Monatliches Archiv: Februar 2015

Parvaneh bei den Oscars

Prix Interculturel 2012 - Parvaneh 1Talkhon Hamzavi drehte Parvaneh während ihres Studiums an der Zürcher Hochschule der Künste. Auf dem Internationalen Festival der Filmhochschulen München 2012 verlieh ihr die Interfilm-Akademie München dafür den Prix Interculturel. 2015 war Parvaneh für den Oscar in der Kategorie Kurzfilm nominiert. Herzlichen Glückwunsch!

Prix Interculturel 2012 - Parvaneh 2„Die junge afghanische Asylbewerberin Parvaneh und ein Mädchen aus behütetem Schweizer Hause begegnen sich angesichts einer Notlage in Zürich. Trotz ihrer Vorurteile gehen sie aufeinander zu und schließen unerwartet Freundschaft. Durch ihre subtile Darstellung der Parvaneh erzeugt besonders die Hauptdarstellerin eine große Empathie für Menschen aus unterschiedlichen Kulturen.“

Fifty Years of Interfilm

by Julia Helmke

The international church film organisation Interfilm will be 50 years old in October 2005. Why was it founded and how did it develop? Where did it succeed, where did it encounter difficulties? Fifty years is a long time for an international organisation that is exclusively voluntary and has neither permanent employees nor an office of its own. The following article gives an inside view of Interfilm, an organisation that always felt connected with WACC, but that nevertheless insisted on diversity and independence.

Berlin, Cannes, Locarno, Montreal, Karlovy Vary, Riga, Gothenburg, Zlin – there are church film prizes in all these places and more. Across Europe and beyond they host film festivals to which church juries are invited – and in some of these cities, this tradition has existed for over 40 years. Usually this no longer takes place according to separate religious denominations, but ecumenically, in alliance with Interfilm and Signis (previously known as OCIC).

It is an open question whether the men – and few women – from five Western European countries could have dreamed of such a development when they met in Paris in 1955 to talk about the challenge that film represents for the church. As a result of their discussions, they founded the international Protestant organization Interfilm on 22 October 1955.

In the early years they wanted above all to ‘protect’ people from bad films and to promote the emergence and distribution of good films. To do so, they hoped for a close relationship with the World Council of Churches (WCC). But the mass and art films did not completely fit into the WCC’s existing tasks such as mission, world responsibility, theology, and the like. The variety of possible approaches to film also quickly became evident: France pursued discussions about well-made commercial films, Germany strengthened its own Protestant film journalism, and the Anglo-Saxons promoted clearly religious productions.

Commitment was great, but so was Christian responsibility in relation to film and society. Film is the mass medium, and cinema attendance had exceeded church service attendance. Thus the questions arose: What can the church do? How can it act and react? First it wanted to become acquainted with others and exchange ideas, to increase the number of its members and to exert a stronger influence with combined forces. That applied both to church leaders, who often did not exactly know what church and film had to do with one another, as well as to the film industry and interested Christians.

Julia Helmke (PhD) is a Pastor and Interfilm member. After her ordination, she studied film criticism in Munich.

Leitung
Pfarrer Eckart Bruchner hat die Interfilm-Akademie München seit 1980 in Zusammenarbeit mit Mitarbeitern/-innen aus verschiedenen Ländern geleitet. 2016 übernahm Dr. Peter Marinković die Leitung.

Die Interfilm-Akademie ist ein internationales Forum, das den Dialog zwischen Film, Kultur und Religion fördert. Sie richtet sich an Menschen, die auf zeitgemäße Weise nach Sinn fragen wollen. Sie fördert das Verständnis der ästhetischen, spirituellen und sozialen Bedeutung des Kinos in der Kirche und engagiert sich für die Wahrnehmung von Kirche, Theologie und Religion in der Filmkultur.

Die Interfilm-Akademie steht in einem ökumenischen Horizont. Wie der Film eine globale Form des Ausdrucks und der Kommunikation darstellt, sind wir der Ökumene verpflichtet: einer Verstän­digung über die Grenzen von einzelnen Konfessionen, Kirchen und Religionen hinaus.

