Prix Interculturel

Die Interfilm-Akademie München vergibt seit 2005 den Prix Interculturel auf dem Internationalen Festival der Filmhochschulen München – Filmschoolfest Munich.

Der derzeit mit 1.500 € dotierte Prix Interculturel fördert den interkulturellen Dialog zwischen jungen Filmschaffenden, insbesondere den von Toleranz geprägten Erfahrungsaustausch zwischen den Weltreligionen. In diesem Sinne wird von der internationalen Jury ein Film aus dem Wettbewerbsprogramm ausgezeichnet, der diesen Gedanken in ethisch wie filmästhetisch überzeugender Weise umsetzt.

Watch me if you can

Schau auf mich – das 37. Internationale Festival der Filmhochschulen München

Sehenswertes Kino im dunklen Novembertagen; Jungregisseure, die sich eine Karriere in Hollywood erhoffen; bester Branchentreff und kollegialer Austausch; ausgelassene Partystimmung; humorvolle und unermüdliche Moderatoren; liebevolle Gästebetreuung; viel Bier und gutes Essen. Alles das wird traditionell mit dem Internationalen Festival der Filmhochschulen verbunden.
„Die Woche war sehr interessant“, sagt Filmpfarrer Eckart Bruchner. „Es war eine gute Stimmung. Das Hochschulfestival ist zwar nicht so groß wie das Filmfest München, aber für die Zukunft eigentlich wichtiger. Große Regisseure haben hier ihre ersten Preise bekommen.“
Vielleicht ist das Münchner Hochschulfestival, das diesmal unter dem Motto Watch me if you can steht, beim Filmnachwuchs auch deshalb so beliebt, weil so viele Preise locken. In diesem Jahr wurden insgesamt Preisgelder in Höhe von kapp 70.000 Euro vergeben, dank langjähriger treuer Stifter, wie beispielsweise dem VFF. Die Verwertungsgesellschaft der Film- und Fernsehproduzenten vergab ihren Young Talent Award (7.500 Euro) in diesem Jahr an die 29jährige Filmemacherin Sinje Köhler von der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Ihr Beitrag Freibadsinfonie, ist ein kurzweiliger Episodenfilm in Schwarz-Weiß, der an einem Sommertag im Freibad dem Leben einer in einer Eiskugel versinkenden Wespe ebenso intensiv nachspürt, wie einer älteren Schauspielerin, die sich hinter großer Sonnenbrille und Bademantel so lange versteckt, bis ihr Schwimmlehrer kommt.
Die Nagelschneider-Stiftung, mit dem Climate Clip Award ebenfalls ein Veteran des Festivals, prämierte dieses Jahr Real News von Fabian Carl, A World Unseen von Kim Kreiser und Office Fish von Benjamin Vornehm mit 5.000, 3.000 bzw. 1.000 Euro.

Reformationspreis 2017

Es gab 2017 aber auch ganz neue Sponsoren, wie die Evangelisch-Lutherische Kirche, die besonders spendabel war und für die talentierten Filmemacher von morgen Preisgelder in Höhe von 15.500 Euro und eine Trophäe gestiftet hat: „Es ist das erste Mal, dass ich in dieser Form mit dem Filmschoolfest kooperiere“, sagt die Münchner Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler. Die ständige Vertreterin des Landesbischofs will mit dem von ihr anlässlich des aktuellen Reformationsjubiläums einmalig ausgelobten Reformationspreises junge Filmschaffende für ein Thema sensibilisieren, das ihr quasi berufsmäßig auf den Nägeln brennt.

V.l.n.r.: Fatih Tura („The Origin of Trouble“), Joren Molter („Greetings from Kropsdam“), Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler, Julia Lindström („Mamma“), Festivalleiterin Diana Iljine, Jurymitglied Xaver Schwarzenberger

