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One-Future-Preis 2018 an „A Letter to the President“ („Namai Ba Rahis Gomhor“)

Die Menschen unseres Jahrhunderts haben eine einzige unteilbare Zukunft – One Future. In diesem Sinne zeichnet der One-Future-Preis jedes Jahr einen Film aus dem Programm des Filmfests
München aus, der diesen Gedanken in ethisch wie filmästhetisch überzeugender Weise umsetzt. Die Interfilm-Akademie hat im Rahmen des 36. Filmfests München am 7. Juli 2018 zum 33. Mal
Auszeichnungen vergeben.

Preisträger

Der One-Future-Preis 2018 geht an den Film A Letter to the President (Namai Ba Rahis Gomhor, Afghanistan 2017) von Roya Sadat.

Regisseurin Roya Sadat und Drehbuchautor Aziz Dildar danken in dieser Videobotschaft:


Begründung:

A Letter to the President ist ein bewegender, äußerst differenziert gestalteter Film, der von den Widersprüchen des afghanischen Rechtssystems und der Ungleichheit zwischen Männern und Frauen zehn Jahre nach dem offiziellen Abzug der Taliban erzählt. Im Mittelpunkt der Geschichte steht Soraya, eine zweifache Mutter, die täglich darum kämpft, ihre Karriere als Leiterin der Kabuler Kriminalabteilung und ihr Leben als Ehefrau eines zu Alkoholismus und Gewalt neigenden Mannes in Einklang zu bringen. Das bereits bröckelnde Gleichgewicht endet, als sie beschließt, eine Frau zu retten, die wegen Ehebruchs von den Dorfältesten zum Tode verurteilt wird. Daraufhin begibt sich Soraya in einen unausweichlichen Konflikt mit den Stammesführern und mit ihrem Ehemann.
Der Film erzählt von einer unerschrockenen, starken Frau, die trotz aller Widrigkeiten und fest verwurzelten patriarchalischen Strukturen bereit ist, für ihre eigene Freiheit sowie die anderer Frauen einzutreten, um das afghanische Rechtssystem zu schützen. Geschickt in Rückblenden verwoben, zeigt der Film ihren Kampf um Gerechtigkeit und Gleichheit durch eine Petition, die sie an den Präsidenten richtet und welche sie vor der Todesstrafe retten soll. Erzählt wird all das von der gleichermaßen mutigen, jungen afghanischen Regisseurin Roya Sadat, der ersten weiblichen Vertreterin ihres Fachs in der Post-Taliban-Ära.
Eine unmittelbare, überzeugende Geschichte – atmosphärisch dicht verpackt, dramatisch geschrieben, herausragend gespielt und inszeniert, erzählt A Letter to the President mit einer sensiblen Bildgestaltung des klassischen Erzählkinos vom Kampf einer einzelnen Frau gegen tief verwurzelte Vorurteile und übermächtige patriarchale Strukturen. Ihre Integrität und ihr Mut zum Widerstand werden zu einem Vorbild für uns alle.

Ein kleiner Blick in die Dreharbeiten zu A Letter to the President:

Lobende Erwähnung

Eine Lobende Erwähnung geht an Welcome to Sodom (Österreich 2018) von Florian Weigensamer, und Christian Krönes

Welcome to Sodom ist ein essayistischer Dokumentarfilm von Christian Krönes und Florian Weigensamer, ein Porträt der weltweit größten Elektromüllhalde Ghanas mit Müllbergen unserer „westlichen ersten Welt“ und gleichzeitig einer der giftigsten Orte unseres Planeten. Der Film erzählt von einer Dystopie, die längst Teil unserer globalen Realität geworden ist. „Sodom“ ist ein Ort, der uns alle angeht, ein globales Thema, das sowohl umweltpolitische als auch sozial und kulturell höchst relevante Fragen aufwirft. Beindruckend ist der Film auch auf filmästhetischer Ebene, da er sich nicht den klassischen Formen des Dokumentarfilm-Genres bedient, sondern sehr sensibel nicht nur inhaltlich, sondern auch kinematographisch an das Thema herangeht: Durch die Polyphonie der Charaktere, die der Zuschauer im Voice Over kennenlernt, erfährt er die Wünsche und Träume der Charaktere, und doch darf man sich als Betrachter selbst durch die vielen Totalen einen Eindruck des Ortes verschaffen.
Die Courage, die Inspiration und die Beharrlichkeit sich als Filmteam an diesen Ort der Welt zu wagen, an dem die Lebenserwartung der Protagonisten i.d.R. nicht mehr als 30 Jahre ist, empfindet die Jury als bemerkenswert.
Wir meinen, dass Welcome to Sodom in seiner Eindringlichkeit ganz unmittelbar zu einem Umdenken beim Publikum führt und damit höchst preisverdächtig und relevant ist. Oder wie Alain Resnais sagte, man kann mit Filmen vielleicht nicht die Welt verändern, aber Menschen zum Nachdenken anregen.