Eckart Bruchner

Cultures, Religions and Image, Articles about media, visual arts and multiculturality
Antwerpen 1993

Stefan Preis

Spuren eines Unsichtbaren – Der Fall Kaczynski als Bibliotheksphänomen betrachtet
Wissenschaftlicher Verlag, Berlin 2015

Zeichen der Gewalt. Die mediale Darstellung der Familie, von Geschlechterrollen und ethnischen Konflikten in „The Shining“ und „Candyman“. Texte zum kontroversen Film
Wissenschaftlicher Verlag, Berlin 2015

Der Fall Kaczynski – Terrorismus als Kommunikation. Empirischer Forschungsbericht. (Co-Autor)
Wissenschaftlicher Verlag, Berlin 2015

Weitere Publikationen folgen.

Kirchliche Organisationen

Interfilm – die internationale kirchliche Filmorganisation

Weitere Informationen folgen demnächst.

Wir weigern uns Feinde zu sein

Den Nahost-Konflikt verstehen lernen – Deutsche Jugendliche begegnen Israelis und Palästinensern.

Der neue Dokumentarfilm Wir weigern uns Feinde zu sein soll Jugendliche für den Nahost-Konflikt sensibilisieren.

Zwölf deutsche Jugendliche auf einer einzigartigen Begegnungsreise durch die Krisenregion Nahost. Ihr Ziel: Menschen kennenzulernen, die sich aus der Spirale von Gewalt und Gegengewalt gelöst haben, die auf individuelle Weise den Weg des Dialogs und der Verständigung gehen. Mit dabei ist der HipHop-Künstler ENZ, der seine Eindrücke während der Reise mit seinen „rhythm and rhymes“ wiedergibt. Im Gepäck der 16- bis 22-Jährigen: das Schulbuch Die Geschichte des Anderen kennen lernen – Israelis und Palästinenser des Friedensforschungsinstituts PRIME in Jerusalem. Die Vorbereitung mit diesem Buch war für die Jugendlichen der Einstieg, die unterschiedlichen Sichtweisen der Konfliktparteien wahrnehmen und verstehen zu können.
Begleitet wird die Gruppe durch Israel und Palästina von einer Israelin (Tochter von Holocaust-Überlebenden) und einem Palästinenser (ehemaliger Widerstandskämpfer, der mehrere Jahre in israelischen Gefängnissen saß).

Politische Grafitti-Aktion: Gemeinsam mit zwölf Jugendlichen aus dem Münchner Umland sprüht der Hip-Hop-Künstler Enz (im Bild vorne) "no peace without dignity" auf die Grenzmauer in der Westbank...

Politische Grafitti-Aktion: Gemeinsam mit zwölf Jugendlichen aus dem Münchner Umland sprüht der Hip-Hop-Künstler Enz (im Bild vorne) „no peace without dignity“ auf die Grenzmauer in der Westbank…

Der Film ist Teil eines Medienpaketes für die Bildungsarbeit in Deutschland, Schweiz und Österreich.
Das Gesamtprojekt steht unter der Schirmherrschaft von Landesbischof Dr. Johannes Friedrich und wurde von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, der Robert Bosch Stiftung und dem Auswärtigen Amt gefördert.

Wir weigern uns Feinde zu sein
von Stefanie Landgraf und Johannes Gulde
Dokumentarfilm, 89 Minuten

Terra Media Corp. Landgraf & Gulde
Bauerstr. 9 / 80796 MÜNCHEN
Tel 089 / 3543118
Email info@terramedia-online.de

Deutsch-Arabische Gesellschaft
Calvinstr. 23 D / 10557 Berlin
Tel 030 / 80941992
Email info@d-a-g.org

Burkina Faso – Zwischen gestern und morgen

Im Frühjahr 2007 begleiten Christine Weissbarth und Franz Indra im Auftrag der Interfilm-Akademie München deutsche Austausch-Schüler auf ihrer Reise durch Burkina Faso. Obwohl einer der ärmsten Staaten der Welt, gilt die Hauptstadt Ouagadougou als kulturelles Zentrum Westafrikas.
Wir erfahren nicht nur von der politischen Situation Burkina Fasos und erleben Animismus auf dem Land, sondern sehen auch das friedliche Nebeneinander von Christentum und Islam. Die Teilnehmer des Interfilm-Seminars Jeunesse et Cinema besuchen dabei auch das FESPACO, das größte Filmfest südlich der Sahara.