„Im 16. Jahrhundert sorgten besonders Flugschriften, Briefe und Bücher für die Verbreitung des Gedankenguts von Martin Luther. Heute sind es die modernen Medien, die unsere Diskurskultur beeinflussen“, betont Susanne Breit-Keßler. „Filme setzen ins Bild, womit Menschen sich befassen, was sie umtreibt. Sie machen anschaulich, worum es im Miteinander geht. Das kann unsere Botschaft, unser Evangelium unterstreichen, zur Diskussion stellen oder auch einmal konterkarieren. Der Diskurs ist für den eigenen Glauben fruchtbar“, sagt sie.
Bei der Entscheidungsfindung standen ihr neben dem international renommierten Regisseur und Kameramann Xaver Schwarzenberger auch der selbst kabarettistisch und schauspielerisch tätige Alt-Oberbürgermeister der Landeshauptstadt München Christian Ude als Jurymitglieder zu Seite standen.
Seine Woche mit 44 Kurzfilmen aus 17 Ländern hat der Cineast Ude auf den Punkt gebracht: „Es war ein Eintauchen in eine andere Welt. Kino ist anders als Fernsehkonsum in der eigenen gewohnten Umgebung. Man lässt sich stärker darauf ein. Ich fand die Vielzahl der Handschriften erstaunlich; sie waren vollkommen unterschiedlich. Es gab überhaupt nichts, was nur entfernt an die jungen Protestfilme der 1970er Jahre erinnert hätte. Es war sehr viel privater, sehr viel intensiver, weniger bewertend, weniger protestierend, sehr stark orientiert am Familiären, an Beziehungen zwischen Einzelpersonen, aber trotzdem hat man Zeitprobleme durchschimmern sehen.“

Mit ihrer Dokumentation The Origin of Trouble machte Tessa Louise Pope von der niederländischen Filmakademie in Amsterdam dem Motto des Festivals alle Ehre. In einem sehr persönlichen Interview mit ihrem leiblichen Vater erfährt der Zuschauer, warum die Regisseurin ohne ihn aufgewachsen ist. Sie war die Gewinnerin des zweiten Preises (3.000 Euro) zum Thema Reformation.
Von derselben Filmschule eingereicht wurde auch Greetings from Kropsdam von Joren Molter, dem Hauptgewinner des Reformationspreises (7.500 Euro). Sein Film zeige einen Mann, so Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler, der sorglos sein Leben lebt, freundlich gegenüber jedermann, interessiert an allem, was passiert. In den Augen seiner Mitmenschen macht er einen Fehler – sie strafen ihn gnadenlos dafür ab. Die Jury, lobt einen „unglaublich ehrlichen Film, der totalitäre Mechanismen von Sozial- und Geisteskontrolle aufdeckt und Mut macht, sich in Gottes Namen gegen Borniertheit und Enge durchzusetzen – und notfalls dann eigene Wege zu gehen, die in Weite und Freiheit führen.“

Mit dem Reformationspreis soll die Bedeutung der Reformation auch für das aktuelle Medienzeitalter unterstrichen werden. Auch Bildung sei ein wichtiges Thema der Reformation, weshalb sich der Preis auch an den Filmnachwuchs richtet.
Das Preisgeld sei deshalb so hoch, erklärt Breit-Keßler, damit sich die jungen Filmstudierenden auch finanziell für Ihre Auseinandersetzung mit Kernthemen der Reformation und Neuzeit, wie Freiheit, Mut und Zivilcourage, gewürdigt wissen. Da ist die Hoffnung groß, dass auch künftig das Thema Film eine Rolle in ihrem Kirchenkreis spielen wird, der sich von Freising bis Berchtesgaden erstreckt.

Eine fromme Liaison?

Ihr Verhältnis zur Interfilm-Akademie, dem internationalen Forum, das seit über 35 Jahren den Dialog zwischen Film, Kultur und Religion fördert und seit einem Jahr Dekan Peter Marinković als Nachfolger von Pfarrer Eckart Bruchner leitet, sieht sie positiv: „Ich schätze Direktor Peter Marinković sehr – ‚mein‘ Dekan ist ein Mann mit großem, sensiblen Gespür für Kunst. Mit der Jury hatten wir während des Festivals einen wunderbaren kollegialen und freundschaftlichen Kontakt. Aber wir haben uns natürlich gegenseitig nichts verraten über unsere Favoriten!“, so die Regionalbischöfin.

