Hamburger Filmgespräche

Die Hamburger Filmgespräche werden von der Interfilm-Akademie in Kooperation mit dem Hamburger Kino Metropolis (Kleine Theaterstr. 10 / 20354 Hamburg, Tel. 040 / 342353) veranstaltet. Es moderieren der Filmemacher Franz Indra und der Autor Stefan Preis.

Stefan Preis und Franz Indra

Stefan Preis und Franz Indra

Hamburger Filmgespräch: Edgar Allan Poe Abend

Mord in der Rue Morgue (Murders in the Rue Morgue) USA 1932 | 61 min. | Regie: Robert Florey | mit Bela Lugosi, Sidney Fox, Leon Ames u.a. Vorfilm: Der Verrückte, das Herz und das Auge
Deutschland 2006 | 8 min. | Regie: Annette Jung, Gregor Dashuber | mit Andreas Fröhlich, Tom Strauss
Sonntag, 19.01.2020, 17:00
Metropolis, Kleine Theaterstr. 10 / 20354 Hamburg Außergewöhnliche Geschichten (Histoires extraordinaires) Frankreich / Italien 1968 | 121 min. | Regie: Federico Fellini, Louis Malle, Roger Vadim | mit Jane Fonda, Brigitte Bardot, Alain Delon u.a. Sonntag, 19.01.2020, 19:00 Metropolis, Kleine Theaterstr. 10 / 20354 Hamburg
Edgar Allan Poe (19.01.1809 – 07.10.1849) ist sowohl Begründer der modernen Detektiv- als auch der Horrorgeschichte. Durch die Rezeption Charles Baudelaires in Europa bekannt geworden, hat kaum ein anderer Autor größeren Einfluss auf die unheimliche Literatur und später entsprechend auf den Film genommen. Wir feiern seinen 211. Geburtstag mit mehreren unterschiedlichen Interpretationsansätzen. Der Verrückte, das Herz und das Auge (2006) ist ein außergewöhnlicher Animationsfilm nach der Vorlage The Tell-Tale Heart, gesprochen von Andreas Fröhlich (Die drei ???). Bis heute ist Poes Auseinandersetzung mit dem „motivlosen Verbrechen“ sowie dem „radikal Bösen“ (Kant) für die kriminologische Forschung relevant. Murders in the Rue Morgue lässt erstmals einen deduktiv analysierenden Detektiv auftreten, zugleich beschreibt Poe Bilder von infernaler Grausamkeit. Dostojewskij zitierte mehrere Passagen in seinem Verbrechen und Strafe, Clive Barker hat eine Fortsetzung geschrieben. Robert Floreys Adaption aus dem Jahr 1932 vereint die bizarre Auflösung mit dem Caligari-Motiv und der Warnung vor totalitären Tendenzen in der Wissenschaft. In den im „Revolutionsjahr“ 1968 entstandenen Außergewöhnlichen Geschichten setzen sich gleich drei Regisseure mit der Komplexität des Poe’schen Kosmos auseinander: Vadims Metzengerstein setzt neben der Beschäftigung mit Reinkarnation deutlich erotische Aspekte. Malles William Wilson handelt vom Doppelgänger-Motiv und dessen dämonischer Dimension. Und Fellinis Toby Damned überträgt die Teufelspakt-Thematik in das New-Age-Zeitalter. Moderiert wird die Veranstaltung vom Filmemacher Franz Indra und dem Autor Stefan Preis. Im Anschluss an die erste Vorführung um 17 Uhr diskutieren wir mit dem Publikum.

Hamburger Filmgespräch stellt vor: Katzenmenschen (Cat People, OF)

Katzenmenschen (Cat People, OF)
USA 1942 | 73 min. | Regie: Jacques Tourneur | mit Simone Simon, Tom Conway, Kent Smith u.a.
Mittwoch, 18.12.2019, 19:15
Metropolis, Kleine Theaterstr. 10 / 20354 Hamburg

Katzenmenschen (Cat People, OF)
USA 1982 | 118 min. | Regie: Paul Schrader | mit Nastassja Kinski, Malcolm McDowell, John Heard u.a.
Mittwoch, 18.12 .2019, 21:00
Metropolis, Kleine Theaterstr. 10 / 20354 Hamburg

Cat People von Jacques Tourneur vereint Elemente des Horrorfilms und des film noir mit einer ambivalenten Sichtweise auf die Freudsche Psychologie. Das Motiv der Katzenfrau verkörpert verdrängte animalische weibliche Sexualität und männliche Furcht vor der Libido der Frau zugleich. 1940 wurde die Cat Woman zum Bestandteil des Comic Universums, Irena in Cat People zwei Jahre später glaubt zu den Katzenmenschen zu gehören, verfluchte Frauen, die den Liebhaber nach vollzogenen Sexualakt töten.