Die Jury der Interfilm-Akademie:
Navina Neverla
Verena Marisa
Tomasz Rudzik

Pressemitteilung A Letter to the President (pdf)

Pressemitteilung Welcome to Sodom (pdf)

Dankesrede von Florian Weigensamer und Christian Krönes (pdf)

Ehrenpreis

Mit dem Ehrenpreis der Interfilm-Akademie wurde Prof. Gerd Baumann (Komposition für Film und Medien – Hochschule für Musik und Theater München) ausgezeichnet. Er hat mit seinem unverwechselbaren Sound die deutsche Filmmusiklandschaft maßgeblich geprägt mit einer ganz eigenen musikalischen Handschrift, die seinen Filmen eine besondere Tiefe und Wahrhaftigkeit verleiht. Als Hochschulprofessor hat er den Studiengang „Komposition für Film und Fernsehen“ um entscheidende Kooperationen erweitert, z.B. mit den Münchner Symphonikern. Die Laudatio hielt Adrian Prechtel von der Abendzeitung München.

Laudatio (pdf)

Filmseminar beim 36. Filmfest München

Samstag, 07.07.2018, 10:30 – 13:00 (Empfang bis 13:45)

Nelson Mandela 100 – Be the Legacy

Rio Palast, Rosenheimer Straße 46 / 81669 München

Interfilm-Akademie in Kooperation mit dem Südafrikanischen Generalkonsulat München

Anlässlich des 100. Geburtstages von Nelson Mandela (18.07.1918 – 05.12.2013) wird der Dokumentarfilm Mandela: Son of Africa, Father of a Nation (Südafrika, USA 1996, 118 min., Regie: Angus Gibson und Jo Menell) gezeigt, der sich mit dem Leben und Wirken des südafrikanischen Freiheitskämpfers, Friedensnobelpreisträgers und ersten schwarzen Präsidenten seines Landes auseinander setzt. Der Film war 1996 für den Oscar in der Kategorie „Bester Dokumentarfilm“ nominiert.

Danach findet ein Filmgespräch statt mit dem Generalkonsul der Republik Südafrika in München George Monyemangene und Dr. Peter Marinković, Direktor der Interfilm-Akademie.

Anschließend Empfang (bis ca.13:45 Uhr) im Foyer und Café.

Der Eintritt ist frei.

Pressemitteilung (pdf)

One-Future-Preis 2018 und Ehrenpreis an Gerd Baumann

Die Interfilm-Akademie wird im Rahmen des 36. Filmfests München, das vom 28. Juni bis 7. Juli 2018 stattfinden wird, zum 33. Mal Auszeichnungen vergeben:

Die Menschen unseres Jahrhunderts haben eine einzige unteilbare Zukunft – One Future. In diesem Sinne zeichnet der One-Future-Preis jedes Jahr einen Film aus dem Programm des Filmfests München aus, der diesen Gedanken in ethisch wie filmästhetisch überzeugender Weise umsetzt.

Mit dem Ehrenpreis der Interfilm-Akademie wird Prof. Gerd Baumann (Komposition für Film und Medien – Hochschule für Musik und Theater München) ausgezeichnet. Er hat mit seinem unverwechselbaren Sound die deutsche Filmmusiklandschaft maßgeblich geprägt mit einer ganz eigenen musikalischen Handschrift, die seinen Filmen eine besondere Tiefe und Wahrhaftigkeit verleiht. Als Hochschulprofessor hat er den Studiengang „Komposition für Film und Fernsehen“ um entscheidende Kooperationen erweitert, z.B. mit den Münchner Symphonikern. Die Laudatio hält ein Überraschungsgast.