Dennoch haben beide Jurys unabhängig voneinander denselben Film prämiert: Mamma von der norwegischen Filmemacherin Julia Lindström, die an diesem Abend mit Siegertrophäe des Bildhauers Bernd Sauter und Preisgeld des Prix Interculturel für Verdienste um den interkulturellen Dialog (1.500 Euro) sowie mit dem dritten Preis (3.000 Euro) zum Thema Reformation beglückt wurde.
Lindströms 25-minütiger Spielfilm Mamma ist, so der Laudator Peter Marinković von der Interfilm-Akademie, „die kraftvolle Geschichte von drei Frauen auf der Suche nach dem so genannten normalen Leben. Eine Großmutter, eine Mutter und ihre Tochter. Alle noch jung und zerrissen zwischen Freiheitsdrang, Hingabe und Verantwortung.“ Mit „schönem Realismus, unprätentiösen Details und begrenzten Dialogen“ zeige der Film, dass – unabhängig von Kultur und Gesellschaft – „die Verhaltensmuster einer Generation auf die nächste vererbt werden können.“

V.l.n.r.: Bildhauer Bernd Sauter, Filmpfarrer Eckart Bruchner, Preisträgerin Julia Lindström und Jury-Präsident Dr. Peter Marinković. Credit: Ronny Heine

Aber es geht nicht immer nur um Preise oder Geld. Oder doch? Jedenfalls benötigte der Venezolaner Leandro Lioh Navarro für seinen großartigen Schauspielerfilm You Usually Leave Me nur 70 Dollar (das meiste davon soll für das Catering ausgegeben worden sein). Der Student der Nationalen Filmschule Venezuelas in Caracas verdichtet in seinem 22-minütigen Film das Ausklingen einer Liebesbeziehung zu einem poetischen Stimmungsbild seiner Heimat, deren Bewohner ihr Land verlassen wollen, in der Hoffnung auf ein besseres Leben in der Fremde. Im Wettbewerb um die begehrten Preise ging sein Beitrag allerdings leer aus.

Angelika Irgens-Defregger

Der Prix Interculturel 2017 geht an „Mamma“

Der Prix Interculturel 2017 geht an den Film Mamma von Julia Lindström von der Norwegian Film School DNF, Norwegen 2016.

Motivation:
Mamma is a powerful story about three women/girls on their quest to live a socalled normal life. A grandmother, a mother and her daughter. All still young. They are striving for freedom and independence. Love and desire. Devotion and attention. These challenges turn out to be quite difficult as they face inconvenient reality responsibly in a mediocre environment.
Julia Lindström shows us that the patterns of behavior of any generation can be inherited by the following one. Irrespective of culture and society, history repeats itself. The fine directing of Julia Lindström displays the inner turmoil of Amanda, her main character, with beautiful realism, unpretentious details and limited dialogues while trusting in the power of her story.
Julia Lindström, we look forward to being delighted by your films to come.

Der Prix Interculturel ist in diesem Jahr mit 1.500 € dotiert, die Preisträgerin Julia Lindström erhält außerdem eine von dem Künstler Bernd Sauter gestaltete Trophäe.

Die Interfilm-Akademie hat im Rahmen des 37. Internationalen Festivals der Filmhochschulen München am 25. November 2017 zum 13. Mal eine Auszeichnung vergeben. Die Preisverleihung fand am 25. November 2017 im Rahmen der Award Ceremony vor geladenen Gästen statt.

Zu der international besetzten Jury unter Vorsitz von Dr. Peter Marinković (Deutschland) gehörten in diesem Jahr die künstlerische Fotografin Sima Dehgani (Iran), die Theaterregisseurin Sapir Heller (Israel) und der Schauspieler Tim Seyfi (Türkei).

Pressemitteilung (pdf)

Prix Interculturel 2017 – Anmerkungen zur Filmpreistrophäe

Die frühesten Zeugnisse menschlicher Kultur befinden sich in prähistorischen Höhlen. Diese Felsenmalereien und Zeichnungen überdauerten Zehntausende von Jahren. Bis heute faszinieren und berühren diese vor Urzeiten geschaffenen Werke durch ihre künstlerische Kraft und Authentizität.

Die mit Wissen und Geist begabten Menschen gaben ihrer Anwesenheit Ausdruck. In der Urzeit brachten sie auf die Felsenwände ihre Handabdrücke und Handumrisse an.

