Interfilm Academy News
29.10. Gautinger Filmgespräch: Our Girls
Niederlande / Österreich / Belgien 2025 | 103 min. | Regie: Mike van Diem | mit Thekla Reuten, Fedja van Huêt, Noortje Herlaar, Valentijn Dhaenens u.a.
Donnerstag, 29.10.2026 19:45
Kino Breitwand Gauting, Bahnhofsplatz 2 / 82131 Gauting
Ein Haus in den Bergen, wie es sich jeder erträumt, an einem Steilhang gelegen, mit weitem Ausblick, mit moderner Ausstattung. Seit Jahren teilen sich zwei Paare dieses perfekte Ferienhaus und genießen jeden Sommer die Gesellschaft des anderen – eine Freundschaft aus Bequemlichkeit, die sich im Laufe der Jahre zu einer angenehmen Routine entwickelt hat. Inzwischen sind die Töchter zu Teenagern geworden und wollen mit einem Jungen einen Ausflug mit dessen Krad unternehmen. Es kommt zu einem schrecklichen Unfall. Eines liegt im Koma ― und das andere könnte durch eine Transplantation gerettet werden. Ein Gewissenskonflikt, der die schon vorhandenen Differenzen der Paare vollends ausbrechen lässt. (Quelle: Kino)
Einführung und Moderation: Filmpfarrer Eckart Bruchner
24.09. Gautinger Filmgespräch: Adams Acht
Deutschland / Slowakei 2026 | 124 min. | Regie: Hannu Salonen | mit Oliver Masucci, Axel Milberg, Heino Ferch u.a.
Donnerstag, 24.09.2026 19:30
Kino Breitwand Gauting, Bahnhofsplatz 2 / 82131 Gauting
Karl Adam hat sich nach dem 2. Weltkrieg auf eine Lehrerstelle in Ratzeburg, einer Kleinstadt an der Grenze zur DDR, zurückgezogen. Er hat Boxer ausgebildet, aber in Ratzeburg gibt es nur einen See. So kommt er auf die Idee, Jungen das Rudern beizubringen. Mit unkonventionellen Methoden trainiert er in einer Zeit des Kalten Krieges und der sich schließenden Grenzen den Ruder-Achter und führt die jungen Männer zu ersten Erfolgen. Dann geht es zur deutschen Meisterschaft – und vielleicht zu den Olympischen Spielen 1960. Aber das wäre ein Wunder! (Quelle: Kino)
Einführung und Moderation: Filmpfarrer Eckart Bruchner
Quo Vadis, Filmförderung?
Wie fördern wir Filme, Talente und kreative Vielfalt in Zukunft?
Eine Kooperation von DDV und BVR
Die deutsche Filmwirtschaft hat zwei Jahre Krise hinter sich, wie nicht zuletzt die Umfrage „Survive 2025 – Fix 2026“ des Regieverbands BVR belegt. Die Novellierung des Filmförderungsgesetzes für 2025 konnte erst auf den letzten Drücker auf den Weg gebracht werden, was monatelange Verzögerungen für aktuelle Produktionen zur Folge hatte. Gleichzeitig plant der Hamburger Senat, die 2025 eingeführte Etaterhöhung für die Filmförderung zu verstetigen, und die MOIN Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein hat mit NEST die Entwicklungsförderung neu strukturiert.
Was bedeutet das alles für Regisseur*innen und Drehbuchautor*innen?
Zeit: Montag, 28.09.2026 16-17 Uhr
Ort: Seminarraum der Fabrique im Gängeviertel, Valentinskamp 34a, 20355 Hamburg
Auf dem Panel:
- Helge Albers, Geschäftsführer der MOIN Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein
- Franz Indra (BVR)
- Gerrit Hermanns (DDV)
- Jana Forkel (DDV)
- Moderation: Anja Badeck (BVR)
Die Veranstaltung ist eine offenes Sonderformat der monatlichen Regietreffen des BVR und findet auf Einladung des DDV im Rahmen der Screenwriter’s Lounge statt. Es ist keine Akkreditierung für das Filmfest erforderlich. Im Anschluss findet bis 19 Uhr ein Get-Together in lockerer Atmosphäre statt.

Bei Filme, Serien und Stars ist soeben Stefan Preis‘ Essay Edgar Allan Poes Maelstrom in „A Nightmare on Elm Street“ (1984) erschienen.