Für den musikalischen Rahmen der Preisverleihung sorgt Radmila Besic an der klassischen Gitarre.

Preisverleihung:
Samstag, 07.07.2018, 14 Uhr
Black Box im Gasteig, Rosenheimer Straße 5 / 81667 München
Der Eintritt ist frei.

Der internationalen Jury unter Vorsitz des Direktors der Interfilm-Akademie Dr. Peter Marinković gehören in diesem Jahr an:

Navina Neverla, geboren 1984 in München, indisch-österreichischer Hintergrund, lebt und arbeitet zwischen Hamburg und Lissabon. Navina kreeiert experimentelle Filme, Dokumentationen, Video-Installationen und Performances. Ihre Arbeiten werden seit 2009 weltweit auf Filmfestivals und in diversen Kunstkontexten international präsentiert: Ihr essayistischer Dokumentarfilm Moveo Ergo Sum lief seitdem auf Kurzfilmfestivals weltweit, ihr experimenteller Super8-Kurzfilm Sauerbrunn – Abschied vom Paradies von 2017 u.a. auf den Kurzfilmtagen in Oberhausen, Indie Lisboa, der Cannes Short Film Corner sowie im Centro Negra (Murcia, Spanien). 2012 erhielt sie eine Residenz am Fleetstreet Theater Hamburg. Navina (MA in Creative Practice von Trinity Laban, London; Diplom in Visueller Kommunikation mit Schwerpunkt Film, Hochschule für bildende Künste Hamburg und BA in Medienkultur (Fokus Film)) arbeitet freiberuflich im Film- und Medienbereich: am Set als Kamerafrau, in der Produktion, redaktionell sowie für diverse Filmfestivals seit 2004; 2017 für Performance Studies international #23 in der Kongressorganisation.

Tomasz E. Rudzik beginnt 2001 sein Regiestudium an der Hochschule für Fernsehen und Film in München (Abteilung Kino- und Fernsehfilm). Sein abendfüllender Abschlussfilm Desperados on the Block wird in den Wettbewerb des renommierten 57. San Sebastian Internationalen Filmfestivals eingeladen und startet von dort aus eine große Festivaltour mit zahlreichen nationalen und internationalen Auszeichnungen. 2010 wird Tomasz E. Rudzik Meisterschüler an der Andrzej Wajda Master School in Warschau. Dort entdeckt er neben der Regie seine Leidenschaft für das Drehbuchschreiben. Beflügelt durch diese Erfahrungen wird er als Stipendiat der 22. Drehbuchwerkstatt München aufgenommen und entwickelt das Drehbuch für seinen Debütfilm Agnieszka, das 2011 für den Tankred Dorst Preis nominiert wird. Im Frühjahr 2015 wird Tomasz E. Rudzik für Agnieszka mit dem Bayerischen Filmpreis für die “Beste Nachwuchsregie” ausgezeichnet.
Im Mai 2017 nimmt Rudzik mit dem Kinoprojekt Die Schwarze Madonna an der 20. Screenwriters Master Class eQuinoxe Europe in Balestrand, Norwegen teil.

Foto: Bernd Hußnätter

Verena Marisa ist eine deutschbrasilianische Komponistin, außerdem eine der wenigen Interpreten am Theremin, dem einzigen berührungslos gespielten Instrument. Als Komponistin zeichnet sie für die Musik zu mehreren preisgekrönten Fernsehfilmen sowie zu vier Tatort-Folgen verantwortlich. Ihr Orchesterwerk New Era hatte kürzlich in der Münchner Philharmonie Premiere. Vergangenes Jahr brachte sie ihre Komposition Morphology mit großem Kritikerlob in der Tonhalle München zur Uraufführung. Mit dem Theremin trat sie beim Nockherberg-Singspiel vor knapp 3 Millionen Fernsehzuschauern auf. Ihr Soloprogramm spielt sie regelmäßig bei internationalen Festivals, zuletzt war sie damit beim Filmfestival Bozen zu Gast. Verena Marisa erhielt zahlreiche Auszeichnungen, u.a. den Deutschen Filmmusikpreis, den Berliner Opernpreis, den Franz-Grothe-Filmmusikpreis, den Deutschen Fernsehpreis (Bester Film) und den Förderpreis Musik der Stadt München.