Hand, Handabdruck sind Zeichen menschlicher Existenz am Anfang der Kultur. Inzwischen hat sich die Menschheit soweit entwickelt, dass sie in der Lage ist, Flugkörper zu erschaffen, die unser Sonnensystem verlassen können.

Die Raumsonden Pioneer 10 und Pioneer 11 wurden 1972 auf Forschungsreise geschickt, um unser Sonnensystem zu erkunden. Die beiden Raumsonden reisen bis an die Grenzen unseres Sonnensystems und darüber hinaus. An den Raumsonden ist jeweils eine rechteckige vergoldete Plakette mit Informationen über unseren Heimatplaneten Erde montiert worden.

Es wurde die Abbildung eines Menschenpaares mit erhobener Hand zum Gruß an fremde Zivilisationen angebracht. So erscheint zu einem höchst entwickelten Zeitpunkt der Menschheit wieder das Symbol der Hand. Die Geste soll über den Gruß hinaus ein Zeichen des Friedens darstellen.

Stanley Kubrik hat in filmischen Szenen seines Werks 2001: A Space Odyssey menschliche Entwicklungssprünge in vortrefflicher Weise thematisiert. Kubriks Monolith inspirierte den Künstler Bernd Sauter letztendlich zu dieser Formgebung.

Die Filmpreis-Trophäe Prix Interculturel vereinigt somit Symbole menschlicher Existenz. Die Skulptur versteht sich als Impuls an die Filmschaffenden für ihren weiteren Weg.

Prix Interculturel beim Internationalen Festival der Filmhochschulen München 2017

Die Interfilm-Akademie vergibt im Rahmen des 37. Internationalen Festivals der Filmhochschulen München (19. bis 25. November 2017) den Prix Interculturel.

Der Prix Interculturel fördert den interkulturellen Dialog zwischen jungen Filmschaffenden, insbesondere den von Toleranz geprägten Erfahrungsaustausch zwischen den Weltreligionen. In diesem
Sinne wird von der Internationalen Jury ein Film aus dem Wettbewerbsprogramm ausgezeichnet, der diesen Gedanken in ethisch wie filmästhetisch überzeugender Weise umsetzt. Der Prix Interculturel ist in diesem Jahr mit
1.500 € dotiert. Der Preisträger bzw. die Preisträgerin erhält außerdem eine von dem Künstler Bernd Sauter gestaltete Trophäe.

Die Preisverleihung findet am Samstag, den 25. November 2017, im Rahmen der Award Ceremony vor geladenen Gästen statt.

Der internationalen Jury unter Vorsitz des Direktors der Interfilm-Akademie Dr. Peter Marinković gehören in diesem Jahr an:

Sima Dehgani wurde 1985 in München geboren, ihr Vater ist iranischer Herkunft. Nach dem Abitur absolvierte sie den Bachelor-Studiengang Kunst und Multimedia an der Ludwig-Maximilians-Universität München, daran schloss sich ein Studium der Freien Kunst Fotografie an der Akademie der Bildenden Künste München an, das sie 2015 mit dem Diplom abgeschlossen hat. Neben ihrer Tätigkeit als Fotografin für namhafte Magazine verfolgt sie auch eigene fotografische Arbeiten, die thematisch mit ihrer bikulturellen Identität verknüpft sind. Im vergangenen Jahr veröffentlichte sie das Fotobuch Ein Stück Erinnerung, Objekte von Geflüchteten. Für die Fotos ausgewählter Objekte besuchte sie Flüchtlingsunterkünfte, Notunterkünfte und umfunktionierte Turnhallen und sprach mit den Menschen dort.

Sapir Heller wurde 1989 in Israel geboren und ist dort aufgewachsen, nach dem Abitur kam sie 2008 nach München, wo sie bis heute lebt. Von 2011 bis 2014 studierte sie Schauspiel- und Musiktheaterregie an der Theaterakademie August Everding. Sie war Stipendiatin der Heinrich-Böll-Stiftung, ihre Diplom-Inszenierung Philoktet wurde zum Körber Studio Junge Regie 2014 eingeladen. Seither arbeitet Sapir Heller deutschlandweit als freie Regisseurin. Ihre Inszenierungen werden u. a. am Staatsschauspiel Dresden, Theater Augsburg, Maxim Gorki Theater, Theater Hof und im Zimmertheater Tübingen aufgeführt. Zuletzt hatte Celan mit der Axt (UA) im Studio Я/ Maxim Gorki Theater Berlin Premiere.

