Interfilm-Akademie News

Kritische Theorie des Naturzustandes

1753 stellte die Akademie von Dijon die Preisfrage nach dem Ursprung der Ungleichheit unter den Menschen und ob dieser durch natürliche Gesetze gerechtfertigt werden könne. Jean-Jacques Rousseau, der bereits drei Jahre zuvor für seinen ersten Diskurs von derselben Akademie eine Auszeichnung erhielt, verfasste daraufhin seine Abhandlung über den Ursprung und die Grundlagen der Ungleichheit unter den Menschen, welche auch häufig als „zweiter Diskurs“ bezeichnet wird.

Gautinger Filmgespräch: Über alle Horizonte

Über alle Horizonte
Deutschland / Japan / Südafrika 2019 | 70 Min. | Regie: Stefanie Landgraf und Johannes Gulde
Donnerstag, 24.09.2020 19:30
Kino Breitwand Gauting, Bahnhofsplatz 2 / 82131 Gauting

Im 17. Jahrhundert hinterfragte der spanische Dichter Pedro Calderón de la Barca in seinem „Gran teatro del mundo“ das Verhältnis der Menschen zur Schöpfung. Sein Werk inspirierte 400 Jahre später die spanische Komponistin Nelida Bejar und den Münchner Theaterregisseur Björn Potulski zu einem neuen Musiktheater.Über neun Monate begleiten die Filmautoren Landgraf & Gulde die Proben für das moderne Musiktheater „This New Ocean“, gespielt von einem Laienensemble mit Piloten, Flugbegleiterinnen und Bodenpersonal von Airlines aus drei Kontinenten: Asien, Afrika und Europa. Sie sind es, die in ihrem Berufsalltag für das „Grenzüberschreitende“ in einer globalen Welt stehen.

Was sie sich sehnlichst wünschen ist eine Weltkultur der Menschlichkeit und Solidarität.

Einführung & Moderation: Pfarrer Eckart Bruchner, Interfilm-Akademie.

One-Future-Preis 2020 an „The Great Green Wall“

Die Menschen unseres Jahrhunderts haben eine einzige unteilbare Zukunft – One Future. In diesem Sinne zeichnet der One-Future-Preis jedes Jahr einen Film aus dem Programm des Filmfests München aus, der diesen Gedanken in ethisch wie filmästhetisch überzeugender Weise umsetzt. Da das Filmfest München 2020 wegen Corona leider ausfallen musste, hat die Interfilm-Akademie im Rahmen des 14. Fünf-Seen-Filmfestivals am 6. September 2020 zum 35. Mal Auszeichnungen vergeben.

Preisträger

Der One-Future-Preis 2020 geht an den Film The Great Green Wall (UK 2020) von Jared P. Scott.

Begründung:

Wasser ist Leben. Wasser ist Zukunft.
Das nunmehr seit 15 Jahren laufende Projekt „The Great Green Wall“ ist eines der engagiertesten Projekte unserer Zeit. Quer über den afrikanischen Kontinent wird ein 8.000 km langer Baumgürtel gepflanzt. Dieser soll die Ausbreitung der Wüste verhindern und so den Wasserbestand erhalten und fördern. Das sichert Millionen Menschen Nahrung, Arbeitsplätze und damit Zukunft.
Im Film begleiten wir die malische Sängerin Inna Modja auf einer Reise entlang der „Grünen Mauer“ durch Senegal, Mali, Nigeria und Äthiopien und erfahren von den Ängsten, Träumen und Hoffnungen der Menschen, mit denen sie auf dieser Reise in Kontakt kommt. Dabei setzt die Sängerin vor allem auf die Sprache, die schon immer die afrikanische Kultur bestimmt hat: die Musik.
Der Dokumentarfilm ist einer der wenigen aktuellen Filme, die wirklich Mut machen und dies in Anbetracht der immer noch vorherrschenden Umstände: Wasserknappheit, Dürre und in Folge Bürgerkriege und Flüchtlingsströme.
The Great Green Wall zeigt, wie Menschen in Afrika diese Probleme anpacken und hilft uns zugleich, deren globale Bedeutung für eine gemeinsame Zukunft zu verstehen: One Future.

Lobende Erwähnung

Eine Lobende Erwähnung geht an den Film Corpus Christi (Polen 2019) von Jan Komasa.