Pressemitteilung (pdf)

Ehrenpreis für Artur Brauner

Dr. Alice Brauner und Dr. Peter Marinković, Direktor der Interfilm-Akademie
Foto: Bernd Lindenthaler

Mit dem Ehrenpreis der Interfilm-Akademie für sein Lebenswerk wurde der Produzent, Grenzgänger und Brückenbauer Artur Brauner ausgezeichnet. Die Interfilm-Akademie würdigt den von der deutschen Geschichte geprägten Lebensweg des 1918 in Polen geborenen Artur Brauner, der als Jude den Holocaust überlebte und im Land der Täter zum wichtigsten Filmproduzenten seiner Zeit wurde. Die von ihm 1946 gegründete Central Cinema Comp. Film GmbH – kurz CCC – zählte zu den größten und erfolgreichsten Filmproduktionsfirmen der deutschen Nachkriegszeit und gilt heute als das älteste, noch aktiv produzierende, unabhängige Filmunternehmen Deutschlands.
Die Laudatio hielt der Vorjahrespreisträger Prof. Heiner Stadler, er ist seit 2004 Hauptamtlicher Professor der Abteilung IV Dokumentarfilm und Fernsehpublizistik an der Hochschule für Fernsehen und Film München und hat den Preisträger schon vor über 40 Jahren persönlich kennengelernt.
Dr. Alice Brauner, die einen Teil der CCC-Firmengruppe seit 2007 leitet, nahm den Preis für ihren Vater entgegen, der aus gesundheitlichen Gründen leider nicht nach München kommen konnte und sich in einer Video-Botschaft bedankte:

Die feierliche Preisverleihung fand am Samstag, 1. Juli 2017, im Gasteig (Black Box) statt und wurde musikalisch umrahmt von Catarina Wendtlandt (Deutschland) am Cello, Famadi Sako (Guinea) an der Djembe und Sören Grigat (Deutschland) am Balafon.

Pressemitteilung (pdf)

PS: Im Beitrag zur Verleihung des One-Future-Preises wurden noch Fotos und ein Video ergänzt.

One-Future-Preis 2017 an „Pure Hearts“ („Cuori Puri“)

Die Menschen unseres Jahrhunderts haben eine einzige unteilbare Zukunft – One Future. In diesem Sinne zeichnet der One-Future-Preis jedes Jahr einen Film aus dem Programm des Filmfests
München aus, der diesen Gedanken in ethisch wie filmästhetisch überzeugender Weise umsetzt. Die Interfilm-Akademie hat im Rahmen des 35. Filmfests München am 1. Juli 2017 zum 32. Mal
Auszeichnungen vergeben.

Preisträger

Der One-Future-Preis 2017 geht an den Film Pure Hearts (Cuori Puri, Italien 2017) von Roberto de Paolis.

Dr Peter Marinković und Rinaldo Talamonti, der den Preis stellvertretend entgegennahm
Foto: Bernd Lindenthaler

