Interfilm Academy News
Kinotreff Rio: Verfehlung
Deutschland 2014 | 116 min. | Regie: Gerd Schneider | mit Sebastian Blomberg, Kai Schumann, Jan Messutat, Sandra Borgmann, Valerie Koch u.a.
Mittwoch, 21.10.2020 18:00
Rio Filmtheater, Rosenheimer Str. 46 / 81667 München

Oliver, Jakob und Dominik sind dicke Freunde – und engagierte Priester, die in der Bistumsverwaltung, Gefängnisseelsorge und Jugendarbeit ihre Berufung und Erfüllung finden. Plötzlich wird Dominik wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs an einem Jungen verhaftet und die Freundschaft der drei Männer wird auf eine harte Probe gestellt.
Das visuell und inszenatorisch sehr ambitionierte Psycho-Drama fokussiert auf den Zwiespalt zwischen Freundschaft, Loyalität und moralischer Integrität, lässt aber auch die Opfer und ihre Angehörigen nicht außen vor. Dem Regisseur Gerd Schneider, selbst ein ehemaliger Priesteramtskandidat, gelingt ein sehenswerter Debütfilm über den Umgang der Kirche mit sexuellem Missbrauch, eine starke, beklemmende Tragödie, die tief in das Wesen des Klerus blicken lässt. (Quelle: Theatergemeinde München)
Einführung und Diskussion: Prof. Eckart Bruchner, Interfilm-Akademie (in Vertretung von Pfarrer Rainer Hepler, der kurzfristig absagen musste)
Starnberger Kino auf der Kippe
Das Fünf-Seen-Filmfestival war auch im Corona-Jahr 2020 ein großer Erfolg – trotzdem steht das Starnberger Kino auf der Kippe, schreibt die Süddeutsche Zeitung am Montag, 19.10.2020.
Hamburger Filmgespräch: Enemy entfällt!
USA 2013 | 91 min. | Regie: Denis Villeneuve | mit Jake Gyllenhaal, Mélanie Laurent, Jake Gyllenhaal, Sarah Gadon u.a.Donnerstag, 26.11.2020, 19:30 entfällt!
Metropolis, Kleine Theaterstr. 10 / 20354 Hamburg

„Auf meine Stirne tritt kaltes Metall / Spinnen suchen mein Herz.“ (Georg Trakl) Das eintönige Leben eines Historikers beginnt massiv zu schwanken, als er einem Mann begegnet, der ihm aufs Haar gleicht. Immer wieder wird er mit bizarren Situationen und seltsamen Spinnen-Visionen konfrontiert. Enemy zu sehen ist wie ein Hineintauchen in die dunkle Symbolik der Psychoanalyse und noch mehr in die unheimliche Welt E.T.A. Hoffmanns, die nur in Ansätzen psychologisch erklärbar ist. Schwerpunkt unserer Diskussion ist das Motiv des Doppelgängers in der deutschen Romantik und dessen Bedeutung für die moderne Kriminologie. Die Interfilm-Akademie zeigt den Film in Kooperation mit der E.T.A. Hoffmann-Gesellschaft.
Regie führte Denis Villeneuve (Blade Runner 2049, Arrival). Die Hauptrollen spielen Jake Gyllenhaal (Brokeback Mountain, Source Code), Mélanie Laurent (Shosanna in Inglourious Basterds), Sarah Gadon (Cosmopolis, Dracula Untold) – und noch einmal Jake Gyllenhaal. In einer Nebenrolle tritt Isabella Rossellini (Blue Velvet, Green Porno) auf. Die literarische Vorlage Der Doppelgänger stammt von José Saramago (Die Stadt der Blinden), der 1998 den Nobelpreis für Literatur erhielt.

Moderiert wird die Veranstaltung von Filmemacher Franz Indra und Autor Stefan Preis. Als Gast begrüßen wir den Autor, Regisseur und früheren Intendanten des E.T.A. Hoffmann Theaters in Bamberg, Rainer Lewandowski.
Aufgrund der aktuellen Abstandsregelung sind die Plätze begrenzt, es gibt ausschließlich Platzkarten.