Tourneurs Beitrag war wegweisend. Alfred Hitchcock zitiert etwa die Zoohandlungssequenz in Die Vögel. In Clockwork Orange tötet Malcolm McDowell als Alex die Cat Lady, in der Neuverfilmung von Cat People (1981) verkörpert er selbst einen Katzenmenschen. Paul Schrader, der das Drehbuch zu Schwarzer Engel (Obsession) von Brian de Palma schrieb, drehte diesen bis heute kontrovers diskutierten Film mit Nastassja Kinski in der Rolle der Irena. Auch seine Interpretation von Cat People ist eine Studie über sexuelle Besessenheit und seltsamer Liebe.

Der Autor Stefan Preis führt in die Filme ein.

Hamburger Filmgespräch in der Reihe Original : Remake: Psycho

Psycho (OF)
USA 1960 | 109 min. | Regie: Alfred Hitchcock | mit Anthony Perkins, Janet Leigh, Vera Miles u.a.
Freitag, 13.12.2019, 19:00
Metropolis, Kleine Theaterstr. 10 / 20354 Hamburg

Psycho (OF)
UK / USA 1998 | 105 min. | Regie: Gus Van Sant | mit Vince Vaughn, Anne Heche, Julianne Moore, Viggo Mortensen, William H. Macy, Robert Forster u.a.
Freitag, 13.12.2019, 21:30
Metropolis, Kleine Theaterstr. 10 / 20354 Hamburg

Psycho (1960) markiert den Anfang einer Trilogie, in der Alfred Hitchcock sich mit der Freudschen Psychoanalyse beschäftigte. (Es folgten The Birds und Marnie). Die gleichnamige Vorlage stammt von dem Horror-Autoren Robert Bloch, der die tatsächlichen Morde und Grabschändungen Ed Geins verarbeitete. In den späten 1950er Jahren war die amerikanische Öffentlichkeit durch dessen Verbrechen schockiert und traumatisiert. Ed Gein war später auch das Vorbild für Leatherface in Blutgericht in Texas sowie für Buffalo Bill im Schweigen der Lämmer.

Hitchcocks Adaption ist ein Meilenstein sowie des Horror- als auch des Kriminalfilms und begründete das Subgenre des Psychothrillers. Die häufig zitierte Duschszene besteht aus knapp 70 Einstellungen und erforderte eine Woche Drehzeit. 1998 realisierte Gus Van Sant ein unterschätztes, äußerst sehenswertes Remake, welches Hitchcock zwar im Detail folgt, jedoch die Figur des Norman Bates stärker entsprechend der Romanvorlage darstellt.

Moderiert wird die Veranstaltung vom Filmemacher Franz Indra und dem Autor Stefan Preis. Im Anschluss an die erste Vorführung um 19 Uhr diskutieren wir mit dem Publikum.

Hamburger Filmgespräch in der Reihe Original : Remake: Tote schlafen fest (The Big Sleep, OmU) & Der tiefe Schlaf (The Big Sleep, OF)

Tote schlafen fest (The Big Sleep, OmU)
USA 1946 | 114 min. | Regie: Howard Hawks | mit Humphrey Bogart, Lauren Bacall, John Ridgely u.a.
Samstag, 30.11.2019, 19:15
Metropolis, Kleine Theaterstr. 10 / 20354 Hamburg

Der tiefe Schlaf (The Big Sleep, 35mm, OF)
UK / USA 1978 | 99 min. | Regie: Michael Winner | mit Robert Mitchum, Sarah Miles, Richard Boone u.a.
Samstag, 30.11.2019, 21:45
Metropolis, Kleine Theaterstr. 10 / 20354 Hamburg

Nach dem außergewöhnlichen Erfolg der Hemingway-Adaption To Have and Have Not inszenierte Howard Hawks mit dem gleichen Team (der spätere Literatur-Nobelpreisträger William Faulkner schrieb am Drehbuch mit) einen der größten Klassiker des Film Noirs: The Big Sleep (1946).

