Thema: Pier Paolo Pasolini
Eine Anklage gegen die Perversion der Macht
Stefan Preis und Franz Indra haben für Splatting Image, das „Magazin für den unterschlagenen Film“, einen Beitrag zu DIE 120 TAGE VON SODOM (Salò o le 120 giornate di Sodoma, 1975) geschrieben. Grundlage war ihr Hamburger Filmgespräch anlässlich des 50. Todestages des Regisseurs Pier Paolo Pasolini.
DIE 120 TAGE VON SODOM ist beim ersten Sehen wie ein Schlag ins Gesicht, obwohl er kaum krasse explizite Bilder enthält und Pasolini jeglichen Voyeurismus konsequent unterbindet. Erst auf den zweiten oder dritten Blick erkennt man, was alles in ihm steckt – wie etwa die stille Anklage gegen Künstler, die sich mit dem Unrecht arrangieren, durch Pasolini, der sein Leben lang gegen alle Widrigkeiten und Gefährdungen zu seinen Prinzipien stand.
Es dürfte Pasolini auch weniger um das gegangen sein, was als Sadomasochismus bezeichnet wird. Dabei handelt es sich auch um etwas Anderes als die in de Sades Schriften geschilderten Ereignisse. Sie waren aber die Vorlage für Pasolinis eigentliches Thema: Präzise und unerbittlich zeigt er, wie im Faschismus Menschen zerstört werden. Die Gräuel der faschistischen Regimes im 20. Jahrhundert sind inzwischen nicht mehr so präsent, der Begriff Faschismus wird zunehmend beliebig verwendet. Gerade deshalb ist es heute wichtig, die Filme Pasolinis zu sehen und seine Schriften zu lesen.

Für Filme, Serien und Stars hat Stefan Preis darober hinaus einen Artikel über Augen der Angst (1960) von Michael Powell geschrieben. Er geht dabei insbesondere auf Bezüge zu E.T.A. Hoffmanns „Der Sandmann“ ein. Am 24. Januar jährte sich Hoffmanns Geburtstag zum 250. Mal, weswegen übrigens auch gerade eine Sonderbriefmarke erschienen ist.
03.11. Hamburger Filmgespräch: Die 120 Tage von Sodom (Salò o le 120 giornate di Sodoma, OmeU)
Italien 1975 | 117 min. | Regie: Pier Paolo Pasolini | mit Sonia Saviange, Paolo Bonacelli, Aldo Valetti u.a.
Montag, 03.11.2025 19:15
Metropolis, Kleine Theaterstr. 10 / 20354 Hamburg
Zum 50. Todestag von Pier Paolo Pasolini
Nach der Trilogie des Lebens (Pasolini verfilmte das Dekameron, die Canterbury Tales und die Geschichten aus 1001 Nacht) entstand mit den 120 TAGEN VON SODOM eines der umstrittensten Werke der Filmgeschichte, das Kritik wie Publikum bis heute schockiert und in zahlreichen Ländern nicht gezeigt werden darf. Pasolini verlegt in seinem letzten Film die Handlung der ebenso kontrovers diskutierten Vorlage des Marquis de Sade vom Ancien Regime in das faschistische Italien: Die Geschichte von vier angesehenen Bürgern, die an einem abgelegenen Ort furchtbare Gräueltaten begehen, ist eine Kritik an Machtmissbrauch, autoritären Regimen und der Konsumgesellschaft.
Nur kurze Zeit nach den Dreharbeiten wurde Pasolini ermordet aufgefunden, mögliche politische Motive werden bis heute vermutet.
Moderiert wird die Veranstaltung von Filmemacher Franz Indra und Autor Stefan Preis. -> Tickets
Podcast zu „Accattone“
In der neuesten Episode des Fluxkompensator-Podcasts sprechen Stefan Preis und Franz Indra über Accattone (1961).
Pier Paolo Pasolinis Debutfilm entstand nach seinem gleichnamigen Roman. Pasolini vermengt Elemente des Katholizismus und des Marxismus mit mythischen und literarischen Motiven, um realistisch mit Laiendarstellern den Alltag des römischen Subproletariats zu zeigen.
Accattone war bereits Teil der Hamburger Filmgespräche.
-> zum Podcast
Bei Filme, Serien und Stars diskutiert Stefan Preis außerdem mit Jan Planinic und Christoph Niederberger über das Filmjahr 1974.
08.11. Hamburger Filmgespräch: Accattone – Wer nie sein Brot mit Tränen aß (Accatone, OmU)
Italien 1961 | 117 min. | Regie: Pier Paolo Pasolini | mit Franco Citti, Franca Pasut, Silvana Corsini u.a.
Mittwoch, 08.11.2023 19:30
Metropolis, Kleine Theaterstr. 10 / 20354 Hamburg
Vittorio verlässt seine Frau, um mit der Prostituierten Maddalena zusammenzuleben. Als diese wegen einer Falschaussage ins Gefängnis muss, lernt Vittorio Stella kennen. Aus Liebe zu ihr versucht er, sein Leben zu ändern.
Der Debütfilm von Pier Paolo Pasolini entstand nach seinem gleichnamigen Roman. Pasolini vermengt Elemente des Katholizismus und des Marxismus mit mythischen und literarischen Motiven um realistisch mit Laiendarstellern den Alltag des römischen Subproletariats zu zeigen.
Moderiert wird die Veranstaltung von Filmemacher Franz Indra und Autor Stefan Preis. -> Tickets
Kinotreff Rio: Große Vögel, kleine Vögel (Uccellacci e uccellini)
Italien 1966 | 89 min. | Regie: Pier Paolo Pasolini | mit Totò, Ninetto Davoli, Femi Benussi u.a.
Mittwoch, 11.04.2018, 18 Uhr
Rio Filmtheater, Rosenheimer Str. 46 / 81667 München
Zunächst musste Ennio Morricone für diesen aus jedem Rahmen fallenden Film nach dem Willen Pasolinis einen gesungenen Vorspann im Stil eines italienischen Kinderliedes komponieren. Es folgt eine surrealistische Fabel voller Slapstick und Poesie, in die der heilige Franziskus ebenso eingestreut wird wie Dokumentaraufnahmen von der Beerdigung des kommunistischen Politikers Palmiro Togliatti. Wir finden Vater und Sohn auf der Straße des Lebens, der Vater wird verkörpert von dem berühmten italienischen Komiker Totò in einer seiner letzten Rollen, der Sohn des in fast allen Pasolini-Filmen präsenten Ninetto Davoli. Belästigt werden sie auf ihrem Weg von einem sprechenden Raben, der sie vergeblich mit existentiellen Fragen zwischen Christentum und Marxismus konfrontiert.
Einführung und Diskussion: Pfarrer Rainer Hepler, Kunstpastoral