Begründung:
Agnese (Selene Caramazza) und Stefano (Simone Liberati) sind von Grund auf verschieden. Sie ist erst siebzehn, lebt mit ihrer streng katholischen Mutter Martha und steht kurz davor, ein Keuschheitsgelübde abzulegen – in der real existierenden Gemeinschaft Cuori Puri. Stefano ist ein 25-jähriger Mann mit heftigem Temperament und einer schwierigen Vergangenheit, der als Parkwächter arbeitet. Geld braucht er vor allem für seine Eltern, die gerade zwangsgeräumt wurden. Ihre Romanze entwickelt sich aus einer unerwarteten Begegnung heraus, die beide vom ersten Moment an mit den Fragen nach Moral und Vertrauen konfrontiert.
Roberto de Paolis vielschichtiger Debütfilm eröffnet einen intelligenten und sehr berührenden Blick auf die gesellschaftspolitischen Probleme des heutigen Italien. Zunächst scheinbar nur ein Liebesfilm über zwei junge Menschen aus sehr unterschiedlichen sozialen Milieus, nimmt der 1980 in Rom geborene Regisseur die Flüchtlingsthematik zunehmend in den Fokus. Die beiden Protagonisten – Agnese und Stefano – brechen aus einer Umgebung aus, in die sie hineingeboren wurden und die ihnen zu eng wird, um den eigenen Weg ins Leben zu finden. Agnese kommt aus katholisch-konservativen Kreisen und lebt allein mit ihrer streng katholischen, überfürsorglichen Mutter, die sie ständig kontrolliert und vor ihrem „Schicksal“ als Frau bewahren will. Stefano ist Teilzeit-Kleinkrimineller, der zu seinem Bandenfreund Lele eine stärkere Verbundenheit fühlt als zu seinen Eltern. Seine Familie gehört der Unterschicht an, die sich immer stärker an den Rand der Gesellschaft gedrängt sieht und von zunehmender Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit bedroht ist. Stefano muss erleben, wie seine Eltern aus ihrer Wohnung geworfen werden, weil sie die Miete nicht mehr zahlen können, und leidet unter seinem ihn ablehnenden, arbeitslosen Vater.
Die Beziehung der beiden jungen Menschen entwickelt sich unaufdringlich vor dem Hintergrund der aktuellen Flüchtlingskrise. Stefano verdingt sich als Wächter auf einem Parkplatz, der an eine Flüchtlingsunterkunft grenzt. Er sieht die Fremden als Parasiten und als persönliche Bedrohung. Agnese engagiert sich aufopfernd zusammen mit ihrer Mutter und ihren Freunden in ihrer Kirchengemeinde für neu ankommende Flüchtlinge. Für Agnese ist das christliche Aufgabe und Selbstzweck zugleich. In den beiden Figuren spiegelt sich eine konfliktreiche, zwiespältige Grundkonstellation im heutigen Italien wider. Auf der einen Seite steht eine Form des katholischen Italien, das sich hinter seinen „mittelalterlichen“ Ansichten und seinem Gutmenschentum verschanzt, um der Realität der Dinge beizukommen. Auf der anderen Seite steht der Teil der Gesellschaft, der stärker denn je mit wirtschaftlicher Unsicherheit konfrontiert ist und für den die Flüchtlingswelle eine real existentielle Bedrohung darstellt. Die Menschlichkeit der reinen Herzen siegt am Ende über die Spirale der Gewalt und die scheinbare Ausweglosigkeit der Alltagstristesse.

Die Jury (v.l.n.r.): Svetlana Belesova, Fatima Geza Abdollahyan, Sampaguita I. Mönck und Dr. Peter Marinković, Direktor der Interfilm-Akademie Foto: Bernd Lindenthaler

Roberto de Paolis erzählt eine Geschichte, die über die Grenzen Italiens hinaus Gültigkeit für ein Europa besitzt, das sich in seiner globalen Verantwortung, aber auch in seiner inneren gesellschaftlichen Konstellation neu orientieren muss. Die schauspielerische Leistung der beiden jungen Hauptdarsteller Selene Caramazza und Simone Liberati ist fesselnd und berührend zugleich. Facettenreich gelingt es ihnen, die feine Nuancen ihres inneren Konflikts deutlich werden zu lassen, ohne in Klischees zu verfallen. Am Ende vermitteln ihre Figuren glaubwürdig die Beweggründe ihres für sie radikalen Handelns.
„Die Menschen unseres Jahrhunderts haben eine einzige unteilbare Zukunft – One Future.“ Cuori Puri nimmt sich dem Thema an und setzt diesen Gedanken in ethisch wie filmästhetisch überzeugender Weise um. Ein junger europäischer Film, der es auf eine undidaktische Weise schafft, die Komplexität von gesellschaftlicher Situation und politischem Geschehen in unserem Nachbarland Italien zusammen zu bringen.