 

Tim Seyfi wurde 1971 in der Zentraltürkei geboren, zwei Jahre später zog er mit seiner Familie (acht Geschwister) nach München, wo er bis heute lebt. Er war sechs Jahre Leadsänger einer Rockband, bevor er nach dem Abitur in München und Marseille einen Simultandolmetscher- und Übersetzer-Studiengang in Englisch und Französisch absolvierte, den er 1994 abschloss. Während seines Aufenthaltes in Frankreich nahm er Schauspielunterricht, später besuchte er die renommierte Schauspielschule Cours Florent in Paris. Neben 30 Theaterstücken in mehreren Off- und Stadttheatern in ganz Deutschland, Italien, Frankreich, der Türkei und Polen sowie mehr als 500 Shows mit dem Improvisationstheater fastfood theater wirkte er in mehr als 100 Filmproduktionen mit. Zuletzt war er als Kommissar Pascha im Fernsehen und in Sam Garbarskis Es war einmal in Deutschland… im Kino zu sehen.

Pressemitteilung (pdf)

Der Prix Interculturel 2015 geht an „Do You Even Know…“

Der Prix Interculturel 2015 geht an den Film Au moins le sais-tu… (Do You Even Know…) von Arthur Lecouturier, Belgien 2014.

 

Begründung:
Nach dem plötzlichen Tod ihres Freunds schottet sich Alexandra komplett ab und versucht alles loszuwerden, was sie an ihn erinnern könnte – auch ihr ungeborenes Kind. Vor dem Abtreibungstermin bleiben noch sechs Tage, um die Entscheidung zu überdenken. Arthur Lecouturier thematisiert ein anthropologisches Grundproblem und eröffnet einen ethischen Diskurs, der in allen Kulturen relevant ist. Als Regisseur und Coautor gibt er Impulse ohne moralisch zu werten und einer Entscheidung vorzugreifen.
Die Handlung überrascht immer wieder und ist für den Zuschauer nicht abschätzbar. Das Ende ist offen und fordert den Zuschauer heraus, selbst weiterzudenken und zumindest virtuell eine eigene Entscheidung zu treffen.
Es gelingt ihm, in subtilen Bildern die Einsamkeit und Sprachlosigkeit, aber auch die allmähliche Entwicklung der Protagonistin einfühlsam und glaubwürdig darzustellen. Generationsübergreifend unterstützen sich zwei Frauen zunehmend aufgrund ihrer jeweiligen Verlusterfahrung, sodass sich die junge Frau dem Leben wieder zuwendet und entscheidungsfähig wird.
Zutreffendes Casting sowie behutsames Spiel mit Licht und reduzierten Farben zeichnen den Film aus. Die jeweilige seelische Lage der Protagonistin spiegelt sich in unterschiedlichen Raumatmosphären wider. Dramaturgisch wird die Beziehung zwischen den beiden Frauen symbolhaft, unprätentiös, intim, aber nicht voyeuristisch entwickelt.

Motivation:
After the sudden and unexpected death of her boyfriend, Alexandra, who is pregnant, has six days to decide whether or not to have the baby. At first she seems intent on having an abortion. She has six days to make a decision. Arthur Lecouturier focuses on a fundamental anthropological problem and opens an ethical discourse that is relevant in all cultures. He provides food for thought without becoming moralistic or prejudging any decision.
The plot remains surprising. The audience is challenged to make its own virtual decision.
Lecouturier succeeds in showing us loneliness and speechlessness with subtle imagery and portrays what the protagonist is going through with great sensitivity and authenticity.
The excellent casting, lighting and the reduced colors are also worthy of praise. Congratulations on an unpretentious film rich with symbolism, intimate and yet never voyeuristic.