Zum Inhalt:

Seit Jahren gibt es Partnerschaften zwischen Ouagadougou, der Hauptstadt des westafrikanischen Staates Burkina Faso, und Gauting bzw. Stockdorf bei München: in Schulen, Kirchengemeinden und ökumenischer Filmarbeit. Im Februar 2007 besuchen Schülerinnern und Schüler sowie zwei Lehrkräfte aus Gauting die Mädchenschule von Kologh Naaba, und Christine Weissbarth und Franz Indra von der Interfilm-Akademie München begleiten sie auf ihrer Reise.
Obwohl eine katholische Schule steht Kologh Naaba Schülerinnen aller Glaubensrichtungen offen, wie auch generell in Burkina Faso Christen, Moslems und Animisten friedlich zusammen leben und sogar gemeinsam ihre religiösen Feste feiern. Freilich können aufgrund der Gebühren hauptsächlich Kinder reicher Eltern an einer gut ausgestatteten Schule wie Kologh Naaba lernen. Im gemeinsamen Unterricht und in persönlichen Gesprächen lösen sich gegenseitige Klischee-Vorstellugen der Schüler auf: „Ich hatte hier Lehmhütten erwartet.“ – „Den Deutschen ist das eigene Ego am wichtigsten.“
Auf dem gleichzeitig in Ouagadougou stattfindenden FESPACO, dem größten Filmfest südlich der Sahara, veranstaltet die Interfilm-Akademie München das Seminar Jeunesse et Cinema, in dem die Schülerinnen und Schülern aus Deutschland mit Studierenden aus Ouagadougou und den jeweiligen Regisseurinnen zwei Filme diskutieren:

  • Valery Kaboré will mit Ina über das populäre Medium der Seifenoper zur Emanzipation junger Mädchen beitragen.
  • Die Dokumentation Mieux vaut mal vivre que mourir von Justine Bitagoye und Gaudiose Nininahazwe zeigt dagegen den erbarmungslosen Überlebenskampf von Kindern, die auf einer Müllkippe in Burundi leben.

Außerdem präsentiert der Filmemacher Wolf Gaudlitz mit seinem mobilen Wüstenkino im Rahmen des Festivals Filme in der Schule und einem Armenviertel Ouagadougous.
Der Deutschlehrer Yira Tiéribadin gibt in Interviews Einblicke in das kulturelle, politische und religiöse Geschehen im Land und begleitet die Gruppe in seinen Heimatort, wo wir auch das Landleben kennenlernen, über den Markt schlendern und eine abendliche Feier miterleben. Das bitterarme Leben eines Großteils der Bevölkerung wird kontrastiert durch dekadente Veranstaltungen der hauptstädtischen Elite im Rahmen des Filmfests.

