Hamburger Filmgespräche

Im Rahmen der Hamburger Filmgespräche finden verschiedene Veranstaltungsreihen der Interfilm-Akademie statt:

  • die Kriminologische Filmreihe seit Oktober 2016 in Kooperation mit dem Hamburger Kino Metropolis (Kleine Theaterstr. 10 / 20354 Hamburg, Tel 040 / 342353)
  • die Phantastische Filmreihe seit März 2020 in Kooperation mit dem Savoy Hamburg (Steindamm 54 / 20099 Hamburg, Tel 040 / 284093628)

Es moderieren jeweils der Filmemacher Franz Indra und der Autor Stefan Preis.
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Stefan Preis und der Mann, der lacht

Stefan Preis und der Mann, der lacht

Hamburger Filmgespräch: Tanz der Vampire (The Fearless Vampire Killers, OF)

Tanz der Vampire (The Fearless Vampire Killers, OF)
USA / UK 1967, 108 min | Regie: Roman Polanski | mit Jack MacGowran, Sharon Tate, Roman Polanski u.a.
Sonntag, 15.03.2020, 12:00
Savoy, Steindamm 54 / 20099 Hamburg

Zum Auftakt der neuen Phantastischen Filmreihe im Rahmen der Hamburger Filmgespräche, einer Kooperation der Interfilm-Akademie mit dem Savoy Filmtheater, laden wir Sie herzlich zu Tanz der Vampire am 15. März ein! Der Filmemacher Franz Indra und der Autor Stefan Preis führen in den Film ein und diskutieren im Anschluss mit dem Publikum. Ein Band mit Filmanalysen von Franz Indra, auch zu Tanz der Vampire, ist im Erscheinen.

Professor Abronsius ist wegen seiner Theorien über Vampire zum Gespött seiner Kollegen geworden. Gemeinsam mit seinem ängstlichen Gehilfen Alfred (gespielt von Polanski selbst) bricht er in die winterlichen Karpaten auf, um das Böse zu finden und zu vernichten – doch erst mit seiner Hilfe kann es sich über die ganze Welt ausbreiten.

Tanz der Vampire ist ein atmosphärisch sehr stimmiger Film. Stilistisch an den damals populären Horror-Reißern der Hammer Film Productions orientiert, führen die liebevollen Details und lebendigen Portraits auch der Nebenrollen schnell in einen merkwürdigen Schwebezustand zwischen Realismus und Fantasiespektakel. Noch stärker als sonst treibt Roman Polanski hier mit dem Schrecken Scherze. Geradezu unheimlich wirkt heute das Schicksal der Figur seiner späteren Ehefrau Sharon Tate, wenige Jahre, bevor sie von Mitgliedern der Manson-Family grausam getötet wurde.

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Hamburger Filmgespräch: The Shining (OmU)

The Shining
UK / USA 1980 | 143 min. | Regie: Stanley Kubrick | mit Jack Nicholson, Shelley Duvall, Danny Lloyd u.a.
Freitag, 13.03.2020, 20:30
Metropolis, Kleine Theaterstr. 10 / 20354 Hamburg

Und wieder ist Freitag, der 13.: Zum 23. Hamburger Filmgespräch zeigen wir mit The Shining in der amerikanischen Langfassung einen der am intensivsten interpretierten Klassiker der Filmgeschichte überhaupt! Eine Familie verbringt die Wintermonate in einen einsamen Hotel in den Bergen. Immer mehr wird der erfolglose Schriftsteller Jack Torrance von seltsamen Spukphänomenen besessen – oder sind diese Ausprägung persönlicher Konflikte oder einer psychischen Erkrankung? Stephen King, dessen Roman auch stark autobiografische Züge trägt, hat die Adaption Kubricks nie akzeptiert. Stanley Kubrick zeigt nicht nur eine originelle Variante der Geisterhaus-Thematik, er setzt Akzente auf häusliche Gewalt und „Familientragödien“, weshalb The Shining auch für die moderne Kriminologie interessant ist.

Moderiert wird die Veranstaltung von dem Filmemacher Franz Indra und dem Autor Stefan Preis, der nach Zeichen der Gewalt an einem neuen Buch über The Shining arbeitet.