9/11 und die Filmwelt
Zum 25. Jahrestag präsentiert Filme, Serien und Stars einen Recut des Beitrages aus dem Jahr 2023. Franz Indra, Stefan Preis, David Dietrich und Rolf setzten sich intensiv mit den Folgen dieses einschneidenden historischen Ereignisses auseinander. Im Mittelpunkt steht die Frage, welchen Einfluss die Tragödie auf die Filmwelt genommen hat – sei es in der Art, wie Geschichten erzählt werden, welche Themen in den Vordergrund rücken oder wie sich die Darstellung von Bedrohung und Sicherheit im Kino verändert hat. Die vier Gesprächspartner beleuchten nicht nur die filmhistorische Entwicklung, sondern schildern auch ihre ganz persönlichen Erinnerungen und Eindrücke an diesen Tag und die Zeit danach. Dadurch entsteht ein vielschichtiger Blick auf ein Ereignis, das die Gesellschaft, die Kultur und insbesondere das Kino nachhaltig geprägt hat.
Ebenfalls bei Filme, Serien und Stars vergleicht Stefan Preis den Klassiker The Shining mit dem aktuellen Überraschungserfolg Backrooms: Vom Verschwinden des Menschen an Orten des Übergangs.
Beim Fluxkompensator setzt Stefan mit Nightmare on Elm Street 5 – Das Trauma (1989) seine Filmkritiken zur Nightmare-Reieh fort.
Und für den Lovecrafter Online hat er eine Kritik zu The Dark Secret of Harvest Home von Leo Penn mit Bette Davis verfasst: Korndämonen in den blühenden Feldern.
05.09. Hamburger Filmgespräch: Deliverance (OmU)
USA 1972 | 109 min. | Regie: John Boorman | mit Burt Reynolds, Ned Beatty, Jon Voight u.a.
Samstag, 05.09.2026 19:30
Metropolis, Kleine Theaterstr. 10 / 20354 Hamburg
Vier Geschäftsmänner aus Atlanta befahren mit Kanus einen wilden Fluss in den Appalachen, bevor dieser in einen Stausee verwandelt wird. Im Verlaufe der Reise kommt es sowohl zu gewalttätigen Konfrontationen mit Bewohnern der abgeschiedenen Gegend sowie der unberechenbaren Natur.
1973 wurde DELIVERANCE zwar in den Kategorien Bester Schnitt, Beste Regie und Bester Film für den Oscar nominiert, aber nicht ausgezeichnet.
James Dickey, Autor der Buchvorlage und des Drehbuchs, ist in einer Nebenrolle als Sheriff zu sehen. John Boorman, der bereits in POINT BLANK und ZARDOZ ähnliche Themen aufgriff, verbindet Georges Batailles Philosophie von Überschreitung und Exzess (ein Zitat aus Batailles „Die innere Erfahrung“ ist als Motto dem Roman vorangestellt) mit den Traumerzählungen von Lord Dunsany.
Moderiert wird die Veranstaltung von Filmemacher Franz Indra und Autor Stefan Preis. -> Tickets
Stefan Preis hat außerdem zwei neue Artikel verfasst: eine Kritik zu Hepzibah – Sie holt dich im Schlaf von Robert Sigl für den Fluxkompensator und den Essay Saint Toad für den Lovecrafter Online.
Seminar zu „The Shining“ der Franken-Akademie
Vom Freitag, den 16. Oktober, bis Sonntag, den 18. Oktober 2026, veranstaltet die Franken-Akademie das Wochenend-Seminar The Shining: Die verdrängte Schuld Amerikas und die Spuren der indigenen Vernichtung.

Im Zentrum des Seminars steht Stanley Kubricks Film „The Shining“ – nicht der Horrorfilm über Wahnsinn, Familie und Isolation, sondern der Film über die verdrängte Geschichte Amerikas. Das Overlook Hotel kann dabei als Symbol für die USA gelesen werden: ein prächtiger, repräsentativer Ort, der auf Gewalt, Ausbeutung und Verdrängung gebaut ist. Bereits im Film wird erwähnt, dass das Hotel auf einem ehemaligen indigenen Begräbnisplatz errichtet wurde. Diese beiläufige Bemerkung öffnet eine größere Deutungsebene: Der Horror kommt nicht nur aus Jack Torrances Psyche, sondern auch aus einem historischen Untergrund, der nie wirklich aufgearbeitet wurde.
Geleitet wird das Seminar von den Referenten Matthias J. Lange und Stefan Preis.
Filmkritik zu „Nightborn“
Beim Filmportal Fluxkompensator ist eine Filmkritik von Franz Indra zu NIGHTBORN von Hanna Bergholm erschienen, der heute in die Kinos kommt.
Du weißt, du bist in einem finnischen Film, wenn es im Supermarkt abgepacktes Kuhblut zu kaufen gibt. Saga (Seidi Haarla) hat es heimlich besorgt, weil der starke Beißreflex ihres Babys sie vermuten lässt, dass Muttermilch nicht ganz reichen wird. Ihr Mann Jon (Rupert Grint aus den Harry-Potter-Filmen) wird es natürlich später entdecken.