Die Hauptfigur Philip Marlowe ist der Prototyp des zynischen amerikanischen Privatdetektivs in einer korrupten Gesellschaft (wie Sam Spade bei Dashiell Hammett, Lew Archer bei Ross MacDonald und in der extremsten Form Mike Hammer bei Mickey Spillane). Die Dreharbeiten gestalteten sich aufgrund der komplexen Vorlage von Raymond Chandler äußerst schwierig: So konnte der Autor selbst nicht sicher sagen, ob eine Figur ermordet wurde oder Selbstmord begeht. Bei Hawks wurde Marlowe von Humphrey Bogart verkörpert, in Michael Winners gleichnamigem Remake (1978) von Robert Mitchum.

Moderiert wird die Veranstaltung vom Filmemacher Franz Indra und dem Autor Stefan Preis. Im Anschluss an die erste Vorführung um 19:15 diskutieren wir mit dem Publikum.

Hamburger Filmgespräch in der Reihe Original : Remake: 1984 (dF / OmU)

1984 (16mm)
UK 1956 | 90 min. | Regie: Michael Anderson| mit Edmond O’Brien, Michael Redgrave, Jan Sterling, Donald Pleasence u.a.
Dienstag, 26.11.2019, 19:00
Metropolis, Kleine Theaterstr. 10 / 20354 Hamburg

1984 (35mm, OmU)
UK 1984 | 113 min. | Regie: Michael Radford | mit John Hurt, Richard Burton, Suzanna Hamilton u.a.
Dienstag, 26.11.2019, 21:15
Metropolis, Kleine Theaterstr. 10 / 20354 Hamburg

In einem totalitären Staat führt der Regierungsangestellte Winston Smith Tagebuch und unterhält eine Liebesbeziehung – beides ist in der Diktatur des Großen Bruder verboten. George Orwell vereint in seinem 1949 erschienenen Roman 1984 die Ideologiekritik der Frankfurter Schule am „falschen Bewusstsein der Massen“ mit der liberalen Totalitarismuskritik aus Hayeks Weg zur Knechtschaft. Orwell, der kurz nach der Veröffentlichung verstarb, war in England massiven Anfeindungen ausgesetzt, in der Sowjetunion und der DDR wurde sein Buch verboten. Die zeitlose Kritik an der Omnipräsenz von Überwachung und staatlicher Zensur wurde mehrfach verfilmt. Während die Version von 1956 ein spannendes Dokument des Kalten Krieges ist, ist Michael Radfords Interpretation im „Orwell-Jahr“ 1984 wesentlich werkgetreuer.

Moderiert wird die Veranstaltung vom Filmemacher Franz Indra und dem Autor Stefan Preis. Im Anschluss an die erste Vorführung um 19:00 diskutieren wir mit dem Publikum.

Hamburger Filmgespräch stellt vor: Peeping Tom (OF)

Peeping Tom (OF)
UK 1959 | 101 min. | Regie: Michael Powell | mit Karlheinz Böhm, Anna Massey, Moira Shearer u.a.
Sonntag, 22.09.2019, 21:15
Metropolis, Kleine Theaterstr. 10 / 20354 Hamburg

Ein Kameramann ermordet Frauen mit einem manipulierten Kamerastativ und filmt ihren Tod. Zu seiner Entstehungszeit löste dieser außergewöhnliche Thriller einen Skandal aus, der die Karrieren des Regisseurs Michael Powell sowie des Hauptdarstellers Karlheinz Böhm schlagartig beendete. Rückblickend gesehen ist Peeping Tom ein erstaunlich moderner Film über den Zusammenhang von Schaulust, Todessehnsucht und sexueller Neurose; ein Film, der den Zuschauer in ein verwirrendes Spiegelkabinett zieht, in dem es um das Wahrnehmen und vor allem um das Wahrnehmen des Wahrnehmenden geht. Und in diese Konstellation mit einbezogen ist der Zuschauer. Vielleicht war es die offene Darstellung einer panoptischen Welt, welche die Kritik und das damalige Publikum so verschreckte und über die Michel Foucault später schreiben sollte, dass sie „Kontrolle über die kleinsten Parzellen des Lebens und des Körpers“ ausübt.

Der Autor Stefan Preis führt in den Film ein.