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Hamburger Filmgespräch stellt vor: Joker

Joker (OmU)
Kanada / USA 2019 | 122 min. | Regie: Todd Phillips | mit Joaquin Phoenix, Robert De Niro, Zazie Beetz u.a.
Dienstag, 25.02.2022, 17:00
Metropolis, Kleine Theaterstr. 10 / 20354 Hamburg

Ein Straßenkünstler, der in Gotham City immer wieder gedemütigt wird, tötet im Clownskostüm drei reiche Schnösel, die ihn in der U-Bahn zusammengeschlagen haben. Als seine Maske daraufhin zur Ikone einer Revolte der sozial Abgehängten wird, durchlebt er eine beängstigende Transformation. Der durch Bildgestaltung und Soundtrack atmosphärisch packende Psychothriller interpretiert die DC-Figur des Joker, die als Gegenspieler von Batman zu den berühmtesten Superschurken des Genres zählt, als gebrochenen Antihelden, dessen Entwicklung ganz ohne fantastische Elemente mit größter Intensität fühlbar gemacht wird. Obwohl die Großstadtkulisse an das New York der 1970er Jahre erinnert, zielt das Bild einer zynischen Welt auf die unmittelbare Gegenwart. (Quelle: Kino)

Joaquin Phoenix hat für sein Spiel den Oscar als bester Hauptdarsteller gewonnen. Und der Joker feiert seinen 80. Geburtstag! Die Figur wurde 1940 entworfen, Vorbild war Conrad Veidt in Der lachende Mann (1928) nach Victor Hugo. Der Autor Stefan Preis führt in den Film ein.

Hamburger Filmgespräch: Edgar Allan Poe Abend

Mord in der Rue Morgue (Murders in the Rue Morgue) USA 1932 | 61 min. | Regie: Robert Florey | mit Bela Lugosi, Sidney Fox, Leon Ames u.a. Vorfilm: Der Verrückte, das Herz und das Auge
Deutschland 2006 | 8 min. | Regie: Annette Jung, Gregor Dashuber | mit Andreas Fröhlich, Tom Strauss
Sonntag, 19.01.2020, 17:00
Metropolis, Kleine Theaterstr. 10 / 20354 Hamburg Außergewöhnliche Geschichten (Histoires extraordinaires) Frankreich / Italien 1968 | 121 min. | Regie: Federico Fellini, Louis Malle, Roger Vadim | mit Jane Fonda, Brigitte Bardot, Alain Delon u.a. Sonntag, 19.01.2020, 19:00 Metropolis, Kleine Theaterstr. 10 / 20354 Hamburg
Edgar Allan Poe (19.01.1809 – 07.10.1849) ist sowohl Begründer der modernen Detektiv- als auch der Horrorgeschichte. Durch die Rezeption Charles Baudelaires in Europa bekannt geworden, hat kaum ein anderer Autor größeren Einfluss auf die unheimliche Literatur und später entsprechend auf den Film genommen. Wir feiern seinen 211. Geburtstag mit mehreren unterschiedlichen Interpretationsansätzen. Der Verrückte, das Herz und das Auge (2006) ist ein außergewöhnlicher Animationsfilm nach der Vorlage The Tell-Tale Heart, gesprochen von Andreas Fröhlich (Die drei ???). Bis heute ist Poes Auseinandersetzung mit dem „motivlosen Verbrechen“ sowie dem „radikal Bösen“ (Kant) für die kriminologische Forschung relevant. Murders in the Rue Morgue lässt erstmals einen deduktiv analysierenden Detektiv auftreten, zugleich beschreibt Poe Bilder von infernaler Grausamkeit. Dostojewskij zitierte mehrere Passagen in seinem Verbrechen und Strafe, Clive Barker hat eine Fortsetzung geschrieben. Robert Floreys Adaption aus dem Jahr 1932 vereint die bizarre Auflösung mit dem Caligari-Motiv und der Warnung vor totalitären Tendenzen in der Wissenschaft. In den im „Revolutionsjahr“ 1968 entstandenen Außergewöhnlichen Geschichten setzen sich gleich drei Regisseure mit der Komplexität des Poe’schen Kosmos auseinander: Vadims Metzengerstein setzt neben der Beschäftigung mit Reinkarnation deutlich erotische Aspekte. Malles William Wilson handelt vom Doppelgänger-Motiv und dessen dämonischer Dimension. Und Fellinis Toby Damned überträgt die Teufelspakt-Thematik in das New-Age-Zeitalter. Moderiert wird die Veranstaltung vom Filmemacher Franz Indra und dem Autor Stefan Preis. Im Anschluss an die erste Vorführung um 17 Uhr diskutieren wir mit dem Publikum.

