Interfilm-Akademie News

30 Jahre „Kinotreff Rio“

Die Filmkunstreihe Kinotreff Rio feiert heuer ihr 30-jähriges Bestehen. Zu Verdanken ist dies der Initiative von Paula Linhart. Mit dem Film Schwarze Augen von Nikita Michalkov startete die Reihe im Januar 1990 unter dem Motto „Literatur, Theater, Musik im künstlerischen Film“. Es war damals der Wunsch von Paula Linhart, Kinofilme als inhaltliches Angebot der Theater­gemeinde München zu platzieren und mit den katholischen und evange­lischen Mitveranstaltern die ökumenische Filmarbeit in München zu fördern. Heute, 30 Jahre und 227 Filme später, zeigt sich, es hat funktioniert!

Als Paula Linhart den Anstoß zu der Filmkunstreihe Kinotreff Rio gibt, ist sie bereits über 80 Jahre alt. Der Kunstbeirat der Theatergemeinde München greift ihre Idee auf. Ein Veranstaltungsteam der Theatergemeinde (Paula Linhart und Willi Fries), der katholischen AV-Medienzentrale (Franz Haider), des Süddeutschen Filmforums (Eckart Bruchner und Dr. Gisa Stute) und weiterer Filmexperten findet sich zusammen und sucht nach geeigneten Filmen. Anfangs werden jährlich sechs Filme im Zweimonatsrhythmus gezeigt.

Im Jubiläumsprogramm mit dem Titel „Häutungen“ geht es um Film­geschichten, die Wandlungs- und Veränderungsprozesse beschreiben.

Kinotreff Rio: Tootsie

USA 1982 | 116 min. | Regie: Sydney Pollack| mit Dustin Hoffman, Jessica Lange, Teri Garr u.a.
Mittwoch, 19.02.2020 18:00
Rio Filmtheater, Rosenheimer Str. 46 / 81667 München

Michael Dorsey ist ein talentierter, aber auf Grund seines Charakters schwer vermittelbarer Schauspieler. Erst als er sich als Frau verkleidet bewirbt, bekommt er die Chance, in einer Seifenoper Furore zu machen. Als Dorothy Michaels geht er in dieser Rolle vollkommen auf und inspiriert Frauen, sich gegen das Macho-Gehabe der Männer zu stellen. Aber auch er selbst macht, sich mit der Frauenrolle auseinandersetzend, eine Wandlung durch. Dies umso mehr, als er sich in seine Serienkollegin verliebt, für die er nur eine mütterliche Freundin darstellt. Regisseur Sidney Pollack inszenierte eine Komödie mit Leichtigkeit und sanfter Ironie, deren lebhafte und dynamische Dramaturgie für zehn Oscar-Nominierungen sorgte. (Quelle: Theatergemeinde München)

Einführung und Diskussion: Prof. Eckart Bruchner, Interfilm-Akademie

Franziskus, der Gaukler Gottes (Francesco, giullare di Dio)

Italien 1950 | 85 Min. | Regie: Roberto Rossellini | mit Aldo Fabrizi, Gianfranco Bellini, Peparuolo u.a.
Donnerstag, 13.02.2020 19:30
Walter-Hildmann-Haus, Ammersee Str. 13 / 82131 Gauting

Mit diesem wunderschönen Film gelangte der Meisterregisseur des italienischen Neorealismus zu neuen Ausdrucksformen und stellte das Thema des Glaubens in den Mittelpunkt seiner Reflexion. Weit entfernt von der traditionellen Hagiographie werden elf Episoden aus dem Leben Franz‘ von Assisi erzählt. Franziskus und die Mönche werden in ihrem irdischen Gemeinschaftsleben dargestellt, in dem Liebe, Demut und Lebensfreude vorherrschen und Heiligsein menschliches Gesicht annimmt. (Quelle: Zeit Zeichen)

Einführung und Diskussion: Filmpfarrer Eckart Bruchner, Interfilm-Akademie.

Gräfelfinger Filmgespräch: Das geheime Leben der Bäume

Deutschland 2020 | 96 Min. | Regie: Jörg Adolph
Mittwoch, 05.02.2020 19:45
Filmeck Gräfelfing, Bahnhofplatz 1 / 82166 Gräfelfing

Peter Wohlleben ist Förster, und er beobachtet das Leben in seinem Revier in der Gemeinde Wershofen genau, insbesondere das Phänomen von Bäumen, die auf geheimnisvolle Weise Verbindung haben. Er schrieb ein Buch darüber und veröffentlichte es 2015 unter dem Titel Das geheime Leben der Bäume. Der Bestseller zeigt eine Sichtweise, die zunehmend populär wird: Auf Waldspaziergängen und Exkursionen zum ältesten Baum der Welt und zu Forstbetrieben in Kanada begibt sich Wohlleben auf die Suche nach Antworten, wie der Wald zu verstehen und zu retten ist. (Quelle: Kino)