Begründung:

Corpus Christi – ein Film, der einen zerreißt. Nicht nur durch seine Bilder, sondern auch durch das Ringen in der Auseinandersetzung um Macht, Schuld und Vergebung.
Was wie ein Thriller aufgebaut ist, erweist sich als Predigt. Was scheinbar allein der polnischen Realität zuzuordnen ist, mit dem allgegenwärtigen Einfluss der Kirche und den dadurch entstehenden gesellschaftlichen Konflikten, zeigt sich am Ende als allgemeingültig.
Es findet sich zusammen: Eine Dorfgemeinschaft, die seit langem unter einer geheim gehaltenen Schuld leidet und ein junger Mann, Daniel, der Priester werden möchte und es auf Grund einer kriminellen Vergangenheit nicht sein darf. Durch Ironie des Schicksals hat Daniel vorübergehend die Gelegenheit, sich als Priester auszuprobieren. Die Dorfgemeinschaft findet durch das „priesterliche Wirken“ Daniels ihren Frieden und der junge Mann seine Erfüllung, bis dann das Schicksal erneut die Karten mischt.
Was wir mitnehmen ist die Erkenntnis Daniels:

Vergeben heißt Lieben,
Lieben aber bedeutet Zukunft.

Eckart Bruchner, Vorsitzender der Jury, mit Ehrenpreisträger Matthias Hellwig

Ehrenpreis

Die Interfilm-Akademie vergab den One-Future-Ehrenpreis 2020 an den Initiator des Internationalen Fünf Seen Filmfestivals und erfolgreichen Kinobetreiber Matthias Helwig für seinen unermüdlichen Einsatz für das Filmwesen gerade auch in schwierigen Zeiten wie Corona.

Pressespiegel zum Fünf-Seen-Filmfestival 2020

Klaus Doldinger bei der Eröffnungsfeier

Wüste, Wasser, Wind (Süddeutsche Zeitung vom Mittwoch, 26.08.2020)

Das Glück an seiner Seite (Süddeutsche Zeitung vom Donnerstag, 27.08.2020)

Hüter der Eintagsfliegen (Süddeutsche Zeitung vom Montag, 27.08.2020)

Himmlisch (Süddeutsche Zeitung vom Freitag, 28.08.2020)
-> mehr Infos zu „Das neue Evangelium“ (pdf)

Zerbrechliches Glück (Süddeutsche Zeitung vom Montag, 07.09.2020)

Filmfestival: Der große Abend der Preise (Münchner Merkur vom Montag, 07.09.2020)

Hamburger Filmgespräch: Im Schatten des Zweifels (Shadow of a Doubt, OF)

Im Schatten des Zweifels (Shadow of a Doubt, OF)
USA 1943 | 108 min. | Regie: Alfred Hitchcock | mit Teresa Wright, Joseph Cotten, Macdonald Carey u.a.
Mittwoch, 09.09.2020, 19:30
Metropolis, Kleine Theaterstr. 10 / 20354 Hamburg

Als 25. Filmgespräch in der Kriminologischen Filmreihe zeigen wir ein Juwel des amerikanischen Film-Noir-Thrillers vom Master of Suspense: Die junge Charlie wird von dem Verdacht gequält, ihr Onkel, der den gleichen Vornamen trägt, habe mehrere Frauen ermordet.

Immer wieder hat Alfred Hitchcock das Phänomen des Serienmordes aufgegriffen, zuerst in The Lodger (1927), der von Jack the Ripper handelt, und später in Psycho und Frenzy, wobei er sich immer auch an authentischen Kriminalfällen orientierte. Die Darstellung des „Widow Murderers“ und die bizarre calvinistische Rechtfertigung des Täters nehmen nicht nur die Figur des Harry Powell aus The Night of the Hunter vorweg, sondern beschreiben auch die Charakteristika des missionsorientierten Serienmörders, lange bevor dies in der kriminologischen Forschung klassifiziert wurde. Auch in anderer Hinsicht ist Hitchcock seiner Zeit weit voraus: die Aussage „No one takes my Photograph“ erscheint heute als Protest gegen soziale Netzwerke, die ein Ende der Privatsphäre propagieren.

Moderiert wird die Veranstaltung von dem Filmemacher Franz Indra und dem Autor Stefan Preis.

Aufgrund der aktuellen Abstandsregelung sind die Plätze begrenzt, es gibt nur noch Platzkarten. -> Tickets