Hamburger Filmgespräch meets Bizarre Cinema: Lucifer Rising & Die schwarze Katze (The Black Cat, OF)
Die schwarze Katze (The Black Cat, 16mm, OF)
USA 1934 | 65 min. | Regie: Edgar G. Ulmer | mit Boris Karloff, Bela Lugosi, David Manners u.a.
Vorfilm: Lucifer Rising (Blu-ray)
USA / UK / BRD 1972 | 29 min. | Regie: Kenneth Anger | mit Kenneth Anger, Bobby Beausoleil, Donald Cammell u.a.
Samstag, 31.10.2020, 21:45
Metropolis, Kleine Theaterstr. 10 / 20354 Hamburg

Kenneth Anger, Autor von Hollywood Babylon, zählt zu den herausragendsten wie umstrittensten Vertretern des experimentellen Kinos. In der Hippie-Ära machte er eine Vielzahl von Künstlern wie die Rolling Stones und Jimmy Page von Led Zeppelin mit der Lehre des berüchtigten Okkultisten Aleister Crowley (1875-1947) bekannt. An Halloween zeigen wir seinen kontroversen Lucifer Rising, der magische, okkulte Rituale an Originalschauplätzen zeigt.
Crowley war auch das Vorbild für den von Boris Karloff dargestellten Poelzig in The Black Cat von Edgar G. Ulmer. Sein Gegner ist der Psychoanalytiker Dr. Werdegang, verkörpert von Bela Lugosi. Eine grausame Szene am Ende beeinflusste die Figur des Hannibal Lector. 1934 entstanden, setzt er sich als „politischer“ Horrorfilm mit den Gräueln des ersten Weltkrieges auseinander und appelliert, historisches oder persönlich erlittenes Unrecht niemals zu vergessen, spricht sich aber auch gegen individuelle Rache aus.
Die Einführung halten Stefan Preis und Franz Indra vom Hamburger Filmgespräch sowie Eckhard Haschen von Bizarre Cinema.
Aufgrund der aktuellen Abstandsregelung sind die Plätze begrenzt, es gibt nur noch Platzkarten.
-> Tickets

Gräfelfinger Filmgespräch: Eine Frau mit berauschenden Talenten (La daronne)
Frankreich 2020 | 104 min. | Regie: Jean-Paul Salomé | mit Isabelle Huppert, Hippolyte Girardot, Farida Ouchani u.a.
Mittwoch, 14.10.2020 19:45
Filmeck Gräfelfing, Bahnhofplatz 1 / 82166 Gräfelfing
Patience (Isabelle Huppert) ist selbstbewusst, unabhängig und vor allem schlagfertig. Nur bei ihren Finanzen ist Luft nach oben. Als Dolmetscherin im Drogendezernat übersetzt sie abgehörte Telefonate der Drogenszene und ist dafür massiv unterbezahlt. Als das kostspielige Pflegeheim ihrer Mutter wegen unbezahlter Rechnungen droht, die alte Dame auszuquartieren, gerät Patience unter Handlungsdruck. Der Zufall will es, dass gerade eine Drogenlieferung auf dem Weg nach Paris ist. Patience entscheidet sich spontan gegen die Ehrlichkeit und sabotiert die Beschlagnahmung der Drogen. In Eigenregie fahndet sie nach dem hochwertigen Hasch – und wird fündig. Patience macht sich sofort fröhlich ans Werk und zeigt sich von ihrer besten Seite: als begnadete Verkäuferin mischt sie den Pariser Drogenmarkt maximal auf.
Mit offensichtlichem Vergnügen an ihrer neuen Rolle als gebieterische Madame Hasch lässt sie ihrer kriminellen Kreativität freien Lauf: Ob marokkanische Koffer, Bauchtaschen oder Keksverpackungen: Patience ist die neue Drogen-Autorität der Stadt und für die Polizei ein Phantom, das die Nerven ihrer ahnungslosen Kollegen sichtlich strapaziert. Doch die Drogendiva muss sich sputen, denn ausgerechnet ihr Verehrer Philippe, Leiter des Drogendezernats, hat einen Verdacht, wer hinter dem Phantom wirklich steckt… (Quelle: Verleih)
Einführung und Diskussion: Filmpfarrer Eckart Bruchner, Interfilm-Akademie
Hamburger Filmgespräch stellt vor: Wie ich den Krieg gewann (How I Won the War)
Wie ich den Krieg gewann (How I Won the War, dF, 35 mm)
Vereinigtes Königreich 1967 | 109 min. | Regie: Richard Lester | mit Michael Crawford, John Lennon, Roy Kinnear u.a.
Freitag, 09.10.2020, 21:45
Metropolis, Kleine Theaterstr. 10 / 20354 Hamburg
Lieutenant Goodbody, ein eingebildeter, ehrgeiziger Idiot, soll während des Zweiten Weltkriegs in Nordafrika mit seiner Einheit ein Cricket-Feld für einen prominenten Besucher errichten. Seiner Unfähigkeit fallen der Reihe nach fast alle seine Männer zum Opfer, was seine bornierten Vorgesetzten aber nicht weiter stört. Später gerät er in Kriegsgefangenschaft und findet in einem deutschen Kommandanten endlich einen Kameraden, zu dem er eine freundschaftliche Beziehung aufbauen kann.
John Lennon wäre am 9. Oktober 80 Jahre alt geworden. Vorgestellt wird Wie ich den Krieg gewann von Franz Indra, der diesen Film auch in seinem in Kürze erscheinenden Buch Der Rote Hering – Filmtagebuch eines Kinomachers behandelt.
Aufgrund der aktuellen Abstandsregelung sind die Plätze begrenzt, es gibt nur noch Platzkarten.
-> Tickets
Hamburger Filmgespräch stellt vor: Der Tod im roten Jaguar
Der Tod im roten Jaguar (35 mm)
Deutschland / Italien / USA 1968 | 91 min. | Regie: Harald Reinl | mit Simone George Nader, Heinz Weiss, Herbert Stass u.a.
Freitag, 09.10.2020, 17:00
Metropolis, Kleine Theaterstr. 10 / 20354 Hamburg

