansätzen. Der Verrückte, das Herz und das Auge (2006) ist ein außergewöhnlicher Animationsfilm nach der Vorlage The Tell-Tale Heart, gesprochen von Andreas Fröhlich (Die drei ???). Bis heute ist Poes Auseinandersetzung mit dem „motivlosen Verbrechen“ sowie dem „radikal Bösen“ (Kant) für die kriminologische Forschung relevant. Murders in the Rue Morgue lässt erstmals einen deduktiv analysierenden Detektiv auftreten, zugleich beschreibt Poe Bilder von infernaler Grausamkeit. Dostojewskij zitierte mehrere Passagen in seinem Verbrechen und Strafe, Clive Barker hat eine Fortsetzung geschrieben. Robert Floreys Adaption aus dem Jahr 1932 vereint die bizarre Auflösung mit dem Caligari-Motiv und der Warnung vor totalitären Tendenzen in der Wissenschaft. In den im „Revolutionsjahr“ 1968 entstandenen Außergewöhnlichen Geschichten setzen sich gleich drei Regisseure mit der Komplexität des Poe’schen Kosmos auseinander: Vadims Metzengerstein setzt neben der Beschäftigung mit Reinkarnation deutlich erotische Aspekte. Malles William Wilson handelt vom Doppelgänger-Motiv und dessen dämonischer Dimension. Und Fellinis Toby Damned überträgt die Teufelspakt-Thematik in das New-Age-Zeitalter. Moderiert wird die Veranstaltung vom Filmemacher Franz Indra und dem Autor Stefan Preis. Im Anschluss an die erste Vorführung um 17 Uhr diskutieren wir mit dem Publikum.

Gräfelfinger Filmgespräch: The Remains – Nach der Odyssee

Österreich 2019 | 93 Min. | Regie: Nathalie Borgers
Mittwoch, 18.12.2019 19:45
Filmeck Gräfelfing, Bahnhofplatz 1 / 82166 Gräfelfing

Auf ihrer Fahrt über das Mittelmeer sind in den letzten Jahren Tausende Menschen ums Leben gekommen oder werden vermisst. Was geschieht mit ihren Körpern? Wer kümmert sich um die Hinterbliebenen der Toten. Und wer hilft bei der Suche nach den Vermissten? Regisseurin Nathalie Borgers (Fang den Haider) auf der Suche nach dem, was nach der Flucht bleibt. (Quelle: Verleih)

Einführung und Diskussion: Filmpfarrer Eckart Bruchner, Interfilm-Akademie

Hamburger Filmgespräch stellt vor: Katzenmenschen (Cat People, OF)

Katzenmenschen (Cat People, OF)
USA 1942 | 73 min. | Regie: Jacques Tourneur | mit Simone Simon, Tom Conway, Kent Smith u.a.
Mittwoch, 18.12.2019, 19:15
Metropolis, Kleine Theaterstr. 10 / 20354 Hamburg

Katzenmenschen (Cat People, OF)
USA 1982 | 118 min. | Regie: Paul Schrader | mit Nastassja Kinski, Malcolm McDowell, John Heard u.a.
Mittwoch, 18.12 .2019, 21:00
Metropolis, Kleine Theaterstr. 10 / 20354 Hamburg

Cat People von Jacques Tourneur vereint Elemente des Horrorfilms und des film noir mit einer ambivalenten Sichtweise auf die Freudsche Psychologie. Das Motiv der Katzenfrau verkörpert verdrängte animalische weibliche Sexualität und männliche Furcht vor der Libido der Frau zugleich. 1940 wurde die Cat Woman zum Bestandteil des Comic Universums, Irena in Cat People zwei Jahre später glaubt zu den Katzenmenschen zu gehören, verfluchte Frauen, die den Liebhaber nach vollzogenen Sexualakt töten.