Das frisch getraute Paar – er Engländer, sie Finnin – ist in das halb verfallene, einsame Haus ihrer verstorbenen Großmutter gezogen. Voll Zuversicht renovieren sie es in ein heimeliges Zuhause. „Mach‘ mich zur Mutter!“, ruft sie, als sie eng umschlungen zu Boden sinken. Vielleicht war es keine gute Idee, dazu in den verwunschen wirkenden Wald zu gehen. Das Kind kommt stark behaart zur Welt, irgendetwas scheint die Ärzte zu beunruhigen. Sein anstrengendes und seltsames Verhalten lässt auch die Mutter immer absonderlicher werden.

Für Sonntagsleser
Die Sonntagsleserin weist bei Phantásienreisen auf Stefan Preis‘ Artikel über Stephen King und die nordeuropäische Folklore hin (siehe auch unser Artikel dazu).
Stefan hat inzwischen eine Reihe neuer Texte für den Lovecrafter Online verfasst: über den Hastur-Mythos bei Stephen King, das fiktive Buch Cultes des Goules in Hannibal (2001) und – erneut zum 250. Geburtstag E.T.A. Hoffmanns – zum Thema Lovecraft und die Vampire.
Für Filme, Serien und Stars hat er zudem einen Artikel über Es – Pennywise kommt in die Bibliothek geschrieben: „Bis heute weigern sich viele amerikanische Bibliotheken, Bücher von Stephen King in ihren Bestand zu nehmen.“
Und schließlich diskutiert Stefan Preis mit Jan Planinic, Dr. Werner Fassrainer, Rolf von Rolfs Filmkritiken und David Dietrich über KI und Kunst: Bedrohung, Werkzeug oder neue Bühne?
Q&A zu UGLY CRY
Auf dem Filmfest München 2026 stellte Regisseurin Emily Robinson ihren Film UGLY CRY vor und sprach im Anschluss mit dem Publikum.
Auf dem Vimeo-Kana von Franz Indra gibt es viele weitere Mitschnitte von Q&As von Festivals und anderen Veranstaltungen.
Zur Verleihung des One-Future-Preises 2026
ein Gastbeitrag von Andreja Ligna, München
Der One-Future-Preis ist ein Filmpreis der Interfilm Academy Munich. Er würdigt Filme, die sich ethisch und filmästhetisch mit dem Thema einer unteilbaren Zukunft für diese Welt auseinandersetzen. Der Preis wird seit 1986 jedes Jahr an einen Kinofilm aus dem Gesamtprogramm beim Filmfest München verliehen. Was läge also näher, als im kleinen Jubiläumsjahr 2026 auch einmal zwei gleichwertige Preise zu verleihen, anders als in früheren Jahren einen Ehrenpreis und/oder eine lobende Erwähnung?
Die Preise gehen also dieses Jahr an den Spielfilm Lieblingsmenschen – Die außergewöhnliche Freundschaft zwischen Agnes und Amir (Regie Helena Hufnagel, Kinostart 19. November 2026, mit Vorpremiere in Berlin) und die Dokumentation Was haben wir gelacht (Regie Eva Müller, Isabel Schneider, im Kino seit 16. Juli 2026). Der erstgenannte Film errang im Übrigen noch einen weiteren Preis, den Publikumspreis in der Kategorie „National“.

Im eben erst beendeten Filmfest München waren, heutzutage nicht mehr überraschend, zahlreiche Werke von Filmemacherinnen zu sehen, sowohl Erstlingswerke wie etwa Los Nadadores der jungen argentinischen Regisseurin Sol Iglesias SK – bereits im Wettbewerb „International Independents“, wie auch ein grandioses Alterswerk von Jutta Brückner (Im Spiegel meiner Mutter, im Kino 13. (Previews) / 20. August 2026). Doch ist die Wahl der beiden, nein drei Preisträgerinnen mehr als gerechtfertigt – auch wenn einige andere Titel, darunter der nicht unumstrittene Film über weibliche Emanzipation und deren mögliche Grenzen auch zeitweilig gut im Rennen lagen: Pfarrer Eckart Bruchner diskutierte mit mir kurz den Film Identitti der syrisch-deutschen Regisseurin Randa Chahoud (nach einer Bestsellervorlage von Mithu Sanyal).