Hamburger Filmgespräch stellt vor: Katzenmenschen (Cat People, OF)

Katzenmenschen (Cat People, OF)
USA 1942 | 73 min. | Regie: Jacques Tourneur | mit Simone Simon, Tom Conway, Kent Smith u.a.
Mittwoch, 18.12.2019, 19:15
Metropolis, Kleine Theaterstr. 10 / 20354 Hamburg

Katzenmenschen (Cat People, OF)
USA 1982 | 118 min. | Regie: Paul Schrader | mit Nastassja Kinski, Malcolm McDowell, John Heard u.a.
Mittwoch, 18.12 .2019, 21:00
Metropolis, Kleine Theaterstr. 10 / 20354 Hamburg

Cat People von Jacques Tourneur vereint Elemente des Horrorfilms und des film noir mit einer ambivalenten Sichtweise auf die Freudsche Psychologie. Das Motiv der Katzenfrau verkörpert verdrängte animalische weibliche Sexualität und männliche Furcht vor der Libido der Frau zugleich. 1940 wurde die Cat Woman zum Bestandteil des Comic Universums, Irena in Cat People zwei Jahre später glaubt zu den Katzenmenschen zu gehören, verfluchte Frauen, die den Liebhaber nach vollzogenen Sexualakt töten.

Tourneurs Beitrag war wegweisend. Alfred Hitchcock zitiert etwa die Zoohandlungssequenz in Die Vögel. In Clockwork Orange tötet Malcolm McDowell als Alex die Cat Lady, in der Neuverfilmung von Cat People (1981) verkörpert er selbst einen Katzenmenschen. Paul Schrader, der das Drehbuch zu Schwarzer Engel (Obsession) von Brian de Palma schrieb, drehte diesen bis heute kontrovers diskutierten Film mit Nastassja Kinski in der Rolle der Irena. Auch seine Interpretation von Cat People ist eine Studie über sexuelle Besessenheit und seltsamer Liebe.

Der Autor Stefan Preis führt in die Filme ein.

Hamburger Filmgespräch in der Reihe Original : Remake: Psycho

Psycho (OF)
USA 1960 | 109 min. | Regie: Alfred Hitchcock | mit Anthony Perkins, Janet Leigh, Vera Miles u.a.
Freitag, 13.12.2019, 19:00
Metropolis, Kleine Theaterstr. 10 / 20354 Hamburg

Psycho (OF)
UK / USA 1998 | 105 min. | Regie: Gus Van Sant | mit Vince Vaughn, Anne Heche, Julianne Moore, Viggo Mortensen, William H. Macy, Robert Forster u.a.
Freitag, 13.12.2019, 21:30
Metropolis, Kleine Theaterstr. 10 / 20354 Hamburg

Psycho (1960) markiert den Anfang einer Trilogie, in der Alfred Hitchcock sich mit der Freudschen Psychoanalyse beschäftigte. (Es folgten The Birds und Marnie). Die gleichnamige Vorlage stammt von dem Horror-Autoren Robert Bloch, der die tatsächlichen Morde und Grabschändungen Ed Geins verarbeitete. In den späten 1950er Jahren war die amerikanische Öffentlichkeit durch dessen Verbrechen schockiert und traumatisiert. Ed Gein war später auch das Vorbild für Leatherface in Blutgericht in Texas sowie für Buffalo Bill im Schweigen der Lämmer.

Hitchcocks Adaption ist ein Meilenstein sowie des Horror- als auch des Kriminalfilms und begründete das Subgenre des Psychothrillers. Die häufig zitierte Duschszene besteht aus knapp 70 Einstellungen und erforderte eine Woche Drehzeit. 1998 realisierte Gus Van Sant ein unterschätztes, äußerst sehenswertes Remake, welches Hitchcock zwar im Detail folgt, jedoch die Figur des Norman Bates stärker entsprechend der Romanvorlage darstellt.