Der Preisträger konnte leider nicht nach München kommen, da er gerade in Barcelona dreht. Stellvertretend nahm der italienische Schauspieler Rinaldo Talamonti die Urkunde entgegen, Roberto de Paolis sandte eine Video-Botschaft:

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Pressemitteilung (pdf)

Pressespiegel zum Filmfest München 2017

Ehrenpreis der Interfilm-Akademie für Artur Brauner (filmportal.de vom Montag, 29.05.2017)

Filmproduzent Brauner erhält Ehrenpreis für sein Lebenswerk (Professional Production – Technologie und Medienrealisation in Film und Video vom Mittwoch, 21.06.2017)

Filmfest München – auf »Filmpfarrer« Eckart Bruchner folgt Peter Marinkovic (Sonntagsblatt vom Donnerstag, 22.06.2017)

Arthur Brauner – die Filmgeschichte in Person (Abendzeitung vom Freitag, 30.06.2017)

Ein Ehrenpreis für Atze Brauner (Süddeutsche Zeitung vom Freitag, 30.06.2017)

Ehrenpreis der Interfilm-Akademie im Rahmen des 35. Filmfests München der Produzent, Grenzgänger und Brückenbauer Artur Brauner für sein Lebenswerk (DPMG vom Samstag, 01.07.2017)

Ökumenischer „One Future“-Preis für „Cuori puri“ beim Münchner Filmfest (Sonntagsblatt vom Dienstag, 04.07.2017)

Ehrenpreis an Artur Brauner

Mit dem Ehrenpreis der Interfilm-Akademie für sein Lebenswerk wird der Produzent, Grenzgänger und Brückenbauer Artur Brauner ausgezeichnet.

Die von ihm 1946 gegründete Central Cinema Comp. Film GmbH – kurz CCC – zählte zu den größten und erfolgreichsten Filmproduktionsfirmen der deutschen Nachkriegszeit und gilt heute als das älteste, noch aktiv produzierende, unabhängige Filmunternehmen Deutschlands. Die Laudatio hält der Vorjahrespreisträger Prof. Heiner Stadler, er ist seit 2004 Hauptamtlicher Professor der Abteilung IV Dokumentarfilm und Fernsehpublizistik an der Hochschule für Fernsehen und Film München und hat den Preisträger schon vor über 40 Jahren persönlich kennengelernt. Soweit es seine Gesundheit zulässt, wird Artur Brauner zusammen mit seiner Tochter Dr. Alice Brauner, die einen Teil der Firmengruppe seit 2007 leitet, den Preis persönlich entgegennehmen.

Für den musikalischen Rahmen der Preisverleihung sorgen Catarina Wendtlandt (Deutschland) am Cello, Famadi Sako (Guinea) an der Djembe und Sören Grigat (Deutschland) am Balafon.

Preisverleihung:
Samstag, 01.07.2017, 13 Uhr
Black Box im Gasteig, Rosenheimer Straße 5 / 81667 München
Der Eintritt ist frei.

Im Anschluss an die Preisverleihung findet von 14.30 bis 16.30 im Rio Filmpalast am Rosenheimer Platz das traditionelle Filmseminar statt. Wir zeigen als Süddeutschland-Premiere die Dokumentation Marina, Mabuse und Morituri (Deutschland 2017, 52 Min., Original mit engl. Untertiteln, Regie Kathrin Anderson).

Der Film erzählt die Geschichte der Central Cinema Comp. Film GmbH, die mittlerweile von seiner Tochter Dr. Alice Brauner geleitet wird, und zeigt den durch die deutsche Geschichte geprägten Lebensweg des 1918 in Polen geborenen Brauner, der als Jude den Holocaust überlebte und im Land der Täter zum wichtigsten Filmproduzenten seiner Zeit wurde. Es ist ein eindrucksvoller, informativer und unterhaltsamer Streifzug durch 70 Jahre deutsche Filmgeschichte, der durch die Aussagen herausragender Persönlichkeiten und Weggefährten Brauners getragen wird. Das Porträt eines besonderen Menschen, der sich bis heute voll und ganz seiner Leidenschaft Film verschrieben hat.

Anschließend findet ein Filmgespräch mit der Familie Brauner und weiteren ZeitzeugInnen statt, geleitet von Dr. Peter Marinković, Direktor der Interfilm-Akademie. Zum Ausklang laden wir die TeilnehmerInnen zu einem Glas Wein ins Foyer ein. Der Eintrittpreis beträgt 7,50 Euro, ermäßigt 5,50 Euro, Kartenreservierung wird empfohlen per Email an karten.interfilmakademie@gmail.com.