Die besten Geschichten schreibt immer das Leben
Es ist mehr als eine Kinoweisheit: Die besten Geschichten lassen sich da finden, wo größtmögliche Wahrhaftigkeit auf größtmögliche Gegensätzlichkeit trifft. Fast jeder von uns könnte, nein kann solche Geschichten aus dem eigenen Erleben berichten. Und genauso hat es sich in der wahren Geschichte, die hier erzählt wird, zugetragen:
Agnes Jeschke aus Berlin (damals 101 Jahre) wollte niemals in ein Pflegeheim ziehen, war aber auf pflegerische Hilfe zu Hause angewiesen. Der syrische Geflüchtete Amir (damals 28 Jahre), ein Sportmediziner, war nach langer Flucht vor politischer Verfolgung und wegen seiner Homosexualität in Berlin gestrandet. Ein glücklicher Zufall brachte die beiden tatsächlich zusammen und führte zur Gründung einer – selbst heute – eher ungewohnten WG der besonderen Art: mit allen vorläufigen Problemen, die es zu bewältigen galt, aber auch so vielen neuen Glücksmomenten im geteilten Alltag.

Filmemacher aus Frankreich hatten, was Komödien mit oft ernstem Hintergrund anging, schon immer die Nase vorn: Olivier Nakache und Eric Toledo kreierten zunächst mit Ziemlich beste Freunde (2011) eine Reihe von Filmen mit Feel-Good-Charakter, wobei aber die Machart und Personencharakterisierung von Film zu Film immer subtiler wurde (Heute bin ich Samba, Alles außer gewöhnlich). Sie beschäftigten sich mit genau diesen Topoi (physische und psychische Erkrankungen, Autismus, Migrationsthematik) und feierten doch immer in leichtfüßig-französischer Lebensart das Aufeinanderprallen zweier oder mehrerer höchst unterschiedlicher Charaktere. Ziemlich beste Freunde war ein enormer Publikumserfolg erst in Frankreich, dann auch in Deutschland, wo sich Besucherschlangen um mehrere Häuserblocks wanden, um den Film zu sehen. Ich selbst war dabei. So soll es, so muss es auch im deutschen Kino, das nicht unbedingt für leichtfüßige Komödien mit tieferem Sinn bekannt ist, auch immer weitergehen.
Lieblingsmenschen hat absolut das Potenzial für einen nachhaltigen Kinoerfolg: Mit urkomischer Berliner Schnauze trägt die bereits Jahrzehnte für Theater und Film tätige Katharina von Thalbach die Hauptrolle der Hundertjährigen und erschreckt und bezaubert damit ihren Spielpartner Amir, dargestellt von Bardo Böhlefeld, gleichermaßen. Ich freue mich auf den Film, der leider erst im November 2026 in die Kinos kommt.
Bei der Verleihung war kurzfristig tatsächlich Regisseurin Helena Hufnagel anwesend (sie hatte erst am Tag der Preisverleihung morgens davon erfahren und war glücklicherweise noch in München) und erzählte den Anwesenden von Thalbachs realem Einswerden mit ihrer Rolle, was so weit ging, dass sich die Schauspielerin eine Glatze scheren ließ, um den Krankheitsprozess im Rollenverlauf noch glaubhafter zu machen.
Bevor in eher kurzer Weise die zweite Preisvergabe bekannt wurde, gab Jurymitglied Christine Weissbarth, Schauspielerin, Regisseurin und zertifizierte Yoga- und Mediationslehrerin, uns noch einen selbst geschriebenen Song mit auf den Weg, zum Nachdenken anregend, was eine verhängnisvolle Strömung unserer Zeit uns anstelle von mitmenschlichem Handeln ersatzweise vorschlagen will: Gier statt dem Streben für das Gemeinwohl, Krieg statt der Befriedung von Konflikten, der Sorge für das Leben aller Arten auf unserem Planeten. Und das alles wohl wissend, dass wir letzten Endes alle sterblich sind und kein Reichtum und Ruhm je von Dauer sein werden.

Was haben wir gelacht ist der gekonnt zweideutige Titel des Dokumentarfilms über die Rolle von Kabarettistinnen in den 90-er Jahren des 20. Jahrhunderts, als patriarchale Strukturen in allen Fernsehsendungen „für die Familie“ vorherrschten, und sich Quizmaster oder Unterhaltungskünstler aller Art, wie die damaligen Showmaster genannt wurden, auf Kosten weiblicher Mitarbeiter profilierten. Diese trugen im Übrigen so wertfreie Beinamen wie „Glücksfee“ oder schlicht „Assistentin“. Alles „völlig normal“. Unter den ersten Comediennes der Szene waren Hella von Sinnen, Bettina Böttinger und Gaby Köster, aber auch Esther Schweins und Maren Kroyman. Sie kommen im Film ausführlich zu Wort und berichten von einer nicht abreißenden Serie von Peinlichkeiten auf Kosten aller Frauen, die damals in den audiovisuellen Medien der Rundfunksender künstlerisch tätig waren.