Trailer (auf Vimeo ansehen)
Teil 1 (auf Vimeo ansehen) Teil 2 (auf Vimeo ansehen)
Teil 3 (auf Vimeo ansehen) Teil 4 (auf Vimeo ansehen)
Stabliste
Regie, Kamera Christine Weissbarth, Franz Indra
Schnitt Franz Indra
Produktion Interfilm-Akademie München
Idee, Redaktion Eckart Bruchner
Original-Musik Mamadou Sanou und Roland Adam
Ton-Mischung Andreas Indra
Daten
Genre Dokumentation
Länge 36’45“
Produktionsland Deutschland 2008
Sprache deutsch, französisch
Untertitel deutsch
Seitenverhältnis 4 : 3
Farbe ja
Tonverfahren Stereo
Kamera Canon XM1
Dank
Heidi Meinzolt-Depner, Projektleiterin des Schüleraustausches Gauting – Ouagadougou
Andreas Vogel, Projektmitarbeiter des Schüleraustauschs
Peter Pich
Wolf Gaudlitz
Soeur Bernardine, Schulleiterin des Collège catholique Notre Dame du Kologh Naaba
Yira Tiéribadin
Abbé Dominique Yanogo
Pierre Nikiema
Beteiligte am Austauschprojekt 2007
Schülerinnen und Schüler des Otto-von-Taube-Gymnasiums Gauting
Schülerinnen des Collège catholique Notre Dame du Kologh Naaba
Studierende der Universität Ouagadougou
Schülerinnen und Schüler der Grundschule Wend-Zoodo
Schülerinnen und Schüler des Internats bei Kombissiri
Forum Eine Welt Gauting e.V.
Afrikakreis der Evangelischen Kirchengemeinde Stockdorf
Otto-von-Taube-Gymnasium Gauting
Interfilm
SIGNIS

Farbiger Wunsch – Bunte Welt

Im Sommer 2002 hat die Interfilm-Akademie München den Dokumentarfilm Farbiger Wunsch – Bunte Welt fertiggestellt, den Niklas Bruchner Anfang 2002 im afrikanischen Burkina Faso gedreht hatte. Beim Filmfest München 2002 erlebte der Film Farbiger Wunsch – Bunte Welt im Rahmen des Seminars Filmland Afrika in Anwesenheit von verschiedenen Gästen aus Afrika seine Premiere.

Farbiger Wunsch – Bunte Welt auf Vimeo ansehen

Doris Dörrie: Vom Kochen und der Lebensfreude

Der weltweit geschätzte Zen-Lehrer Edward Espe Brown verbindet Kochen mit der Zen-Lehre. Im Film How To Cook Your Life begleitet die Filmemacherin Doris Dörrie den mehrfachen Kochbuchautoren bei seinen Kochkursen.

„Ein Teil der richtigen und tiefen Freude, die im Leben überhaupt möglich ist, kommt von der Verbindung mit dem Essen und dem Atem“ sagt Edward Espe Brown, der in Fairfax (Kalifornien) lebt. Doris Dörrie hat mit einem kleinen Kamerateam in seinen Kochkursen in Niederösterreich und Kalifornien gefilmt. Edward Espe Brown wurde von Suzuki Roshi zum Zen-Priester geweiht. Neben seinen Meditations- und Kochkursen, lehrt er an den drei Zen-Zentren in San Francisco.

Suzuki Roshi, Lehrer von Edward E. Brown, kam in den 60er Jahren von Japan nach San Francisco und gründete in Tassajara (Kalifornien) ein Zen-Center. Suzuki Roshi steht in der Tradition von Meister Dogen, der im 13. Jahrhundert den Buddhismus aus China nach Japan brachte. In der Küche in Tassajara wird noch heute jeden Morgen der alte Text von Meister Dogen, der Tenzokyokun Instructions for the Cook, gesungen: „Wenn du Reis wäschst, wasche den Reis. Vergeude kein einziges Reiskorn. Behandle Lebensmittel wie dein Augenlicht. Bemühe dich aufrichtig und verpasse deine Chance nicht, das Leiden zu verringern, anstatt es zu vermehren.“

Christine Weissbarth: Wie haben Sie Edward Brown kennengelernt?
Doris Dörrie: Ich habe in Tessajara (ein Zen-Zentrum in San Francisco, A.d.R.) in einem Filmworkshop unterrichtet. Zur gleichen Zeit lief Edward’s Klasse, in die ich mich reingeschummelt habe, weil ich sehen wollte, was er da macht. Ich war sofort begeistert, ebenso meine Tochter, die damals 16 Jahre alt war. Was mich wirklich überzeugt hat, war, dass er auch Teenager erreicht, die keinen Zen-Hintergrund haben. So dachte ich, es wäre schön, wenn das, was Edward unterrichtet, auch anderen Leuten zugänglich wäre. Ich halte seine Kurse für sehr außergewöhnlich, und habe ihn gleich dort gefragt, ob er Lust hätte, in einem Film mitzumachen.