Pressemitteilung (pdf)

One-Future-Preis 2017 und Ehrenpreis an Artur Brauner

Die Interfilm-Akademie wird im Rahmen des 35. Filmfests München, das vom 22. Juni bis 1. Juli 2017 stattfinden wird, zum 32. Mal Auszeichnungen vergeben:

Die Menschen unseres Jahrhunderts haben eine einzige unteilbare Zukunft – One Future. In diesem Sinne zeichnet der One-Future-Preis jedes Jahr einen Film aus dem Programm des Filmfests München aus, der diesen Gedanken in ethisch wie filmästhetisch überzeugender Weise umsetzt.

Die Interfilm-Akademie vergibt außerdem einen Ehrenpreis für das Lebenswerk an Artur Brauner.

Für den musikalischen Rahmen der Preisverleihung sorgen Catarina Wendtlandt (Deutschland) am Cello, Famadi Sako (Guinea) an der Djembe und Sören Grigat (Deutschland) am Balafon.

Preisverleihung:
Samstag, 01.07.2017, 13 Uhr
Black Box im Gasteig, Rosenheimer Straße 5 / 81667 München
Der Eintritt ist frei.

Der internationalen Jury unter Vorsitz des Direktors der Interfilm-Akademie Dr. Peter Marinković gehören in diesem Jahr an:

Fatima Geza Abdollahyan wurde 1977 in Frankfurt am Main geboren, ihre Eltern stammen aus dem Iran. Sie hat in Lyon und München Politikwissenschaften studiert und 2001 mit einem Master of Arts in International Relations an der Westminster University London abgeschlossen. Im gleichen Jahr begann sie ihr Studium an der Hochschule für Fernsehen und Film München im Studiengang Dokumentarfilm und Fernsehpublizistik. 2009 graduiert sie mit dem Dokumentarfilm Kick in Iran, der seine Weltpremiere 2010 auf dem renommierten Sundance Filmfestival in den USA feierte. Für ihren Film Freedom Bus wurde sie beim Filmfest 2013 mit dem One-Future-Preis ausgezeichnet. Fatima Geza Abdollahyan ist Film-Redakteurin und Moderatorin beim Bayerischen Rundfunk.

 

Svetlana Belesova wurde 1988 in Simferopol, Autonome Republik Krim, geboren. 2005 bis 2007 studierte sie dort Germanistik, bevor sie 2007 nach Deutschland zog, um in Dresden ein Studium der Medienwissenschaften aufzunehmen, das sie 2011 mit der Bachelorprüfung erfolgreich abschloss. Schon während ihres Studiums spielte sie an der Bühne Dresden. 2013 begann sie ihr Schauspielstudium an der Theaterakademie August Everding und war dort u.a. in den Produktionen Der Weg zum Glück und Der goldene Drache am Münchner Metropoltheater sowie der Erfolgsproduktion Tschick zu sehen. 2014 wurde sie Stipendiatin des Deutschen Bühnenvereins. 2017 hat sie den Master-Studiengang erfolgreich abgeschlossen. Svetlana Belesova ist Teil des ensemble-netzwerks.

 

Sampaguita I. Mönck wurde 1992 in Berlin geboren, ihre Mutter stammt von den Philippinen. Sie absolvierte ihr Abitur in München, 2015 schloss sie den Studiengang Diplom-Musicaldarstellerin an der Theaterakademie August Everding mit einem Stipendium des Deutschen Bühnenvereins erfolgreich ab. Seit 2012 ist sie Stipendiatin der Richard-Stury-Stiftung. 2015 übernahm sie die Titelrolle in The Drowsy Chaperone – Vier Hochzeiten und ein Musical am Prinzregententheater München. Als Consuelo ist sie an der Oper Leipzig in West Side Story zu sehen, am Theater Bonn spielt sie in Der kleine Horrorladen das Soulgirl Ronette. Im Juni 2017 hat sie am Kammertheater Karlsruhe Premiere mit dem Musical Non(n)sens. Ab September wird sie dann wieder in der Titelrolle von The Drowsy Chaperone – Hochzeit mit Hindernissen an der Oper Chemnitz zu sehen sein.