Moderiert wird die Veranstaltung vom Filmemacher Franz Indra und dem Autor Stefan Preis. Im Anschluss an die erste Vorführung um 19 Uhr diskutieren wir mit dem Publikum.

Hamburger Filmgespräch in der Reihe Original : Remake: Tote schlafen fest (The Big Sleep, OmU) & Der tiefe Schlaf (The Big Sleep, OF)

Tote schlafen fest (The Big Sleep, OmU)
USA 1946 | 114 min. | Regie: Howard Hawks | mit Humphrey Bogart, Lauren Bacall, John Ridgely u.a.
Samstag, 30.11.2019, 19:15
Metropolis, Kleine Theaterstr. 10 / 20354 Hamburg

Der tiefe Schlaf (The Big Sleep, 35mm, OF)
UK / USA 1978 | 99 min. | Regie: Michael Winner | mit Robert Mitchum, Sarah Miles, Richard Boone u.a.
Samstag, 30.11.2019, 21:45
Metropolis, Kleine Theaterstr. 10 / 20354 Hamburg

Nach dem außergewöhnlichen Erfolg der Hemingway-Adaption To Have and Have Not inszenierte Howard Hawks mit dem gleichen Team (der spätere Literatur-Nobelpreisträger William Faulkner schrieb am Drehbuch mit) einen der größten Klassiker des Film Noirs: The Big Sleep (1946).

Die Hauptfigur Philip Marlowe ist der Prototyp des zynischen amerikanischen Privatdetektivs in einer korrupten Gesellschaft (wie Sam Spade bei Dashiell Hammett, Lew Archer bei Ross MacDonald und in der extremsten Form Mike Hammer bei Mickey Spillane). Die Dreharbeiten gestalteten sich aufgrund der komplexen Vorlage von Raymond Chandler äußerst schwierig: So konnte der Autor selbst nicht sicher sagen, ob eine Figur ermordet wurde oder Selbstmord begeht. Bei Hawks wurde Marlowe von Humphrey Bogart verkörpert, in Michael Winners gleichnamigem Remake (1978) von Robert Mitchum.

Moderiert wird die Veranstaltung vom Filmemacher Franz Indra und dem Autor Stefan Preis. Im Anschluss an die erste Vorführung um 19:15 diskutieren wir mit dem Publikum.

Hamburger Filmgespräch in der Reihe Original : Remake: 1984 (dF / OmU)

1984 (16mm)
UK 1956 | 90 min. | Regie: Michael Anderson| mit Edmond O’Brien, Michael Redgrave, Jan Sterling, Donald Pleasence u.a.
Dienstag, 26.11.2019, 19:00
Metropolis, Kleine Theaterstr. 10 / 20354 Hamburg

1984 (35mm, OmU)
UK 1984 | 113 min. | Regie: Michael Radford | mit John Hurt, Richard Burton, Suzanna Hamilton u.a.
Dienstag, 26.11.2019, 21:15
Metropolis, Kleine Theaterstr. 10 / 20354 Hamburg

In einem totalitären Staat führt der Regierungsangestellte Winston Smith Tagebuch und unterhält eine Liebesbeziehung – beides ist in der Diktatur des Großen Bruder verboten. George Orwell vereint in seinem 1949 erschienenen Roman 1984 die Ideologiekritik der Frankfurter Schule am „falschen Bewusstsein der Massen“ mit der liberalen Totalitarismuskritik aus Hayeks Weg zur Knechtschaft. Orwell, der kurz nach der Veröffentlichung verstarb, war in England massiven Anfeindungen ausgesetzt, in der Sowjetunion und der DDR wurde sein Buch verboten. Die zeitlose Kritik an der Omnipräsenz von Überwachung und staatlicher Zensur wurde mehrfach verfilmt. Während die Version von 1956 ein spannendes Dokument des Kalten Krieges ist, ist Michael Radfords Interpretation im „Orwell-Jahr“ 1984 wesentlich werkgetreuer.

Moderiert wird die Veranstaltung vom Filmemacher Franz Indra und dem Autor Stefan Preis. Im Anschluss an die erste Vorführung um 19:00 diskutieren wir mit dem Publikum.