Die Interfilm-Akademie München vergab den Prix Interculturel im Rahmen des Internationalen Festivals der Filmhochschulen, das vom 15. bis 21.11.2015 im Filmmuseum und der Hochschule für Fernsehen und Film München stattfand. Zu der international besetzten Jury unter Vorsitz von Pfarrer Eckart Bruchner (Deutschland) gehörten Galina Antoschewskaja (Russland),  Ileana Cosmovici (Italien/Deutschland) und Dr. Peter Marinković (Deutschland).

Prix Interculturel 2015 - Trophäe

Die vom Bildhauer Bernd Sauter neu gestaltete Trophäe

Internationales Festival der Filmhochschulen München 2015

Vom 15.11. bis 21.11.2015 findet das Internationale Festival der Filmhochschulen im Filmmuseum und in der Hochschule für Fernsehen und Film München statt. Festivalzentrum ist das Filmmuseum am St.-Jakobs-Platz 1 / 80331 München.

Im Rahmen des Festivals vergibt die Interfilm-Akademie München den Prix Interculturel. Zu der international besetzten Jury unter Vorsitz von Pfarrer Eckart Bruchner (Deutschland) gehören Galina Antoschewskaja (Russland),  Ileana Cosmovici (Italien / Deutschland) und Dr. Peter Marinković (Deutschland).

Parvaneh bei den Oscars

Prix Interculturel 2012 - Parvaneh 1Talkhon Hamzavi drehte Parvaneh während ihres Studiums an der Zürcher Hochschule der Künste. Auf dem Internationalen Festival der Filmhochschulen München 2012 verlieh ihr die Interfilm-Akademie München dafür den Prix Interculturel. 2015 war Parvaneh für den Oscar in der Kategorie Kurzfilm nominiert. Herzlichen Glückwunsch!

Prix Interculturel 2012 - Parvaneh 2„Die junge afghanische Asylbewerberin Parvaneh und ein Mädchen aus behütetem Schweizer Hause begegnen sich angesichts einer Notlage in Zürich. Trotz ihrer Vorurteile gehen sie aufeinander zu und schließen unerwartet Freundschaft. Durch ihre subtile Darstellung der Parvaneh erzeugt besonders die Hauptdarstellerin eine große Empathie für Menschen aus unterschiedlichen Kulturen.“

Prix Interculturel 2014 an Deserted

Die Interfilm-Akademie München vergab den Prix Interculturel im Rahmen des Internationalen Festivals der Filmhochschulen, das vom 16. bis 22.11.2014 im Filmmuseum und der Hochschule für Fernsehen und Film München stattfand. Zu der international besetzten Jury unter Vorsitz von Pfarrer Eckart Bruchner (Deutschland) gehörten Galina Antoschewskaja (Russland),  Ileana Cosmovici (Italien) und Roman Metz (Deutschland).

Der Prix Interculturel 2014 geht an den Film Deserted (Nivut Golem) von Yoav Hornung, Tel Aviv University, Israel.

Yoav Hornung, Prof. Eckart Bruchner

Yoav Hornung, Prof. Eckart Bruchner

Begründung:
In einer Parabel erzählt der Regisseur die Begegnung zwischen einem Beduinen und einer jungen israelischen Soldatin, die ihr Gewehr in der Wüste verloren hat. Eindrucksvoll schildert der Film, wie Angst, Vorurteile und rücksichtsloser Ehrgeiz den Dialog zwischen Kulturen nicht nur verhindert, sonden zu Lüge, Hass und Einsamkeit führt. Deserted fordert auf, seine eigenen Ziele und seinen eigenen Weg dorthin zu hinterfragen.

„Ruthless ambition and fear are the enemies of the interculturel dialogue.“

Lobende Erwähnung:
Solidarity von Dustin Brown, Santa Monica College, USA
Der Fim sensibilisiert, wie einsam illegale Einwanderer sind und sie in ihrer Situation umso mehr ausgebeutet werden.

Prof. Salvador Carrasco, Prof. Eckart Bruchner

Prof. Salvador Carrasco, Prof. Eckart Bruchner

Lobende Erwähnung:
Sunny von Barbara Ott, Filmakademie Baden-Württemberg, Deutschland
Der Film zeigt beispielhaft, wie junge Eltern mit Baby in finanzieller Not in persönliche und gesellschaftliche Rollenkonflikte geraten und alleine gelassen werden.