Tourneurs Beitrag war wegweisend. Alfred Hitchcock zitiert etwa die Zoohandlungssequenz in Die Vögel. In Clockwork Orange tötet Malcolm McDowell als Alex die Cat Lady, in der Neuverfilmung von Cat People (1981) verkörpert er selbst einen Katzenmenschen. Paul Schrader, der das Drehbuch zu Schwarzer Engel (Obsession) von Brian de Palma schrieb, drehte diesen bis heute kontrovers diskutierten Film mit Nastassja Kinski in der Rolle der Irena. Auch seine Interpretation von Cat People ist eine Studie über sexuelle Besessenheit und seltsamer Liebe.

Der Autor Stefan Preis führt in die Filme ein.

Gautinger Filmgespräch: A Rainy Day in New York

USA 2019 | 92 Min. | Regie: Woody Allen | mit Timothée Chalamet, Elle Fanning, Liev Schreiber u.a.
Donnerstag, 19.12.2019 19:30
Kino Breitwand Gauting, Bahnhofsplatz 2 / 82131 Gauting

Eine Liebeserklärung an das alte New York und ein liebevoller Blick auf die kleinen und großen Wunder und Katastrophen des Lebens.
Mit seiner Freundin Ashleigh plant Gatsby ein romantisches Wochenende in New York. Ashleigh soll für die College-Zeitung den berühmten Regisseur Roland Pollard interviewen. In der verbleibenden Zeit möchte Gatsby Ashleigh seine Stadt zeigen. Als Ashleigh nach dem Interview von einer unerwarteten Situation in die nächste schlittert, lässt sich Gatsby durch das verregnete New York treiben. Dabei trifft er auf Chan, die schlagfertige jüngere Schwester seiner Ex-Freundin. So ist am Ende eines langen Tages für beide, Gatsby und Ashleigh, nichts mehr so, wie es einmal war. (Quelle: Kino)

Einführung und Diskussion: Filmpfarrer Eckart Bruchner, Interfilm-Akademie.

Münchner Filmgespräch: Aimée & Jaguar

Deutschland 1999 | 125 Min. | Regie: Max Färberböck | mit Maria Schrader, Juliane Köhler, Johanna Wokalek u.a.
Freitag, 13.12.2019, 18:00
Münchenstift – Haus an der Effnerstraße, Effnerstr. 76 / 81925 München

Der Film von Max Färberböck aus dem Jahr 1999 ist an tatsächliche Begebenheiten und Erlebnisse der Lilly Wust in Berlin angelehnt. Zwischen Bombenhagel und Naziterror erleben zwei junge Frauen die große Liebe – miteinander. Zwei Frauen, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten: Die Hausfrau und Mutterkreuzträgerin Lilly und Felice, Jüdin und Mitglied einer Untergrundorganisation. Allen Gefahren zum Trotz schreiben die beiden sich unter den Pseudonymen Aimée und Jaguar täglich Briefe. Der Film wurde mit dem Bayerischen und dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet. (Quelle: Münchenstift)

Einführung und Diskussion mit Filmpfarrer Eckart Bruchner, Interfilm-Akademie.

Hamburger Filmgespräch in der Reihe Original : Remake: Psycho

Psycho (OF)
USA 1960 | 109 min. | Regie: Alfred Hitchcock | mit Anthony Perkins, Janet Leigh, Vera Miles u.a.
Freitag, 13.12.2019, 19:00
Metropolis, Kleine Theaterstr. 10 / 20354 Hamburg

Psycho (OF)
UK / USA 1998 | 105 min. | Regie: Gus Van Sant | mit Vince Vaughn, Anne Heche, Julianne Moore, Viggo Mortensen, William H. Macy, Robert Forster u.a.
Freitag, 13.12.2019, 21:30
Metropolis, Kleine Theaterstr. 10 / 20354 Hamburg

Psycho (1960) markiert den Anfang einer Trilogie, in der Alfred Hitchcock sich mit der Freudschen Psychoanalyse beschäftigte. (Es folgten The Birds und Marnie). Die gleichnamige Vorlage stammt von dem Horror-Autoren Robert Bloch, der die tatsächlichen Morde und Grabschändungen Ed Geins verarbeitete. In den späten 1950er Jahren war die amerikanische Öffentlichkeit durch dessen Verbrechen schockiert und traumatisiert. Ed Gein war später auch das Vorbild für Leatherface in Blutgericht in Texas sowie für Buffalo Bill im Schweigen der Lämmer.