Pressemitteilung (pdf)

One-Future-Preis 2016 an „Eine unerhörte Frau“

Die Interfilm-Akademie hat im Rahmen des 34. Filmfests München am 2. Juli 2016 zum 31. Mal Auszeichnungen vergeben.

Preisträger

Der One-Future-Preis 2016 geht an den Film Eine unerhörte Frau (Deutschland 2015) von Hans Steinbichler.

Begründung:
Die wahre Geschichte der Bäuerin Hanni, grandios und anrührend von Rosalie Thomass verkörpert, ist ein starkes Plädoyer dafür, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen.
Von der Gesellschaft und ihrer Familie alleine gelassen, schenkt Hanni ihrer kranken, kleinen Tochter als Einzige Glauben und nimmt erfolgreich den Kampf gegen oft selbstherrliche Autoritäten auf. Nicht ernst genommen und herabgewürdigt verliert sie nicht die Hoffnung und setzt sogar ihre Existenz aufs Spiel, um ihre Tochter retten zu können.
Der One-Future-Preis geht in diesem Jahr an Eine unerhörte Frau, ein Film, der nachvollziehbar und glaubwürdig zeigt, wie wichtig es ist, auch auf Schwächere zu hören.

Der Preis wurde vom Regisseur Hans Steinbichler, dem Produzenten Nils Dünker sowie den Drehbuchautoren Angelika Schwarzhuber und Christian Lex persönlich entgegengenommen.

Hans Steinbichler, Rosalie Thomass, Nils Dünker, Daniel Blum, Angelika Schwarzhuber und Christian Lex (v.l.n.r.) bei der Premiere von "Eine unerhörte Frau" (Foto: Dominik Bindl / Filmfest München 2016)

Hans Steinbichler, Rosalie Thomass, Nils Dünker, Daniel Blum, Angelika Schwarzhuber und Christian Lex (v.l.n.r.) bei der Premiere von „Eine unerhörte Frau“ (Foto: Dominik Bindl / Filmfest München 2016)

Lobende Erwähnungen

Die Reise mit Vater (Deutschland/Rumänien/Schweden/Ungarn 2016) von Anca Miruna Lăzărescu
Begründung:
In den politischen Wirren während des Prager Frühlings suchen zwei Brüder nach Selbstfindung und ringen um die Frage, ob man den Lauf der Geschichte beeinflussen kann. Der Film bearbeitet die Frage: Schaffen wir Menschen es, unsere Gesellschaften so einzurichten, dass wir in Freiheit leben können, ohne dass Gerechtigkeit und Geschwisterlichkeit dabei zu kurz kommen? Oder existiert so etwas nur in Büchern, Songtexten oder Filmen?

Die Ehrung wurde von Regisseurin Anca Miruna Lăzărescu und Produzent David Lindner Leporda persönlich entgegengenommen.

Lo and Behold: Reveries on the Connected World (USA 2016) von Werner Herzog
Begründung:
Der namhafte und hochgeschätzte Regisseur Werner Herzog beschäftigt sich mit der gerade stattfindenden Revolution der globalen Vernetzung und entwirft mit Gesprächspartnern aus der ganzen Welt mögliche Visionen unserer Zukunft.

Ehrenpreis

Mit einem Ehrenpreis für sein Schaffen als Dokumentarfilmer und als Hochschullehrer wurde in diesem Jahr Prof. Heiner Stadler ausgezeichnet, er ist Hauptamtlicher Professor der Abteilung IV Dokumentarfilm und Fernsehpublizistik und Vize-Präsident der Hochschule für Fernsehen und Film München.
Prof. Heiner Stadler nahm den Ehrenpreis persönlich entgegen.

Die Preisverleihung fand am Samstag, 2. Juli 2016 im Gasteig (Black Box) statt und wurde musikalisch umrahmt von Catarina Wendtlandt (Deutschland) am Cello, Famadi Sako (Guinea) an der Djembe und Sören Grigat (Deutschland) am Balafon.

Die Interfilm-Jury 2016:
Dr. Peter Marinković (Vorsitz, Deutschland)
Galina Antoschewskaja (Russland)
Bhagu T. Chellaney (Indien)
Ileana Cosmovici (Italien)
Franz Indra (Deutschland)