Sie praktizieren Kochen als Zen-Praxis. Buddhismus in der Küche – wie sieht das ganz praktisch in Ihren Kochkursen aus?
Edward Espe Brown: Eine der wichtigsten Aspekte im Buddhismus ist es, alles bewusster anzuschauen, ohne zu bewerten, ohne in gut und böse, in richtig und falsch einzuordnen. In meinen Kochkursen fordere ich die Teilnehmer auf zu schmecken, was sie essen. Anfangs fragen sie, wonach es schmecken soll, weil die Menschen denken, es sollte so oder anders schmecken. Sie können sich nicht darauf einlassen, es einfach zu schmecken und es dabei zu belassen. Es ist also sehr wichtig, Dinge zu erfahren, wie sie wirklich sind, und nicht, wie man meint, dass sie sein sollten. Dann können wir uns am Essen erfreuen, so wie es ist und uns damit gut ernähren. Und das muss man nicht Buddhismus nennen: „Schmecke einfach, was du in den Mund nimmst und erfreue dich am Essen.“

Was haben Sie in dem Kochkurs von Edward Brown gelernt?
Doris Dörrie: Ich habe gesehen, wie wichtig es auch für Jugendliche ist, Kochtechniken zu lernen und anwenden zu können. Ich habe natürlich schon mit meiner Tochter zusammen Plätzchen gebacken und einfache Gerichte gekocht. Jedoch habe ich nun erfahren, was es für Jugendliche bedeutet, wenn sie fünf verschiedene Obstkuchen backen können. Wieviel Selbstwert sie daraus ziehen, wenn sie für andere kochen. Ich glaube, dass das etwas sehr Wichtiges ist. Sicherlich habe ich zum Teil die Gelegenheit verpasst, meiner Tochter diesbezüglich etwas beizubringen, ebenso wie ich es versäumt habe, von meiner Mutter viel zu lernen, die sehr viel besser kochen kann als ich. Mir kommt vor, als wären wir an einem historischen Zeitpunkt angelangt. Frauen wie ich haben in der Vergangenheit wenig Aufmerksamkeit darauf gelenkt, Kochtraditionen zu bewahren, Rezepte unserer Mütter und Großmütter zu erlernen und weiterzugeben. Wenn wir das nicht tun, ist wirklich innerhalb von hundert Jahren alles verloren.

Worum fürchten Sie dabei?
Doris Dörrie: Was soll denn meine Tochter dann noch weitergeben? Es ist dann weg. Ich sehe schon jetzt, was das in Amerika bedeutet. Ich kenne dort viele junge Frauen, die nicht mal ein Spiegelei braten können. Das bedeutet auch, einen Teil von sich selbst zu verlieren und ein Sich-Ausliefern an andere, die es für einen tun müssen. Ich finde das sogar bedrohlich, wenn man so ein Stück Autarkie hergibt. Wenn man diese Fähigkeit wieder erlernt, kann man sich selber auch wieder mehr in Besitz nehmen. Man gehört sich mehr und man gehört auch wieder mehr zu dem Stückchen Erde, auf dem man wohnt. Dazu gehört natürlich auch, dass wir uns fragen, was jetzt gerade auf diesem Plätzchen Erde, auf dem wir uns befinden, wächst – bestimmt keine Melonen, Ananas und Bananen. Ob das so gut ist, dass man dies alles herfliegt und das Öl in die Luft bläst? Die Beschäftigung mit dem Kochen führt schnell zu diesen kritischen Fragen.

Sie kochen nun öfter mit Ihrer Tochter zusammen. Was bedeutet das für Ihre Beziehung?
Doris Dörrie: Man darf sich nicht erwarten, dass sich alles verändert, nur weil man mal ein bisschen kocht. In dem Moment des Tuns ist es schön, es entstehen vielleicht auch andere Gespräche, man verbringt Zeit anders miteinander. Meine Tochter ist ein Teenager, sie muss erst mal sehen, was sie selber lustig findet. Aber ab und zu die Gelegenheit beim Schopfe zu ergreifen, wenn sie da ist und wir gerade hungrig sind, uns aus den vorhandenen Lebensmitteln etwas zu kochen, ist schon wichtig. Oder man geht gemeinsam zum Einkaufen, um danach zu kochen – bloß keine großen Pläne machen.