Eine Mordserie in New York ruft den FBI-Agenten Jerry Cotton auf den Plan. Cotton wittert eine Verbrecherorganisation hinter den Taten und trifft bei den Ermittlungen auf einen alten Freund, den Detektiv Sam Parker. Dieser arbeitet allem Anschein nach für die Gegenseite. Um den verantwortlichen Hintermann zu entlarven, gibt Cotton seine eigene Ermordung in Auftrag.
Der Regisseur Harald Reinl war ein Meister des Abenteuer- und Kriminalfilms. Häufig inszinierte er nach Motiven von Edgar Wallace, Edgar Allan Poe und Jack London (Tod im roten Jaguar nimmt deutlichen Bezug auf das Romanfragment The Assassination Bureau, Ltd, worauf der Kriminologe Stefan Preis in seiner Einführung eingeht). Reinls Leben endete tragisch: am 09.10.1986 wurde er bei einem Ehestreit erstochen. Der Autor und Kriminologe Stefan Preis stellt in der Einleitung die vermuteten Hintergründe vor.
Aufgrund der aktuellen Abstandsregelung sind die Plätze begrenzt, es gibt nur noch Platzkarten.
-> Tickets
Kritische Theorie des Naturzustandes
1753 stellte die Akademie von Dijon die Preisfrage nach dem Ursprung der Ungleichheit unter den Menschen und ob dieser durch natürliche Gesetze gerechtfertigt werden könne. Jean-Jacques Rousseau, der bereits drei Jahre zuvor für seinen ersten Diskurs von derselben Akademie eine Auszeichnung erhielt, verfasste daraufhin seine Abhandlung über den Ursprung und die Grundlagen der Ungleichheit unter den Menschen, welche auch häufig als „zweiter Diskurs“ bezeichnet wird.
Gautinger Filmgespräch: Über alle Horizonte
Über alle Horizonte
Deutschland / Japan / Südafrika 2019 | 70 min. | Regie: Stefanie Landgraf und Johannes Gulde
Donnerstag, 24.09.2020 19:30
Kino Breitwand Gauting, Bahnhofsplatz 2 / 82131 Gauting