Hamburger Filmgespräch stellt vor: Peeping Tom (OF)

Peeping Tom (OF)
UK 1959 | 101 min. | Regie: Michael Powell | mit Karlheinz Böhm, Anna Massey, Moira Shearer u.a.
Sonntag, 22.09.2019, 21:15
Metropolis, Kleine Theaterstr. 10 / 20354 Hamburg

Ein Kameramann ermordet Frauen mit einem manipulierten Kamerastativ und filmt ihren Tod. Zu seiner Entstehungszeit löste dieser außergewöhnliche Thriller einen Skandal aus, der die Karrieren des Regisseurs Michael Powell sowie des Hauptdarstellers Karlheinz Böhm schlagartig beendete. Rückblickend gesehen ist Peeping Tom ein erstaunlich moderner Film über den Zusammenhang von Schaulust, Todessehnsucht und sexueller Neurose; ein Film, der den Zuschauer in ein verwirrendes Spiegelkabinett zieht, in dem es um das Wahrnehmen und vor allem um das Wahrnehmen des Wahrnehmenden geht. Und in diese Konstellation mit einbezogen ist der Zuschauer. Vielleicht war es die offene Darstellung einer panoptischen Welt, welche die Kritik und das damalige Publikum so verschreckte und über die Michel Foucault später schreiben sollte, dass sie „Kontrolle über die kleinsten Parzellen des Lebens und des Körpers“ ausübt.

Der Autor Stefan Preis führt in den Film ein.

Hamburger Filmgespräch in der Reihe Original : Remake: Nosferatu

Nosferatu, eine Symphonie des Grauens
Deutschland 1922 | 94 min. | Regie: Friedrich Wilhelm Murnau | mit Max Schreck, Greta Schröder, Gustav von Wangenheim u.a.
Freitag, 13.09.2019, 19:00
Metropolis, Kleine Theaterstr. 10 / 20354 Hamburg

Nosferatu: Phantom der Nacht
Deutschland 1978 | 107 min. | Regie: Werner Herzog | mit Klaus Kinski, Isabelle Adjani, Bruno Ganz u.a.
Freitag, 13.09.2019, 21:15
Metropolis, Kleine Theaterstr. 10 / 20354 Hamburg

Der Nosferatu bricht ein in die Biedermeierwelt, sein Schatten eilt ihm voraus. Der aufstrebende Geschäftsmann zurrt mit seligem Einfaltslächeln Kragen und Halstuch fest. „Spukhafte Träume nähren sich von Deinem Blut.“ Die Ehefrau, in Trauer gekleidet, erwartet ihren Geliebten am Meeresstrand: welchen von beiden?

F.W. Murnau ließ am Set ein Metronom den Takt vorgeben, drehte in Low-key-Fotografie und revolutionierte die Montage. Wir präsentieren den Ur-Horrorfilm in der restaurierten Kinofassung mit der Originalmusik nach Hans Erdmann.

Moderiert wird die Veranstaltung vom Filmemacher Franz Indra und dem Autor Stefan Preis. Im Anschluss an Nosferatu, eine Symphonie des Grauens diskutieren wir auch im Hinblick auf die Buchvorlage von Bram Stoker (1897), der seine Titelfigur entsprechend der damaligen kriminologischen Forschung beschrieb.

„Zeit ist ein Abgrund, viele tausend Nächte tief!“ Auch wenn Werner Herzog den Ort der Handlung von London nach Wismar verlegt, bleibt sein Nosferatu: Phantom der Nacht stark dem viktorianischen Motiven der Romanvorlage verhaftet: Nach Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde (Robert Louis Stevenson) und Das Bildnis des Dorian Gray (Oscar Wilde) schuf Bram Stoker mit Dracula einen weiteren zeitlosen Klassiker der viktorianischen Ära, der Thesen der Kriminologie über den Zusammenbruch der Gesellschaft mit philosophischen Grundfragen über den Fluch der bzw. den Wunsch nach Unsterblichkeit und die Angst vor dem bzw. die Sehnsucht nach dem Tod verbindet. Klaus Kinski verkörpert den vielleicht traurigsten und liebesbedürftigsten Dracula der Filmgeschichte.