Hamburger Filmgespräch in der Reihe Original : Remake: Nosferatu

Nosferatu, eine Symphonie des Grauens
Deutschland 1922 | 94 min. | Regie: Friedrich Wilhelm Murnau | mit Max Schreck, Greta Schröder, Gustav von Wangenheim u.a.
Freitag, 13.09.2019, 19:00
Metropolis, Kleine Theaterstr. 10 / 20354 Hamburg

Nosferatu: Phantom der Nacht
Deutschland 1978 | 107 min. | Regie: Werner Herzog | mit Klaus Kinski, Isabelle Adjani, Bruno Ganz u.a.
Freitag, 13.09.2019, 21:15
Metropolis, Kleine Theaterstr. 10 / 20354 Hamburg

Der Nosferatu bricht ein in die Biedermeierwelt, sein Schatten eilt ihm voraus. Der aufstrebende Geschäftsmann zurrt mit seligem Einfaltslächeln Kragen und Halstuch fest. „Spukhafte Träume nähren sich von Deinem Blut.“ Die Ehefrau, in Trauer gekleidet, erwartet ihren Geliebten am Meeresstrand: welchen von beiden?

F.W. Murnau ließ am Set ein Metronom den Takt vorgeben, drehte in Low-key-Fotografie und revolutionierte die Montage. Wir präsentieren den Ur-Horrorfilm in der restaurierten Kinofassung mit der Originalmusik nach Hans Erdmann.

Moderiert wird die Veranstaltung vom Filmemacher Franz Indra und dem Autor Stefan Preis. Im Anschluss an Nosferatu, eine Symphonie des Grauens diskutieren wir auch im Hinblick auf die Buchvorlage von Bram Stoker (1897), der seine Titelfigur entsprechend der damaligen kriminologischen Forschung beschrieb.

„Zeit ist ein Abgrund, viele tausend Nächte tief!“ Auch wenn Werner Herzog den Ort der Handlung von London nach Wismar verlegt, bleibt sein Nosferatu: Phantom der Nacht stark dem viktorianischen Motiven der Romanvorlage verhaftet: Nach Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde (Robert Louis Stevenson) und Das Bildnis des Dorian Gray (Oscar Wilde) schuf Bram Stoker mit Dracula einen weiteren zeitlosen Klassiker der viktorianischen Ära, der Thesen der Kriminologie über den Zusammenbruch der Gesellschaft mit philosophischen Grundfragen über den Fluch der bzw. den Wunsch nach Unsterblichkeit und die Angst vor dem bzw. die Sehnsucht nach dem Tod verbindet. Klaus Kinski verkörpert den vielleicht traurigsten und liebesbedürftigsten Dracula der Filmgeschichte.

Hamburger Filmgespräch in der Reihe Original : Remake: Spurlos verschwunden (Spoorloos) & Spurlos (The Vanishing)

Spurlos verschwunden (Spoorloos, OmeU)
Niederlande / Frankreich / BRD 1988 | 107 min. | Regie: George Sluizer | mit Bernard-Pierre Donnadieu, Gene Bervoets, Johanna ter Steege u.a.
Donnerstag, 08.08.2019, 19:00
Metropolis, Kleine Theaterstr. 10 / 20354 Hamburg

Spurlos (The Vanishing, 35mm, dF)
USA 1992 | 109 min. | Regie: George Sluizer | mit Jeff Bridges, Kiefer Sutherland, Nancy Travis u.a.
Donnerstag, 08.08.2019, 21:15
Metropolis, Kleine Theaterstr. 10 / 20354 Hamburg

Das Hamburger Kino Metropolis zeigt in seiner Reihe Original : Remake den holländischen Thriller Spurlos verschwunden (Spoorloos) nach dem Roman Das goldene Ei von Tim Krabbé und das US-Remake Spurlos (The Vanishing), das der Regisseur George Sluizer selbst einige Jahre später gedreht hat. Nach dem unerklärlichen Verschwinden seiner Freundin macht es sich Rex Hofman zur Lebenaufgabe herauszufinden, was mit ihr passiert ist. Jahre später kontaktiert ihn ein Fremder und behauptet, der Entführer zu sein.

Sluizer sagt, sein sehr elliptisch erzählter Film handle von der „Banalität des Großartigen, und dem Großartigen der Banalität“. Fast völlig auf düsteren, banalen Schauplätzen gefilmt zwingt Spoorloos den Zuschauer in die Psyche der Figuren.

Der Filmemacher Franz Indra führt in den Film ein, dessen Thematik spurlos verschwundener Personen auch zur Kriminologischen Filmreihe passt.