Einführung und Diskussion aus aktuellem Anlass wegen der drohenden Rodung des Kreuzlinger Forst im Würmtal: Filmpfarrer Eckart Bruchner, Interfilm-Akademie

Gautinger Filmgespräch: Latte Igel und der magische Wasserstein

Deutschland 2019 | 89 Min. | Regie: Mimi Maynard, Regina Welker
Donnerstag, 06.02.2020 16:00
Kino Breitwand Gauting, Bahnhofsplatz 2 / 82131 Gauting

Rund um eine tief im Wald verborgene Lichtung leben Latte Igel und seine Freunde. Doch mit dem friedlichen Miteinander ist es eines Tages vorbei, als der nahe Bach versiegt. Wochen später gehen auch die letzten Wasservorräte zur Neige und Angst und Not breiten sich aus. Es heißt, der magische Wasserstein, der dafür sorgt, dass der Bach fließt, sei gestohlen worden. Einzig das Igelmädchen Latte macht sich gemeinsam mit dem ängstlichen Eichhörnchenjungen Tjum auf den Weg zu der Palasthöhle des Bären Banthur, um von dort den Stein zurück zum Gipfel des Weißen Berges zu bringen, wo er hingehört. Auf dem Weg erwarten sie zahlreiche Abenteuer und Gefahren und nach und nach werden die beiden Tiere zu echten Freunden. (Quelle: Kino)

Einführung und Diskussion: Filmpfarrer Eckart Bruchner, Interfilm-Akademie, Pädagogin Michaela Reißfelder-Zessin und ein Überraschungsgast!

Gautinger Filmgespräch: Crescendo – #makemusicnotwar (Crescendo)

USA 2019 | 102 Min. | Regie: Dror Zahavi | mit Götz Otto, Daniel Donskoy, Peter Simonischek u.a.
Donnerstag, 30.01.2020 19:30
Kino Breitwand Gauting, Bahnhofsplatz 2 / 82131 Gauting

Im Rahmen von Friedensverhandlungen zwischen Diplomaten aus Israel und Palästina soll in Südtirol ein Konzert eines Jugendorchesters junger Palästinenser und Israelis unter massiven Sicherheitsvorkehrungen stattfinden. Als ein berühmter Dirigent − mit nationalsozialistischer Vergangenheit in seiner Familie − die Arbeit übernimmt, stellt er schnell fest, dass die Jugendlichen in sich nicht die Freiheit spüren, miteinander, also mit der jeweils verhassten anderen Volksgruppe, zu spielen. Der Orchesterleiter spürt, dass er erst die Barrieren abbauen und die Fragen lösen muss, um musikalisch weiter voranzukommen. So stellt er eines Tages beide Gruppen in einer Reihe einander gegenüber auf. Die jungen Leute sollen sagen, schreien oder anders ausdrücken, was sie eigentlich denken und fühlen.

Hat die Musik die Kraft, trotz der vielen Herausforderungen und Hindernisse Brücken zwischen den jungen Menschen verschiedener Religionen und verhasster Nationalitäten zu bauen? (Quelle: Kino)

Filmpfarrer Eckart Bruchner, Interfilm Akademie München, spricht zum Thema „Israel/Palästina zwischen Vision und Realität“.

Münchner Filmgespräch: Monsieur Claude 2 (Qu’est-ce qu’on a encore fait au bon Dieu?)

Frankreich 2019 | 99 Min. | Regie: Philippe de Chauveron | mit Christian Clavier, Chantal Lauby u.a.
Freitag, 17.01.2020 18:00
Münchenstift – Haus an der Effnerstraße, Effnerstr. 76 / 81925 München

Was mussten Monsieur Claude Verneuil und seine Frau Marie nicht alles über sich ergehen lassen? Doch seit den vier maximal multikulturellen Hochzeiten ihrer Töchter sind die beiden im Integrieren unübertroffen. Als echter Kosmopolit rafft sich Monsieur Claude nun sogar auf, allen Heimatländern seiner bunten Schwiegerschar einen Besuch abzustatten. Abermals haben sie die Rechnung ohne ihre Töchter gemacht. Als die ihnen erklären, dass mit diesen Ehemännern im konservativen Frankreich auf keinen grünen Zweig zu kommen ist und sie deshalb mit Kind und Kegel im Ausland ihr Glück suchen werden, sind die Gesichter der Großbürger plötzlich sehr lang. Die ganze schöne Toleranz war für die Katz? Bei Claude Verneuil droht ein weiterer unversöhnlicher Familien-Infarkt. Er und Marie setzen Himmel und Hölle in Bewegung, um ihre Schwiegersöhne zum Bleiben zu bewegen. Und werden plötzlich zu schlitzohrigen Patrioten in völkerfreundschaftlicher Mission. (Quelle: Verleih)

Einführung und Diskussion: Filmpfarrer Eckart Bruchner, Interfilm-Akademie.