Im 17. Jahrhundert hinterfragte der spanische Dichter Pedro Calderón de la Barca in seinem „Gran teatro del mundo“ das Verhältnis der Menschen zur Schöpfung. Sein Werk inspirierte 400 Jahre später die spanische Komponistin Nelida Bejar und den Münchner Theaterregisseur Björn Potulski zu einem neuen Musiktheater.Über neun Monate begleiten die Filmautoren Landgraf & Gulde die Proben für das moderne Musiktheater „This New Ocean“, gespielt von einem Laienensemble mit Piloten, Flugbegleiterinnen und Bodenpersonal von Airlines aus drei Kontinenten: Asien, Afrika und Europa. Sie sind es, die in ihrem Berufsalltag für das „Grenzüberschreitende“ in einer globalen Welt stehen.
Was sie sich sehnlichst wünschen ist eine Weltkultur der Menschlichkeit und Solidarität.
Einführung & Moderation: Pfarrer Eckart Bruchner, Interfilm-Akademie.
One-Future-Preis 2020 an „The Great Green Wall“
Die Menschen unseres Jahrhunderts haben eine einzige unteilbare Zukunft – One Future. In diesem Sinne zeichnet der One-Future-Preis jedes Jahr einen Film aus dem Programm des Filmfests München aus, der diesen Gedanken in ethisch wie filmästhetisch überzeugender Weise umsetzt. Da das Filmfest München 2020 wegen Corona leider ausfallen musste, hat die Interfilm-Akademie im Rahmen des 14. Fünf-Seen-Filmfestivals am 6. September 2020 zum 35. Mal Auszeichnungen vergeben.
Preisträger
Der One-Future-Preis 2020 geht an den Film The Great Green Wall (UK 2020) von Jared P. Scott.
Begründung:
Wasser ist Leben. Wasser ist Zukunft.
Das nunmehr seit 15 Jahren laufende Projekt „The Great Green Wall“ ist eines der engagiertesten Projekte unserer Zeit. Quer über den afrikanischen Kontinent wird ein 8.000 km langer Baumgürtel gepflanzt. Dieser soll die Ausbreitung der Wüste verhindern und so den Wasserbestand erhalten und fördern. Das sichert Millionen Menschen Nahrung, Arbeitsplätze und damit Zukunft.
Im Film begleiten wir die malische Sängerin Inna Modja auf einer Reise entlang der „Grünen Mauer“ durch Senegal, Mali, Nigeria und Äthiopien und erfahren von den Ängsten, Träumen und Hoffnungen der Menschen, mit denen sie auf dieser Reise in Kontakt kommt. Dabei setzt die Sängerin vor allem auf die Sprache, die schon immer die afrikanische Kultur bestimmt hat: die Musik.
Der Dokumentarfilm ist einer der wenigen aktuellen Filme, die wirklich Mut machen und dies in Anbetracht der immer noch vorherrschenden Umstände: Wasserknappheit, Dürre und in Folge Bürgerkriege und Flüchtlingsströme.
The Great Green Wall zeigt, wie Menschen in Afrika diese Probleme anpacken und hilft uns zugleich, deren globale Bedeutung für eine gemeinsame Zukunft zu verstehen: One Future.
Lobende Erwähnung
Eine Lobende Erwähnung geht an den Film Corpus Christi (Polen 2019) von Jan Komasa.
Begründung:
Corpus Christi – ein Film, der einen zerreißt. Nicht nur durch seine Bilder, sondern auch durch das Ringen in der Auseinandersetzung um Macht, Schuld und Vergebung.
Was wie ein Thriller aufgebaut ist, erweist sich als Predigt. Was scheinbar allein der polnischen Realität zuzuordnen ist, mit dem allgegenwärtigen Einfluss der Kirche und den dadurch entstehenden gesellschaftlichen Konflikten, zeigt sich am Ende als allgemeingültig.
Es findet sich zusammen: Eine Dorfgemeinschaft, die seit langem unter einer geheim gehaltenen Schuld leidet und ein junger Mann, Daniel, der Priester werden möchte und es auf Grund einer kriminellen Vergangenheit nicht sein darf. Durch Ironie des Schicksals hat Daniel vorübergehend die Gelegenheit, sich als Priester auszuprobieren. Die Dorfgemeinschaft findet durch das „priesterliche Wirken“ Daniels ihren Frieden und der junge Mann seine Erfüllung, bis dann das Schicksal erneut die Karten mischt.
Was wir mitnehmen ist die Erkenntnis Daniels:
Vergeben heißt Lieben,
Lieben aber bedeutet Zukunft.
Ehrenpreis
Die Interfilm-Akademie vergab den One-Future-Ehrenpreis 2020 an den Initiator des Internationalen Fünf Seen Filmfestivals und erfolgreichen Kinobetreiber Matthias Hellwig für seinen unermüdlichen Einsatz für das Filmwesen gerade auch in schwierigen Zeiten wie Corona.