Hitchcocks Adaption ist ein Meilenstein sowie des Horror- als auch des Kriminalfilms und begründete das Subgenre des Psychothrillers. Die häufig zitierte Duschszene besteht aus knapp 70 Einstellungen und erforderte eine Woche Drehzeit. 1998 realisierte Gus Van Sant ein unterschätztes, äußerst sehenswertes Remake, welches Hitchcock zwar im Detail folgt, jedoch die Figur des Norman Bates stärker entsprechend der Romanvorlage darstellt.

Moderiert wird die Veranstaltung vom Filmemacher Franz Indra und dem Autor Stefan Preis. Im Anschluss an die erste Vorführung um 19 Uhr diskutieren wir mit dem Publikum.

Gräfelfinger Filmgespräch: The Whale and the Raven (OmU)

Kanada 2019 | 101 Min. | Regie: Mirjam Leuze
Mittwoch, 04.12.2019 19:45
Filmeck Gräfelfing, Bahnhofplatz 1 / 82166 Gräfelfing

Die Westküste Kanadas ist von Fjorden und der idyllischen See bestimmt. Wale und Orcas haben hier ihren natürlichen Lebensraum gefunden. Seit 15 Jahren dokumentieren die Walforscher Janie Wray und Herman Meuter die kognitive Wahrnehmung der größten Säugetiere unseres Planeten (Quelle: Kino)

Einführung und Diskussion: Filmpfarrer Eckart Bruchner, Interfilm-Akademie

Hamburger Filmgespräch in der Reihe Original : Remake: Tote schlafen fest (The Big Sleep, OmU) & Der tiefe Schlaf (The Big Sleep, OF)

Tote schlafen fest (The Big Sleep, OmU)
USA 1946 | 114 min. | Regie: Howard Hawks | mit Humphrey Bogart, Lauren Bacall, John Ridgely u.a.
Samstag, 30.11.2019, 19:15
Metropolis, Kleine Theaterstr. 10 / 20354 Hamburg

Der tiefe Schlaf (The Big Sleep, 35mm, OF)
UK / USA 1978 | 99 min. | Regie: Michael Winner | mit Robert Mitchum, Sarah Miles, Richard Boone u.a.
Samstag, 30.11.2019, 21:45
Metropolis, Kleine Theaterstr. 10 / 20354 Hamburg

Nach dem außergewöhnlichen Erfolg der Hemingway-Adaption To Have and Have Not inszenierte Howard Hawks mit dem gleichen Team (der spätere Literatur-Nobelpreisträger William Faulkner schrieb am Drehbuch mit) einen der größten Klassiker des Film Noirs: The Big Sleep (1946).

Die Hauptfigur Philip Marlowe ist der Prototyp des zynischen amerikanischen Privatdetektivs in einer korrupten Gesellschaft (wie Sam Spade bei Dashiell Hammett, Lew Archer bei Ross MacDonald und in der extremsten Form Mike Hammer bei Mickey Spillane). Die Dreharbeiten gestalteten sich aufgrund der komplexen Vorlage von Raymond Chandler äußerst schwierig: So konnte der Autor selbst nicht sicher sagen, ob eine Figur ermordet wurde oder Selbstmord begeht. Bei Hawks wurde Marlowe von Humphrey Bogart verkörpert, in Michael Winners gleichnamigem Remake (1978) von Robert Mitchum.

Moderiert wird die Veranstaltung vom Filmemacher Franz Indra und dem Autor Stefan Preis. Im Anschluss an die erste Vorführung um 19:15 diskutieren wir mit dem Publikum.