Kinotreff Rio: Michael Kohlhaas

Frankreich / Deutschland 2013 | 122 min. | Regie: Arnaud des Pallières | mit Mads Mikkelsen, Mélusine Mayance, Delphine Chuillot u.a.
Mittwoch, 15.01.2020 19:30
Rio Filmtheater, Rosenheimer Str. 46 / 81667 München

Der Pferdehändler Michael Koolhaas lebt ein ruhiges Leben. Doch als er eines Tages auf dem Weg zum Markt von den Handlangern eines willkürlichen Barons gezwungen wird, seine Pferde zu verpfänden, kommt Unruhe in seinen Alltag. Denn als er die Pferde zurückerhält, sind die Tiere verletzt. Ein fairer Prozess scheint unmöglich und es gibt keine Hoffnung, die Täter zu bestrafen. Da beschließt Michael, sich selbst in den Kampf zu begeben und einen Feldzug gegen die Ungerechtigkeit zu beginnen. (Quelle: Kino)

Einführung und Diskussion: Dr. Fritz Göttler, Kulturjournalist

Hamburger Filmgespräch: Edgar Allan Poe Abend

Mord in der Rue Morgue (Murders in the Rue Morgue) USA 1932 | 61 min. | Regie: Robert Florey | mit Bela Lugosi, Sidney Fox, Leon Ames u.a. Vorfilm: Der Verrückte, das Herz und das Auge
Deutschland 2006 | 8 min. | Regie: Annette Jung, Gregor Dashuber | mit Andreas Fröhlich, Tom Strauss
Sonntag, 19.01.2020, 17:00
Metropolis, Kleine Theaterstr. 10 / 20354 Hamburg Außergewöhnliche Geschichten (Histoires extraordinaires) Frankreich / Italien 1968 | 121 min. | Regie: Federico Fellini, Louis Malle, Roger Vadim | mit Jane Fonda, Brigitte Bardot, Alain Delon u.a. Sonntag, 19.01.2020, 19:00 Metropolis, Kleine Theaterstr. 10 / 20354 Hamburg
Edgar Allan Poe (19.01.1809 – 07.10.1849) ist sowohl Begründer der modernen Detektiv- als auch der Horrorgeschichte. Durch die Rezeption Charles Baudelaires in Europa bekannt geworden, hat kaum ein anderer Autor größeren Einfluss auf die unheimliche Literatur und später entsprechend auf den Film genommen. Wir feiern seinen 211. Geburtstag mit mehreren unterschiedlichen Interpretationsansätzen. Der Verrückte, das Herz und das Auge (2006) ist ein außergewöhnlicher Animationsfilm nach der Vorlage The Tell-Tale Heart, gesprochen von Andreas Fröhlich (Die drei ???). Bis heute ist Poes Auseinandersetzung mit dem „motivlosen Verbrechen“ sowie dem „radikal Bösen“ (Kant) für die kriminologische Forschung relevant. Murders in the Rue Morgue lässt erstmals einen deduktiv analysierenden Detektiv auftreten, zugleich beschreibt Poe Bilder von infernaler Grausamkeit. Dostojewskij zitierte mehrere Passagen in seinem Verbrechen und Strafe, Clive Barker hat eine Fortsetzung geschrieben. Robert Floreys Adaption aus dem Jahr 1932 vereint die bizarre Auflösung mit dem Caligari-Motiv und der Warnung vor totalitären Tendenzen in der Wissenschaft. In den im „Revolutionsjahr“ 1968 entstandenen Außergewöhnlichen Geschichten setzen sich gleich drei Regisseure mit der Komplexität des Poe’schen Kosmos auseinander: Vadims Metzengerstein setzt neben der Beschäftigung mit Reinkarnation deutlich erotische Aspekte. Malles William Wilson handelt vom Doppelgänger-Motiv und dessen dämonischer Dimension. Und Fellinis Toby Damned überträgt die Teufelspakt-Thematik in das New-Age-Zeitalter. Moderiert wird die Veranstaltung vom Filmemacher Franz Indra und dem Autor Stefan Preis. Im Anschluss an die erste Vorführung um 17 Uhr diskutieren wir mit dem Publikum.