Interfilm Academy News

Kritische Ideengeschichte in Clive Barkers Frühwerk – Michel Foucault zum 100. Geburtstag

Zu Michel Foucaults 100. Geburtstag am 15. Oktober 2026 hat Stefan Preis einen Essay exklusiv für die Interfilm-Akademie verfasst! Er analysiert aus soziologischer Sicht den Einfluss von Foucaults Ideen und Theorien auf Clive Barkers Werk.

Michel Foucaults Werk enthält eine umfangreiche Kritik an sich immer fort reproduzierenden Machtverhältnissen in arbeitsteiligen Gesellschaften, deren Mitglieder sich selbst disziplinieren. Foucault skizzierte, zunächst in deutlicher Anlehnung an die marxistische Analyse der ursprünglichen Akkumulation, eine „Horror- und Wahnsinnsgeschichte der »Arbeit« noch tiefgehender“ als Marx: die arbeitenden Menschen unterwerfen sich „einer fremdbestimmten, jenseits der eigenen Bedürfnisse und außerhalb der eigenen Kontrolle liegenden Tätigkeit.“

Vor allem in seinen frühen Werken thematisiert Clive Barker – neben Thomas Ligotti der vielleicht bedeutendste Horror-Autor der Gegenwart – die Verschränkung von souveräner und Disziplinarmacht: die Auseinandersetzung mit seinen Texten und Filmen bietet die Möglichkeit einer foucaultschen Analyse der Macht und ihrer Techniken, der sich die Gesellschaftsmitglieder mehr oder weniger freiwillig unterwerfen.

Filmgespräch auf der Leinwand

Beim Lovecrafter Online ist ein Artikel von Stefan Preis und Franz Indra über das Hamburger Filmgespräch zu Deliverance vom 5. September erschienen. Er greift die Diskussion auf und vertieft sie weiter.

Während die Protagonisten zunächst noch Vergnügen aus dem Nervenkitzel der Fahrt durch Stromschnellen und der Jagd mit Pfeil und Bogen ziehen, werden die Begegnungen mit den in Abgeschiedenheit lebenden Einheimischen immer feindseliger. Schließlich münden sie in Quälereien, Vergewaltigung und Totschlag. Auf der Flucht verletzt sich der tonangebende Lewis schwer und fällt fortan als selbsternannter Anführer aus. Drew ertrinkt im Fluss – es bleibt unklar, ob zuvor auf ihn geschossen wurde. So kann es sein, dass am Ende die vier Städter die einzigen sind, die getötet haben.

Deliverance entwarf die Urformel für unzählige „Hillbilly“-Horrorfilme, weist aber weit darüber hinaus. Die „zivilisierten“ Menschen bilden selbst eine Gruppe voller Dynamik und Konflikte, die „Hinterwäldler“ erscheinen mehr als Rache der verachteten und verunstalteten Natur.

Dazu gibt es ein paar Fotos der Veranstaltung mit dem online auf die Kinoleinwand zugeschalteten Stefan! -> zum ganzen Artikel

Ebenfalls für den Lovecrafter Online hat Stefan den Essay über die literarischen Einflüsse von de Sade, Edgar Allan Poe, und Prosper Mérimée auf A Nightmare on Elm Street 3: Dream Warriors geschrieben.

Und beim Fluxkompensator ist heute Stefans Kritik zum Buch „Ork – ein kulturgeschichtlicher Streifzug“ von Jan Niklas Hochfeldt erschienen.

Dabei skizziert Hochfeldt eine Geschichte der Orks vor, bei und nach ihrem „Erfinder“ J. R. R. Tolkien, der sich bei deren Konzeption an seinem Wissen als Mediävist orientierte und dessen Wirken auch zentral für die Studie ist. Historisch geht das Konzept eines guten Helden, der unzählige Orks tötet und dabei moralisch integer bleibt, auf die bis heute gängige Praxis zurück, dem Kriegsgegner die Menschlichkeit abzusprechen.

Zwischenzeitlich haben sich die Orks „von der gesichtslosen, anonymen Masse hin zu Protagonisten entwickelt“. In der hochtechnologisierten Cyberpunk-Welt des Pen-and-Paper-Systems Shadowrun erscheinen Orks als marginalisierte Wesen, auf denen die selbst in einer Zwei-Klassen-Gesellschaft lebenden Menschen mit Verachtung sehen – die Orks erschaffen daraufhin ihre „eigenen Refugien“ wie eigene Städte.