Wonach suchen die Menschen, die Ihre Kurse besuchen und wie können Sie Ihnen helfen?
Edward Espe Brown: Wir meditieren und erheben den Anspruch, uns daraus eine gute Erfahrung zu holen. Mein Lehrer Suzuki Roshi pflegte zu sagen: „Achte auf jeden Atemzug.“ Es ist also wichtig, seinen Atem anzunehmen, wie er ist, und nicht zu meinen, der Atem müsste länger, kürzer, tiefer oder ruhiger sein. Es gibt ein Wissen in dir, das dir sagt, wie dein Atem ist, wie du entspannst. Seit vielen Jahren versuche ich, mit meiner Arbeit den Menschen zu helfen, sie selbst zu werden und ihnen zu zeigen, wie sie es gut machen können. Ich kommandiere sie nicht herum und sage ihnen, sie sollen dies oder jenes machen. Den inneren Wert der Menschen zu schätzen und ihn zum Vorschein zu bringen, das ist die Aufgabe. Ebenso können wir den Wert aller Dinge entdecken, ob das jetzt Radieschen, Karotten oder Kartoffeln sind; einfach zu schätzen, was sie sind und einfach das zu sehen, was gut ist. Nehmen wir eine Kartoffel, so ist es wichtig, die Kartoffel als solche anzunehmen – helfen Sie ihr zu wachsen. Eine Kartoffel möchte nur eine Kartoffel sein und sonst nichts. Ich versuche nicht, aus der Kartoffel einen Wolkenkratzer zu machen.

Seit fünfzehn Jahren beschäftigen Sie sich mit dem Buddhismus. Warum haben Sie sich für den Zen-Buddhismus entschieden und nicht für eine andere Richtung wie zum Beispiel den Tibetischen Buddhismus?
Doris Dörrie: Da ich in der protestantischen Religion aufgewachsen bin, sagt mir vermutlich Zen mehr zu, weil es kühler und nüchterner ist. Der tibetische Buddhismus ist sehr viel bildgewaltiger und opulenter, auch sehr viel ritualisierter als Zen-Buddhismus. Es ist eine innere Entscheidung, was einem mehr zusagt. Zen ist ganz unaufheblich: aufs Kissen setzen, Klappe halten und atmen. Viel mehr ist es nicht.

Wie sieht das praktisch aus? Wie können Sie als vielbeschäftigte Frau die Meditation in Ihr Leben integrieren?
Doris Dörrie: Indem ich mich auf mein Kissen setze. Das Kissen liegt bei mir immer als Aufforderung da. Natürlich schaffe ich das oft nicht. Immer wieder versuche ich mich – bei allem, was ich tue – zur Achtsamkeit aufzurufen, wie z.B. jetzt: wenn ich ein Interview gebe, gebe ich ein Interview. Und das kann man auf jede Tätigkeit beziehen. Außerdem mache ich zwischendurch Gehmeditation, auch am Drehort. Ich versuche, mir selber immer wieder einen Schneckenmodus zu verordnen, also immer wieder langsam zu werden und anzuhalten. Das gelingt mir aber nur bedingt. Der Weg in die Küche ist eine solche Möglichkeit – in Achtsamkeit eine Karotte zu schneiden ist unter Umständen nicht so weit entfernt von der Meditation.

Suzuki Roshi war Ihr Lehrer. Wie wichtig ist ein guter Lehrer?
Edward Espe Brown: Ein Lehrer hilft einem dabei, den Lehrer in sich selbst zu finden, ebenso wie er hilft, dem Teil in Einem zu begegnen, der ein guter Schüler ist. Man lernt, indem man sein Herz, seine Seele für die Welt öffnet.

Interview aus der Zeitschrift Ursache und Wirkung, Österreich