Gautinger Filmgespräch: Bis dann, mein Sohn

China 2019 | 185 Min. | Regie: Xiaoshuai Wang | mit Liya Ai, Jiang Du, Zhao-Yan Guo-Zhang u.a.
Donnerstag, 28.11.2019 19:30
Kino Breitwand Gauting, Bahnhofsplatz 2 / 82131 Gauting

Goldener Bär Berlinale 2019. Großes chinesisches Familientableau um zwei Familien in drei Jahrzehnten chinesischer Geschichte vom Aufbruch nach der Kulturrevolution in den 1980er-Jahren bis in den prosperierenden Turbokapitalismus der Gegenwart.
Ein Unglück im Jahre 1994 am Ufer eines Staudamms. Zwei befreundete Jungen spielen, der Mutigere hänselt den Ängstlicheren und wenig später, nachdem der Draufgängerische davongelaufen ist, treibt der andere, Xingxing, leblos im Wasser. Für ihn kommt jede Hilfe zu spät.
Die Eltern der Kinder bleiben zurück, mit dem Unglück lebend und darunter leidend. Yaojun und seine Frau Liyun bleiben ohne Xingxing alleine zurück. Sie durften nur ein Kind bekommen. Als sie ein zweites erwarteten, wurde es von der Partei verboten. Direktorin war damals Li Haiyan, die Mutter des anderen Jungen. Die Jahre vergehen und ein neues China wächst heran. (Quelle: Kino)

Einführung und Diskussion zum Thema „Chinesische Meisterregisseure zwischen politischen und sozialen Umbrüchen im heutigen China „: Filmpfarrer Eckart Bruchner, Interfilm-Akademie.

Der Prix Interculturel 2019 geht an „La Dernière Séance“

Der Prix Interculturel 2019 geht an den Film La Dernière Séance (Rock Out) von Alice Gadbled vom Institut des Arts de Diffusion, Belgien 2019.

Begründung der Jury:
„Das macht man nicht“ – beim Thema „Trauer und Tod“ gibt es viele Tabus und Unsicherheiten. Dieser Film macht Mut, den eigenen Gefühlen zu folgen, einen individuellen Weg mit der Trauer zu gehen und gleichzeitig Stärkung in der Gemeinschaft zu erfahren. Er bestärkt darin, ein großes, schweres Thema mit Humor und Leichtigkeit zu behandeln. Die Geschichte ist mit Vertrauen, Witz und Respekt vor der individuellen Persönlichkeit geführt. Unprätentiös und mit feinem Gespür für ausdrucksstarke Bilder gelingt es Alice Gadbled, Schauspieler*innen und Kamera – trotz der Präsenz des Todes – das Leben feiern zu lassen.

Eine Lobende Erwähnung geht an Armed Lullaby von Yana Ugrekhelidze von der Kunsthochschule für Medien Köln, Deutschland 2019.

Begründung der Jury:
Eine Animation Documentary über den abchasischen Bürgerkrieg, in dem die Flucht aus der Sicht von vier Kindern und vier verschiedenen Fluchtwegen gezeigt wird. Dieser Film berührt mit seinen ausdrucksstarken Bildern und dem Mut, unterschiedliche Techniken zu verweben. Die wortlose Sprache des Films ist still und aufwühlend, sie stellt der Grausamkeit des Krieges und dem Elend der Flucht eine sanfte Ästhetik gegenüber, verbindet religiöse Symbolik mit märchenhaften Imaginés und einer berührenden Musik.

Der Prix Interculturel ist in diesem Jahr mit 1.500 € dotiert, die Preisträgerin Alice Gadbled erhält außerdem eine von dem Künstler Bernd Sauter gestaltete Trophäe.

Die Interfilm-Akademie hat im Rahmen des 39. Internationalen Festivals der Filmhochschulen München am 23. November 2019 zum 15. Mal eine Auszeichnung vergeben. Die Preisverleihung fand im Rahmen der Award Ceremony vor geladenen Gästen statt.

Zur Jury unter Vorsitz von Dr. Peter Marinković (Interfilm-Akademie) gehörten in diesem Jahr die Schauspielerin Cornelia Corba und die Kulturwissenschaftlerin Gundi Doppelhammer (Interfilm).