29.10. Gautinger Filmgespräch: Our Girls

Niederlande / Österreich / Belgien 2025 | 103 min. | Regie: Mike van Diem | mit Thekla Reuten, Fedja van Huêt, Noortje Herlaar, Valentijn Dhaenens u.a.
Donnerstag, 29.10.2026 19:45
Kino Breitwand Gauting, Bahnhofsplatz 2 / 82131 Gauting

Ein Haus in den Bergen, wie es sich jeder erträumt, an einem Steilhang gelegen, mit weitem Ausblick, mit moderner Ausstattung. Seit Jahren teilen sich zwei Paare dieses perfekte Ferienhaus und genießen jeden Sommer die Gesellschaft des anderen – eine Freundschaft aus Bequemlichkeit, die sich im Laufe der Jahre zu einer angenehmen Routine entwickelt hat. Inzwischen sind die Töchter zu Teenagern geworden und wollen mit einem Jungen einen Ausflug mit dessen Krad unternehmen. Es kommt zu einem schrecklichen Unfall. Eines liegt im Koma ― und das andere könnte durch eine Transplantation gerettet werden. Ein Gewissenskonflikt, der die schon vorhandenen Differenzen der Paare vollends ausbrechen lässt. (Quelle: Kino)

Einführung und Moderation: Filmpfarrer Eckart Bruchner

24.09. Gautinger Filmgespräch: Adams Acht

Deutschland / Slowakei 2026 | 124 min. | Regie: Hannu Salonen | mit Oliver Masucci, Axel Milberg, Heino Ferch u.a.
Donnerstag, 24.09.2026 19:30
Kino Breitwand Gauting, Bahnhofsplatz 2 / 82131 Gauting

Karl Adam hat sich nach dem 2. Weltkrieg auf eine Lehrerstelle in Ratzeburg, einer Kleinstadt an der Grenze zur DDR, zurückgezogen. Er hat Boxer ausgebildet, aber in Ratzeburg gibt es nur einen See. So kommt er auf die Idee, Jungen das Rudern beizubringen. Mit unkonventionellen Methoden trainiert er in einer Zeit des Kalten Krieges und der sich schließenden Grenzen den Ruder-Achter und führt die jungen Männer zu ersten Erfolgen. Dann geht es zur deutschen Meisterschaft – und vielleicht zu den Olympischen Spielen 1960. Aber das wäre ein Wunder! (Quelle: Kino)

Einführung und Moderation: Filmpfarrer Eckart Bruchner

Quo Vadis, Filmförderung?

Wie fördern wir Filme, Talente und kreative Vielfalt in Zukunft?
Eine Kooperation von DDV und BVR

Die deutsche Filmwirtschaft hat zwei Jahre Krise hinter sich, wie nicht zuletzt die Umfrage „Survive 2025 – Fix 2026“ des Regieverbands BVR belegt. Die Novellierung des Filmförderungsgesetzes für 2025 konnte erst auf den letzten Drücker auf den Weg gebracht werden, was monatelange Verzögerungen für aktuelle Produktionen zur Folge hatte. Gleichzeitig plant der Hamburger Senat, die 2025 eingeführte Etaterhöhung für die Filmförderung zu verstetigen, und die MOIN Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein hat mit NEST die Entwicklungsförderung neu strukturiert.

Was bedeutet das alles für Regisseur*innen und Drehbuchautor*innen?

Zeit: Montag, 28.09.2026 16-17 Uhr
Ort: Seminarraum der Fabrique im Gängeviertel, Valentinskamp 34a, 20355 Hamburg

Auf dem Panel:

  • Helge Albers, Geschäftsführer der MOIN Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein
  • Franz Indra (BVR)
  • Gerrit Hermanns (DDV)
  • Jana Forkel (DDV)
  • Moderation: Anja Badeck (BVR)

Die Veranstaltung ist eine offenes Sonderformat der monatlichen Regietreffen des BVR und findet auf Einladung des DDV im Rahmen der Screenwriter’s Lounge statt. Es ist keine Akkreditierung für das Filmfest erforderlich. Im Anschluss findet bis 19 Uhr ein Get-Together in lockerer Atmosphäre statt.

Bei Filme, Serien und Stars ist soeben Stefan Preis‘ Essay Edgar Allan Poes Maelstrom in „A Nightmare on Elm Street“ (1984) erschienen.