Hamburger Filmgespräch: Chinatown (OF)

USA 1974 | 130 min. | Regie: Roman Polanski | mit Jack Nicholson, Faye Dunaway, John Huston u.a.
Mittwoch, 31.07.2019, 19:30
Metropolis, Kleine Theaterstr. 10 / 20354 Hamburg

Als der Privatdetektiv Jake Gittes (Jack Nicholson) im Auftrag einer Dame aus der feinen Gesellschaft (Faye Dunaway) ihrem Ehemann hinterher schnüffelt, stolpert er in politische und familiäre Intrigen rund um den mächtigen Noah Cross (John Huston). Regisseur Roman Polanski inszenierte Robert Townes komplexes Drehbuch als Oscar-prämierten, modernen film noir im Los Angeles der 30er Jahre.

Nicht nur die Szene mit der Nase bleibt in Erinnerung. Früher oder später sehen Polanskis Helden mit weit aufgerissenen Augen das Unfaßbare. Wie hieß Gittes‘ früheres Motto als Polizist in Chinatown? „Just don’t do a goddamned thing.“

Moderiert wird die Veranstaltung vom Filmemacher Franz Indra und dem Autor Stefan Preis.

Hamburger Filmgespräch meets Bizarre Cinema: Carrie (OF) & The Rage: Carrie 2 (OF)

Carrie (OF)
USA 1976 | 98 min. | Regie: Brian De Palma | mit Sissy Spacek, Piper Laurie, John Travolta u.a.
Samstag, 13.07.2019, 19:30
Metropolis, Kleine Theaterstr. 10 / 20354 Hamburg

The Rage: Carrie 2 (OF)
USA 1999 | 104 min. | Regie: Katt Shea, Robert Mandel | mit Emily Bergl, Jason London, Dylan Bruno u.a.
Samstag, 13.07.2019, 21:45
Metropolis, Kleine Theaterstr. 10 / 20354 Hamburg

Von all seinen cineastischen Märchen über das Geheimnis des weiblichen Körpers und die ungeheure Macht der Fantasie ist Carrie De Palmas blutigstes und zugleich zartestes Werk. Untermalt vom kongenialen Score Pino Donaggios, erzählt der Film die Geschichte des telekinetisch begabten Mädchens Carrie White, dessen erste Monatsblutung unter der Schuldusche zu Hänseleien ihrer Mitschüler und zur Züchtigung durch ihre fanatisch religiöse Mutter führt. Was in anderen Filmen über Freud und Leid der Jugendzeit komödiantisch oder sozialpädagogisch unter den Teppich gekehrt wird, drängt in diesem visuell atemberaubenden Adoleszenzschocker unaufhaltsam an die Oberfläche: Scham, Lust, Einsamkeit, Blut, Sadismus und der schöne Wahn, im eigenen Untergang die ganze Welt gleich mit auszulöschen.

The Rage: Carrie 2 kann man sowohl als Fortsetzung als auch als Remake von Brian De Palmas Horror-Klassiker betrachten. Die Story ist im Prinzip dieselbe. Eine Außenseiterin wird von Mitschülern gequält, bis diese sich in einem Blutrausch rächt. Der erste Teil wird oftmals aufgegriffen und mit Amy Irving (Sue aus dem Original) hat sogar eine Überlebende des ersten Teils ein paar Auftritte. (Quelle: Kino)

Stephen Kings erster veröffentlichter Roman ist ein Meilenstein der amerikanischen Horrorliteratur. (Seine Frau konnte glücklicherweise das Manuskript retten, nachdem es schon im Papierkorb gelandet war.) Der ehemalige Lehrer beschreibt – damals wie heute aktuell – religiösen Fanatismus, Konformitätsdruck, der jeden ausschließt, der nur ein wenig anders ist als die Anderen, Bullying und Gewalt an Schulen. Brian De Palma gelang 1976 eine werkgetreue Umsetzung sowie eine unvergessliche Hommage an sein Vorbild Alfred Hitchcock (die Ereignisse spielen an der Bates High School) und die Walt-Disney-Märchenverfilmungen in unvergesslichen, apokalyptischen Bildern. 1999 folgte eine als Sequel gestaltete Neuinterpretation von Katt Shea (die Halbschwester von Carrie nimmt nach dem Suizid ihrer besten Freundin Rache an deren und ihren Peinigern), welches wir im Anschluss zeigen.